"Jedes vierte Auto unserer Flotte fährt elektrisch"

Stefan Eckelmann (58) ist seit einem Jahr Chef der Deutschen Post DHL Niederlassung in Hamburg. Im Interview spricht er darüber, wie das Unternehmen Emissionen reduzieren will, über postalische Besonderheiten in der Hansestadt und sein letztes Urlaubsziel, den Oman.

© Deutsche Post DHL Group / Christian Bendel | Stefan Eckelmann

Herr Eckelmann, Sie sind gebürtiger Hamburger und seit März 2021 Chef von rund 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wie fühlt sich das an? 

 "Ich empfinde das als echtes Privileg, in so einer tollen Stadt wie Hamburg Sorge dafür zu tragen, dass die Menschen ihre Briefe und Pakete zuverlässig bekommen. Seit mehr als drei Jahrzehnten bin ich hier in verschiedenen Funktionen tätig, von daher bin ich bestens vorbereitet. Der Verantwortungsbereich meiner Niederlassung geht von Otterndorf an der Nordsee bis Lüneburg in der Heide und im Norden bis Bargteheide in Schleswig-Holstein. Wir bedienen mit insgesamt 88 Betriebsstätten also sowohl die Metropole, als auch das Land. Das macht die Arbeit sehr spannend und abwechslungsreich."

© Deutsche Post DHL Group / Christian Bendel | Stefan Eckelmann

Können Sie sagen, wie viele Brief- und Paketsendungen in der Woche in Ihrer Niederlassung bearbeitet werden?

Das sind im Durschnitt rund 12 Millionen Briefe und ca. 1,8 Millionen Pakete in der Woche. Natürlich schwankt das etwas bedingt durch die Jahreszeiten oder die Weihnachtszeit.

Hat sich durch die Pandemie etwas verändert?

Die notwendigen Schutzmaßnahmen haben wir schnell und konsequent umgesetzt. Wir haben medizinische Masken und ausreichend Desinfektionsmittel bereitgestellt arbeiten überwiegend zeitlich versetzt in Wellen. In unserem Paketzentrum haben wir zusätzlich eine Fieberschleuse und Abstandsmelder installiert. In der Auslieferung ist die kontaktlose Zustellung mittlerweile zum Standard geworden und wird auch von den Kunden sehr gut angenommen.

Wie sind Sie zur Post gekommen? 

Ich habe Betriebswirtschaftslehre in Hamburg studiert. Direkt nach meinem Studium, das war 1988, habe ich bei der Deutschen Post angefangen. Zunächst als Sachbearbeiter im Betrieb und der Verwaltung. Im Jahr 1996 habe ich meine erste Führungsverantwortung übernommen. Dann ging es intern immer weiter, zuletzt war ich Leiter Auslieferung Brief/Verbund mit rund 4.000 Beschäftigten. Ich habe den ganzen Wandel von der Behörde zur Aktiengesellschaft mitbekommen, das war schon sehr spannend.

Kommt es häufiger vor, dass Menschen innerhalb des Konzerns Karriere machen?

Ja, definitiv. Es gibt immer wieder tolle Chancen für Quereinsteiger und Talente. Wir haben eigene Talentprogramme, wo sich Beschäftigte aus der Produktion bewerben können. Für motivierte Kolleginnen und Kollegen gibt es eine hohe Durchlässigkeit nach oben.

Was sind aus Ihrer Sicht die Besonderheiten in Hamburg?

Wir verantworten ein sehr gemischtes Gebiet mit der starken Metropolregion und einem großen Landbereich. Gerade in Hamburg haben wir viele relevante und anspruchsvolle Kunden, beispielsweise Firmen, die geschäftlich darauf angewiesen sind, dass wir pünktlich und zuverlässig liefern. 

Obwohl wir viele Briefe und kleine Sendungen mit Fahrrädern zustellen, stellt uns allerdings die Verkehrs- und Parksituation in Hamburg vor große Herausforderungen. Das betrifft aber auch die anderen Lieferdienste oder Handwerkerfirmen. Am Ende müssen gute Lösungen und Chancen für alle Verkehrsteilnehmer gefunden werden. Hier ist auch die Politik durch Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für eine funktionsfähige Logistik gefordert.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich bin stolz darauf, wie wir insgesamt durch die Corona-Zeit kommen. Wir sind die ganze Zeit über betriebsfähig und mussten noch keine Betriebsstätte schließen. Auch mit Blick auf die Sendungsmengen haben wir quasi dauerhaft Höchstmengen wie sonst nur an Weihnachten. Das verlangt natürlich schon Einiges ab. Unsere Kolleginnen und Kollegen zeigen eine beeindruckende Leistung, die höchsten Respekt verdient. Der Konzern hat sich dafür bedankt, unter anderem mit zweifachen Corona-Boni für alle Beschäftigten weltweit, aber auch mit Danke-Veranstaltungen im Rahmen kleiner, coronagerechter Betriebsfeiern. Wir haben bundesweit auch viele eigene Impfzentren betrieben. Allein in der Niederlassung Hamburg haben wir über 3.000 Leute geimpft. Das macht mich schon stolz.

Die Deutsche Post DHL möchte bis 2050 ihre logistikbezogenen Emissionen auf Null senken. Welche Maßnahmen werden konkret in Hamburg umgesetzt, um CO2-Emissionen weiter zu reduzieren?

Der Klimaschutz ist ein wesentlicher Teil unserer Unternehmensstrategie. In meiner Niederlassung fährt schon jedes vierte Auto elektrisch. In über 850 Bezirken stellen wir zudem mit Fahrrädern oder Elektro-Trikes zu. Unsere neuen Betriebsstätten bauen wir mit Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach und installieren Wärmepumpen. Wir beteiligen uns außerdem an verschiedenen, nachhaltigen Projekten der City-Logistik in Hamburg. Beispielsweise an dem Projekt Roadlytics, bei der die Verkehrsflüsse digital aufgezeichnet werden. Damit wollen wir besser verstehen, wo und wodurch Stausituationen entstehen. Ganz neu ist auch die Idee, die vielen Hamburger Wasserstraßen besser zu nutzen. In Venedig oder London gibt es ja schon kleine DHL-Boote, die Lieferungen an zentrale Stellen in der Stadt bringen. Im Moment läuft hierzu ein Antrag bei der EU. Wir müssen aber auch ehrlich sein und uns überlegen, wie so etwas überhaupt wirtschaftlich rentabel umgesetzt werden könnte.

Was sind für Deutsche Post DHL die Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Wir sehen schon länger einen Strukturwandel: die Briefmengen sinken und die Paketmengen steigen. Entsprechend verzahnen wir die beiden Bereiche immer stärker sowohl in der Produktion als auch in der Zustellung. Wir werden weiter auf die Verbundzustellung umstellen, bei der ein Zusteller Briefe und Pakete ausliefert. Der Job wird damit auch anspruchsvoller. Unsere Beschäftigten müssen lernen mit digitalen Apps und Scannern umzugehen sowie ganz unterschiedliche Produkte liefern. Das macht die Arbeit einfacher, aber auch anspruchsvoller.

Sie sind im letzten Jahr zwei Wochen durch den Oman gereist. Können Sie das Land empfehlen? 

Auf jeden Fall. Ich war schon vor 22 Jahren einmal dort und wir waren sehr beeindruckt über die Weiterentwicklung. Es ist ein absolut sicheres Land und die Menschen sind unheimlich freundlich. Mir wurde auch wieder einmal deutlich, wie wichtig Wasser in diesen Ländern ist. Da gibt es Städte, die sind ausgestorben, weil keine Wasserader mehr ankommt. Gleichzeitig wird auch der technische Fortschritt sichtbar mit Blick beispielsweise auf die großen Meerwasser-Entsalzungs-Anlagen. Es erdet einen schon, wenn man in dieser Region unterwegs ist.

Herr Eckelmann, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Sie!

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