Mutige Schritte

Eine Reformwelle bringt Veränderung nach Saudi-Arabien. DHL Express macht sich schon seit zehn Jahren für die Förderung weiblicher Nachwuchskräfte in diesem Land stark. Ihre beruflichen Ziele verfolgen die Frauen mit Mut und Entschlossenheit.

Konservative Traditionen und eine strikte Geschlechtertrennung haben viele saudische Frauen in der Vergangenheit daran gehindert, eine Arbeit aufzunehmen. Bereits 2008 stellte DHL Express die ersten Frauen ein. Ihr Anteil an der Belegschaft ist seither kontinuierlich auf über 200 gestiegen. Immer mehr Mitarbeiterinnen übernehmen auch Aufgaben mit Führungsverantwortung. Reema Al Sadlan, Managerin im Bereich Kundendienstentwicklung, hat als erste Frau in dem ansonsten von Männern dominierten Arbeitsumfeld wichtige Veränderungen vorangetrieben und ihre Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützt, ihre Potenziale zu entfalten. Darüber hinaus ist sie die erste Frau aus Saudi-Arabien, die einen Gold Stevie Award für mehrere von ihr entwickelte Initiativen erhielt.

Frau Al Sadlan, wie haben Sie es als Frau in Saudi-Arabien geschafft, berufliche Karriere zu machen?
Mit der Vision 2030 hat die Regierung Reformen eingeleitet, um die Wirtschaft von Saudi-Arabien zu stärken. Davon profitieren gerade Frauen. Denn mehr als bisher sollen die Potenziale und Ressourcen der gesamten Bevölkerung genutzt und Frauen in den unterschiedlichsten Bereichen stärker in das gesellschaftliche Leben einbezogen werden. Noch wichtiger aber ist die Tatsache, dass ich bei DHL Express arbeite. Was die Stärkung der Rolle von Frauen betrifft, ist das Unternehmen meiner Meinung nach dem restlichen Saudi-Arabien einige Schritte voraus. Sicherlich kommt hier zum Tragen, dass wir ein international agierender Konzern sind.

„Was ich kann, könnt ihr auch!“

Wollten Sie deshalb bei DHL Express arbeiten?
Unbedingt. Nach meinem Universitätsabschluss im Jahr 2009 habe ich im Call Center von DHL Express in einem kleinen Team mit mehreren Kolleginnen angefangen. Genau das Richtige für mich, denn ich wollte einen Job, bei dem ich mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern zusammenarbeiten kann.

Hätten Sie damals gedacht, dass Sie gerade einmal neun Jahre später einen angesehenen internationalen Wirtschaftspreis gewinnen würden?
Nein! Ich fühle mich sehr geehrt, und natürlich bin ich dem Unternehmen sehr dankbar dafür, dass es mir diese Entwicklung ermöglicht hat. Unsere globale Certified-Initiative ist ein gutes Beispiel. 2014 war ich die erste weibliche Teilnehmerin im Certified-International-Specialist-Programm. 2015 wurde ich dann selber Certified-Moderatorin. Dieses Programm ist einfach fantastisch und hat meine Begeisterung für die Mitarbeiterentwicklung nochmals bestärkt. Nachdem ich an einem gemischtgeschlechtlichen Certified-Training in Dubai teilgenommen hatte, fragte ich meinen Vorgesetzten, ob ich auch hier in Saudi-Arabien gemischtgeschlechtliche Gruppen trainieren dürfte. Vorzuschlagen, dass Frauen Männer trainieren, war ein ziemlich kühner Vorstoß, aber das Management stand voll hinter mir – inzwischen trainiere ich 134 Kolleginnen und Kollegen im Kundenservice. Natürlich haben wir damit Grenzen ausgetestet und überschritten, aber der alles entscheidende Faktor war das Bekenntnis unseres Unternehmens zur Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter.

Mit Ihren beiden prämierten Initiativen haben Sie ebenfalls Grenzen überschritten.
Als ich 2015 den Job als Managerin im Kundenservice für Training und Entwicklung übernahm, habe ich festgestellt, dass es einiges zu verbessern gab. Ich habe mir unser Einstellungsverfahren kritisch angeschaut und daraufhin das Assessment Center entwickelt. Ich will sehen, was die Leute können und wie sie mit bestimmten Situationen umgehen. Im herkömmlichen Vorstellungsgespräch konnte man das nicht feststellen. Diese Veränderung hat uns sehr geholfen, die richtigen Stellen mit den richtigen Leuten zu besetzen. Verbesserungsbedarf bestand ganz klar auch bei der Englischkompetenz unserer Mitarbeiter, weshalb wir die Initiative „English for Everyone“ gestartet haben. Beide Ansätze waren brandneu – und das Englisch-Programm in Saudi-Arabien bis dahin sogar einmalig. Trotzdem hatte ich bei all diesen Aktivitäten den vollen Rückhalt meiner Vorgesetzten.

Was motiviert Sie am meisten?
Ich teile mein Wissen gerne mit anderen und freue mich am meisten, wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung Menschen ihre Aufgaben und Arbeiten erledigen, wenn diese ihren Talenten entsprechen. Frauen zu helfen, ihr Potenzial zu entfalten, ist ein weiterer sehr wichtiger Motivationsfaktor für mich. Dank des Stevie Award habe ich die Möglichkeit, meine Erfahrungen mit mehr Menschen zu teilen und hoffentlich andere Frauen zu inspirieren. Für mich ist diese Auszeichnung auch eine Botschaft an meine vielen talentierten Kolleginnen und alle Frauen in meinem Land: Was ich kann, könnt ihr auch!

ERFOLGREICH DURCH VIELFALT

Der Bericht zur Unternehmensverantwortung 2018 betont, dass Vielfalt der Motor für Innovationskraft, Produktivität und Zukunftsfähigkeit ist.