Wenn es heute regnet, haben wir morgen mehr Pakete

Wie kommt ein Paket von heute bis morgen von A nach B? Wie überwindet es kurze und weite Distanzen? Ein Blick ins Paketzentrum Aschheim verschafft Klarheit.

© Deutsche Post DHL Group | "Ich laufe doch nicht an der Arbeit vorbei!" Bei seinen Rundgängen durchs Paketzentrum packt Leiter Florian Betz (Bildmitte) oft mit an. Die Sperrgutverladung ist ein Zwei-Mann-Job, die Pakete sind groß und können bis zu 31,5 Kilogramm schwer werden.

Mit 20 stieg Florian Betz nach dem Abitur über ein duales Studium bei der Deutschen Post ein. Nun ist er 40 und leitet das Paketzentrum Aschheim mit rund 400 Beschäftigten. Gleich nebenan wird ein neues Paketzentrum gebaut. Mit diesem wird sich nach Fertigstellung im Herbst des kommenden Jahres die Sortierkapazität verdoppeln. Dabei durchlaufen bereits heute pro Tag eine halbe Million Pakete das Sortierzentrum in Aschheim, ungefähr die Hälfte davon geht von Aschheim in den Rest der Republik und in die weite Welt, die andere Hälfte kommt von dort und ist für den Großraum München bestimmt.

© Deutsche Post DHL Group | Sein halbes Leben und sein ganzes Berufsleben arbeitet Florian Betz (dritter von links) für die Deutsche Post und DHL. Mit seinen Teammitgliedern (hier im Bild sind von links Lazaros Dyonisadis, Marcus Trapp und Daniel Hnida) diskutiert er oft und viel.

"Auch wenn wir gut arbeiten können, ist die Vergrößerung dringend notwendig", bekräftigt Florian Betz. In den 20 Jahren, die er mittlerweile dabei ist, hat sich im Paketbereich enorm viel getan. Mit dem Internethandel sei alles viel größer und internationaler geworden. "Früher saßen unsere Kunden hier im Großraum München", berichtet der Manager. "Heute sind wir für viele Kunden aus dem Ausland die Anlaufstation für eine Verteilung in Deutschland." Sogar wetterfühlig sei das Paketgeschäft inzwischen geworden. Regnet es draußen, haben die Menschen mehr Lust und Muße, das Internet zu durchstreifen und einzukaufen. "Am nächsten Tag haben wir spürbar mehr Pakete", sagt Betz.

Vor allem für Produzenten und Online-Händler aus Österreich, Tschechien, Ungarn, Polen und Italien ist Aschheim das Tor zu den Kunden in Deutschland. Espressobohnen und Kaffeemaschinen, Mode, Feinkost und immer mehr Fahrräder und E-Bikes kommen per LKW ins Land. Ein kleiner Teil der Sendungen wird im Großraum München bei anderen Logistikunternehmen bis zur Bestellung zwischengelagert und dann DHL zum Weitertransport und zur Zustellung übergeben. Der Großteil der Ware aus dem Ausland ist aber schon bestellt und wird per 40-Tonner direkt ins Paketzentrum Aschheim eingeliefert. Doch auch das Privatkundengeschäft und die regionalen Sendungen spielen für den Paketriesen DHL eine Rolle, wie Florian Betz beim Gang durch seine "Paketfabrik" erklärt: "Wir wollen ein Paketdienstleister für alle Kunden sein." Um dies zu verdeutlichen, pickt sich der Leiter des Paketzentrums im Entladebereich zwei unterschiedliche Sendung heraus, einen mittelgroßen Karton und ein riesiges Paket aus einem Rollbehälter. Im Folgenden versuchen wir, diesen beiden Paketen auf den Fersen zu bleiben - im Paketzentrum und über die Datenverarbeitung.

Der braune Karton bleibt in der Region

Der Karton ist mit hoher Wahrscheinlich ein Privatkundenpaket, das sich Verwandte geschickt haben. Jedenfalls tragen Absender und Empfänger dieselben Nachnamen. Der Absender sitzt in Unterschleißheim, die Empfängeradresse liegt in Hohenpolding, einer Gemeinde im Landkreis Erding. 

"Rund zehn bis 15 Prozent aller Paketsendungen bleiben hier in unserem Einzugsgebiet", erklärt Florian Betz. Die bisherigen Stationen des Pakets ermittelt Florian Betz an seinem Schreibtisch. Eingeliefert wurde die Sendung um 16.09 Uhr in einer Filiale in Unterschleißheim. Dort wurde das Paket auch erstmalig gescannt und in einen Rollbehälter verpackt. In der Filiale füllen sich über den Tag hinweg mehrere dieser Behälter, die ein Zwölftonner abends bei der Einsammelfahrt abholt und direkt ins Paketzentrum bringt. Dabei fährt der Lastwagen auf seiner Tour mehrere Filialen und Großkunden an. 

Im Paketzentrum angekommen, wird der Karton zunächst per Hand aufs Band aufgelegt und gescannt. "Damit erkennt das System unser Paket als Sendung aus der Region für die Region", erklärt Florian Betz. Jetzt muss es mit dem Ziel "eigener Versorgungsbereich" der Endstelle für Hohenpolding zusortiert werden. Dazu fährt das Paket auf seiner Schale auf einem insgesamt zwei Kilometer langen Förderband in luftiger Höhe durch das Paketzentrum. An der richtigen Endstelle angekommen, kippt die Schale das Paket ab, der Karton gleitet über eine meterhohe Rutsche abgebremst nach unten. "Ordentlich verpackte Ware übersteht die Rutschpartie problemlos", beruhigt Florian Betz.

Am Spätabend an der Endstelle im Paketzentrum angekommen, hat das für Hohenpolding bestimmte Paket nun mehrere Stunden Pause. Am frühen Morgen wird es erneut in einen Rollbehälter verpackt und verlässt das Paketzentrum gegen fünf Uhr auf einem LKW, der es auf seiner Tour direkt zur Zustellbasis bringt. Dort sortiert der Zusteller das Paket in seine Tour ein - und wenn nichts dazwischenkommt, ist das Paket spätestens am anderen Nachmittag beim Empfänger.

Fahrrad fährt Zug

Bei dem zweiten Paket, das sich Florian Betz ausgesucht hat, handelt es sich um ein Fahrrad eines österreichischen Herstellers. Versandadresse ist ein Logistikzentrum im Münchner Speckgürtel, der Empfänger hat sein Rad nach Norderstedt im Großraum Hamburg bestellt. "Seit Corona boomt das Geschäft mit Fahrrädern und besonders mit E-Bikes", sagt Florian Betz. "Deshalb sind wir froh, dass wir in den Paketzentren auch Sperrgüter bearbeiten können." Für das Förderband ist der Karton allerdings zu groß, selbst auf einem sogenannten Doppelschaler beträgt die Maximallänge eines Paketes 1,20 Meter. Deshalb wird der Karton mit dem Fahrrad in der Eingangsbearbeitung in einen Rollbehälter gepackt und gemeinsam mit weiteren Sperrgütern in einen speziellen manuellen Verteilkreis in der Mitte des Paketzentrums gebracht. Dort sortieren Mitarbeiter die Großpakete per Hand auf die Nah- und Fernziele. Der Rollbehälter Richtung Hamburg füllt sich rasch, die letzte Lücke neben dem Karton mit dem Fahrrad schließt ein stattlicher Granatapfelbaum. Dazu Florian Betz: "Es gibt nichts, was nicht online bestellt werden kann und auch bestellt wird." 

Damit den Mitarbeitern im Verteilkreis genügend Bewegungsfreiheit für die schwere Arbeit bleibt, werden volle Behälter zügig abtransportiert. Auch den Rollbehälter mit dem Rad für Norderstedt und dem Granatapfelbaum für Hamburg schnappt sich ein Mitarbeiter und schiebt ihn rasch zum Rolltor für Sendungen nach Hamburg. Gleich daneben landen die maschinenfähigen Pakete, die das Förderband über die Rutsche abwirft. Diese Pakete verladen die Mitarbeiter der Tagschicht bis 21 Uhr lose in eine sogenannte Wechselbrücke für den Weitertransport, die Rollbehälter mit den Sperrgütern werden komplett auf die Ladefläche geschoben. Bei diesen Wechselbrücken handelt es sich um sieben Meter lange Containerboxen auf Stelzen. Sobald die Boxen gefüllt sind, werden diese von einem LKW-Fahrer auf einer Lafette, also einem fahrbaren Untergestell, aufgenommen und abtransportiert.

Der LKW fährt allerdings nicht auf der Autobahn bis Hamburg durch, sondern nur ein paar Kilometer weiter zum Güterbahnhof Riem, wo die Wechselbrücken auf den Parcel InterCity verkrant werden. Die Zeit, die durch das Umladen verlorengeht, holt der Zug, der auf der Strecke bis zu 160 Kilometer in der Stunde zurücklegt, spielend wieder auf. "Beim Schienentransport emittieren wir deutlich weniger Treibhausgase", betont Florian Betz. "Wir halten also unser Leistungsversprechen und tun der Umwelt etwas Gutes." Der Zug mit dem Fahrrad wird anderntags gegen halb fünf Uhr in der Früh Hamburg erreichen. Wie das Paket nach Hohenpolding kommt auch das für Norderstedt bestimmte Fahrrad anderentags spätestens am Nachmittag beim Empfänger an. Für Florian Betz sind beide Leistungen gleichwertig: "Es kommt nicht so sehr auf die Strecke an, sondern auf die Organisation."

Privatkundenpaket aus der Region

14.30 Uhr: Online-Frankierung

16.09 Uhr: Einlieferung in einer Filiale in Unterschleißheim

17.21 Uhr: Abholung in der Filiale im Zuge einer Einsammelfahrt bei mehreren Filialen und Kunden, direkter Weitertransport ins Paketzentrum

18.04 Uhr: Der LKW erreicht das Paketzentrum und wird entladen

18.15 Uhr: Das Paket wird auf das Förderband gelegt. Der Vorsorter erkennt es als Regionalpaket und leitet es direkt zur Endstelle des eigenen Versorgungsbereichs

05.00 Uhr: Ein LKW bringt das Paket zum Zustellstützpunkt

07.45 Uhr: Der Verbundzusteller sortiert das Paket in seine Tour ein

13.27 Uhr: Der Verbundzusteller gibt das Paket an der Empfangsadresse ab

E-Bike

13.30 Uhr: Online-Bestellung durch den Kunden in Norderstedt

15.11 Uhr: Das Rad steht abholbereit in einem Logistikzentrum im Großraum München

16.25 Uhr: Ein 40-Tonner von DHL holt das Rad zusammen mit vielen anderen Sendungen ab und bringt die Ware direkt ins Paketzentrum Aschheim

17.21 Uhr: Das Paket wird durch einen Mitarbeiter als Sperrgut erkannt und dem Sperrgutverteilkreis im Paketzentrum zugeführt

18.23 Uhr: Der Rollcontainer mit Sperrgütern für Hamburg ist voll. ein Mitarbeiter schiebt ihn am Förderband vorbei zum Verladetor nach Hamburg

19.00 Uhr: Die Wechselbrücken werden geschlossen und per LKW zum Parcel InterCity gefahren

19.41 Uhr: Ein Verladekran hebt die Wechselbrücke mit dem Fahrrad auf das Waggon-Gestell

20.34 Uhr: Der Parcel InterCity fährt ab

04.34 Uhr: Der Parcel InterCity erreicht Hamburg

05.05 Uhr: Die Wechselbrücke erreicht das Paketzentrum Hamburg

07.00 Uhr: Das Rad wird in den Transporter für Norderstedt verladen

08.51 Uhr: Der Paketzusteller verlädt das Rad auf seine Tour

11.15 Uhr: Der Paketzusteller gibt die Sendung an der Empfangsadresse ab

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