"Das Homeoffice ist eine Chance, Arbeit selbstbestimmter und flexibler zu organisieren"

Thomas Ogilvie, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von Deutsche Post DHL Group, anlässlich der Veröffentlichung des neuen Deutsche Post Glücksatlas 2018

Thomas Ogilvie

Herr Ogilvie, in diesem Jahr veröffentlicht die Deutsche Post bereits zum achten Mal den Glücksatlas, jetzt erstmals unter Ihrer Ägide. Wie glücklich sind die Deutschen?

Thomas Ogilvie: Es ist sehr spannend zu sehen, wie sich die Zufriedenheit der Deutschen von Jahr zu Jahr entwickelt. Auch in diesem Jahr hat sich das Zufriedenheitslevel in Deutschland auf einem weiter hohen Niveau eingependelt. Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir stabile Zufriedenheitswerte, außerdem nähern sich die Werte in Ost- und Westdeutschland kontinuierlich weiter an.

Wie entwickelt sich die Lebenszufriedenheit der Deutschen im Vergleich zu den Vorjahren?

Thomas Ogilvie: Mit einem Glücksindex von 7,05 Punkten befinden wir uns immer noch in der Nähe des Spitzenwertes von 2016 (7,11). Trotz der gesellschaftlichen Debatten, die oft ein anderes Bild vermitteln, sind die Menschen in Deutschland insgesamt zufrieden mit ihrem Leben. Besonders erfreulich ist, dass die Zufriedenheitslücke zwischen alten und neuen Bundesländern kleiner wird. In diesem Jahr sind es nur noch 0,2 Punkte.

Worin liegen die Gründe der stabilen Zufriedenheit der Deutschen?

Thomas Ogilvie: Die hohe subjektive Lebenszufriedenheit der Deutschen lässt sich durch zahlreiche objektive Wohlstandsindikatoren erklären. Insbesondere die positive wirtschaftliche Entwicklung sowie steigende Löhne wirken sich positiv auf das Glück der Menschen aus. Zudem sinkt die Arbeitslosigkeit seit 2004 kontinuierlich. Und auch die verbesserte Gesundheitsentwicklung der letzten Jahre trägt dazu bei, dass die Deutschen insgesamt zufrieden mit ihrem Leben sind.

Welches Sonderthema haben Sie in diesem Jahr beleuchtet?

Thomas Ogilvie: Wir haben uns in diesem Jahr mit dem Sonderthema "Arbeit und Mobilität" beschäftigt, woran sich viele weiterführende Fragestellungen anschließen. Wir haben uns zum Beispiel gefragt, wie Menschen in Deutschland ihren Arbeitsweg bestreiten und beurteilen. Außerdem wollten wir wissen, ob das Homeoffice eine echte Erleichterung für Pendler darstellt und welche nachhaltigen Mobilitätskonzepte aktuell überhaupt gefragt sind. Wir haben dabei viele Aspekte gewählt, die uns auch als Unternehmen beschäftigen.

Welche zentralen Erkenntnisse konnten Sie zum Pendeln gewinnen?

Thomas Ogilvie: Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich und eindeutig. Insbesondere wenn man den Arbeitsweg mit dem eigentlichen Thema des Glücksatlas, der Lebenszufriedenheit, verbindet. Entscheidend in Bezug auf die Lebenszufriedenheit ist die Länge und Dauer des Arbeitsweges. Wer kürzer zur Arbeit pendelt, weist eine höhere Arbeits- und Lebenszufriedenheit auf.

Wie kommen die Menschen in Deutschland zu ihrem Arbeitsplatz?

Thomas Ogilvie: In diesem Punkt bestätigt sich die große Verbundenheit der Deutschen mit ihrem Auto. Mehr als zwei von drei Deutschen kommen mit dem Auto zur Arbeit. Mit weitem Abstand folgt der ÖPNV mit 14 Prozent. Das Fahrrad ist das drittbeliebteste Fortbewegungsmittel: 9 Prozent kommen mit dem Rad zur Arbeit. Dieser Eindruck bestätigt sich übrigens auch im Bereich der nachhaltigen Mobilität. Da wir uns als Unternehmen sehr stark mit nachhaltigen Mobilitätslösungen beschäftigen, haben wir auch genau danach in der Bevölkerung gefragt. Und auch hier dominiert bei der Nutzungsbereitschaft das Elektroauto mit deutlichem Abstand vor dem E-Bike. Erfreulich: Insgesamt stehen 63 Prozent der Deutschen nachhaltigen Mobilitätsangeboten positiv gegenüber. Bei den Jüngeren sind es sogar 76 Prozent.

Sie haben im Rahmen des Sonderthemas auch die Nutzung des Homeoffice in Deutschland analysiert. Kann dieses Arbeitsmodell insbesondere Pendler entlasten?

Thomas Ogilvie: Das Homeoffice ist für Arbeitnehmer, die nicht an einen konkreten Arbeitsort gebunden sind, eine Chance, Arbeit selbstbestimmter und flexibler zu organisieren. Zusätzlich entlastet mobiles Arbeiten im Homeoffice insbesondere Menschen mit langem Arbeitsweg deutlich. Der Glücksatlas zeigt uns, dass bereits 26 Prozent der Deutschen mehr oder weniger regelmäßig im Homeoffice arbeiten. 76 Prozent haben das Homeoffice dagegen noch nie genutzt. Hier besteht die Befürchtung, dass sich durch das Homeoffice Privates und Berufliches nicht mehr klar trennen lassen oder der soziale Austausch mit Kolleginnen und Kollegen leiden könnte. Im Gegensatz dazu schätzen Homeoffice-Nutzer gerade die hohe Flexibilität, die das Homeoffice ihnen bietet. Zudem wirkt sich das mobile Arbeiten von zu Hause für 84 Prozent der Nutzer positiv auf die eigene Lebensqualität aus.

Können die Mitarbeiter der Deutschen Post DHL Group heute schon Homeoffice nutzen?

Thomas Ogilvie: Grundsätzlich ja, aber es hängt natürlich auch von der Art der Arbeit ab: Für unsere Zusteller ist das mobile Arbeiten von zu Hause aus aufgabenbedingt nicht möglich. In vielen anderen Bereichen, in denen die Arbeit vom Homeoffice aus aber sinnvoll und möglich ist, haben unsere Kolleginnen und Kollegen in Absprache mit ihren Vorgesetzten die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten.

Wie glücklich ist die Deutsche Post in diesem Jahr? Messen Sie selbst das Glück Ihrer Mitarbeiter?

Thomas Ogilvie: Als einer der größten Arbeitgeber in Deutschland mit rund 220.000 Kolleginnen und Kollegen bundesweit liefern wir täglich selbst erfüllte Wünsche und Überraschungen aus. Dabei ist die Zufriedenheit unserer Kunden von großer Wichtigkeit für uns. Wir sind täglich von Ost nach West, von Nord nach Süd in ganz Deutschland im Einsatz, und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dabei die wichtigsten Botschafter unseres Geschäfts. Darum ist es für uns als Arbeitgeber sehr wichtig, dass unsere Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit mögen, sie faire Arbeitsbedingungen vorfinden und angemessen bezahlt werden.