08.06.2015, 12:45 MESZ

Deutsche Post: Forderung von ver.di gefährdet Arbeitsplätze und bietet keine Wachstumsperspektive

Der ver.di-Vorschlag leistet keinen Beitrag zur Zukunftssicherung für Mitarbeiter und Unternehmen.

  • Konzern lehnt aktuelle Forderung der Gewerkschaft ver.di ab
  • Verdi-Vorschlag leistet keinen Beitrag zur Zukunftssicherung für Mitarbeiter und Unternehmen
  • Vorschläge bleiben sogar hinter schon bestehenden Vereinbarungen zurück
  • Androhung unbefristeter Streiks ist unverhältnismäßig

Bonn - Nach eingehender Prüfung der in der sechsten Runde der Tarifverhandlungen von der Gewerkschaft ver.di als Angebot übergebenen Forderungen hat die Deutsche Post diese heute als völlig unzureichend zurückgewiesen. 

"Der ver.di-Vorschlag leistet keinen Beitrag zur Zukunftssicherung für Mitarbeiter und Unternehmen. Mit der Forderung nach Abschaffung der seit Monaten schon tätigen Regionalgesellschaften für die Paketzustellung stellt die Gewerkschaft ihre eigenen regionalen Tarifverträge für die Speditions- und Logistikbranche in Frage. Nun werden 130.000 Beschäftigte bei der Deutschen Post AG zum Streik aufgefordert, um gegen Regionalgesellschaften vorzugehen, in denen 6.000 Mitarbeiter nach ver.di-Tarifverträgen bezahlt werden.", sagt Melanie Kreis, Konzernpersonalvorstand und Arbeitsdirektorin der Deutsche Post DHL Group. "Dieses sogenannte Angebot, das durch die ultimative Forderung nach umgehender Annahme nicht einmal verhandelbar war, löst keines unserer Probleme. Mit einer Mehrbelastung von rund 300 Mio. Euro wäre es sogar eine spürbare Verschärfung unseres bestehenden Wettbewerbsnachteils", so Kreis.

Das Unternehmen hatte ver.di bereits im vergangenen Jahr Gespräche über eine grundlegende Modernisierung der bestehenden Tarifstruktur vorgeschlagen. Hintergrund ist das rasante Paketwachstum, das auch in den kommenden Jahren umfangreiche Investitionen erfordert, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Kundenanforderungen gerecht werden zu können. Das im Vergleich zum Wettbewerb doppelt so hohe Lohnniveau verhindert aber auf mittlere Sicht, dass die Deutsche Post dauerhaft im Wettbewerb mithalten kann. Daher schlug sie vor, für zukünftige Mitarbeiter markgerechtere Löhne einzuführen, die sich an den von ver.di vereinbarten Regionaltarifen für die Logistik orientieren. Diese Gespräche hatte ver.di grundsätzlich abgelehnt. Daraufhin hatte das Unternehmen eigene Tochtergesellschaften gegründet und angekündigt, bis 2020 mindestens 10.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Inzwischen arbeiten bereits 6.000 Menschen für die neuen Gesellschaften, darunter bereits mehr als 2.000 vom externen Arbeitsmarkt, die alle nach den ver.di-Branchenlöhnen bezahlt werden. "Diese neue Struktur ist unverzichtbar, um auch den heute bereits bei der Deutschen Post AG beschäftigten Mitarbeitern ihre Anstellung zu den heutigen überdurchschnittlichen Konditionen zu sichern", sagt Kreis.

Die aktuellen Forderungen von ver.di greifen zu kurz und verhindern eine nachhaltige Lösung. Die vorgeschlagenen Verbesserungen bei den Sonderzahlungen und den altersbedingten automatischen Lohnsteigerungen entsprechen in keiner Weise den regionalen ver.di-Tarifverträgen. Zudem sind die Vorschläge zeitlich bis 2020 ohne Nachwirkung befristet. Eine Regionalisierung zur Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenshaltungskosten fehlt völlig. Die Forderung nach fünf Jahren Kündigungsschutz geht deutlich über alle bisherigen Regelungen und die von ver.di in anderen Branchen erreichten Vereinbarungen hinaus. Mit der Forderung nach vollständiger Eingliederung der Paketzustellung in den Haustarifvertrag bleibt das sogenannte Angebot sogar hinter dem zurück, was seit Jahren schon als bestehende Sonderregelung vereinbart war.

Der Katalog beinhaltet darüber hinaus Forderungen, die überhaupt nicht tariffähig sind, sondern als schuldrechtliche Verträge geregelt werden, wie z.B. der Verzicht auf Fremdvergabe in der Paketzustellung.

Die Androhung unbefristeter Streiks bewertet die Deutsche Post als unverhältnismäßig und in Bezug auf die laufende inhaltliche Auseinandersetzung als destruktiv. Es würden Mitarbeiter zum Streik aufgerufen, die gar nicht von den Regionalgesellschaften betroffen seien. Das Unternehmen kündigte an, wie auch schon bei den Warnstreiks der vorangegangenen Wochen alles zu tun, um die Auswirkungen für seine Kunden so gering wie möglich zu halten.  

"Niemand verliert durch die DHL Delivery seinen Arbeitsplatz. Niemand hat dadurch Lohneinbußen oder den Verlust seines Besitzstandes zu befürchten. Aber nur durch eine dauerhaft wettbewerbsfähige Lohnstruktur können wir  uns auch zukünftig erfolgreich am Markt behaupten. Wir appellieren an ver.di, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und im Interesse der Beschäftigten und ihrer Zukunft zu handeln", fordert Melanie Kreis.