So gelingt jede Urlaubspostkarte

"Wetter ist gut, Essen super, Hotel auch" - so lesen sich häufig Urlaubsgrüße auf Postkarten.

© Deutsche Post DHL Group | Bunte Urlaubspostkarten: Mit einem pfiffigen Text und der Deutschen Post kommen sie gut an.

Prickelnde Fotomotive, wie zum Beispiel karibische Urlaubsträume, Großstadtflair oder Bergidylle werden mit drögen handschriftlichen Zeilen garniert. Das ist ok, in Erinnerung bleiben diese Urlaubsgrüße aber eher selten. Es geht aber auch besser, weiß Karin Baseda-Maass, Studienleiterin Schule des Schreibens in Hamburg. Sie gibt kreative Tipps, die den Leser schon gespannt auf den anschließenden Erlebnisbericht machen.

© Karin Baseda-Maass | Urlaubsgrüße müssen nicht langweilig sein, findet Karin Baseda-Maass, Studienleiterin Schule des Schreibens in Hamburg, und gibt Tipps.

Frau Baseda-Maass, in der Schreibwerkstatt lernen Autorinnen und Autoren wie sie Leser gerecht schreiben. Die Frage stellt sich aber nicht nur für Profis. Was liest denn der Empfänger von üblichen Urlaubspostkarten gerne?

Baseda-Maass: Am besten etwas, womit er nicht rechnet. Etwas Besonderes, Sinnliches, Aufregendes.

Der Raum auf einer Postkarte ist leider sehr eng, da ist Kreativität gefragt. Was habe ich am Urlaubsort entdeckt? Wo befinde ich mich jetzt gerade, da ich den Text auf die Karte schreibe? Kann ich vielleicht sogar den Empfänger mit einbeziehen?

Jeder liest gern etwas, wobei er selbst noch angesprochen, bzw. erwähnt wird. Also nicht einfach nur "Liebe/r ..." Das frisst viel Platz und bringt nichts Neues.

"Viele Kilometer trennen uns, aber ich schreibe dir, was ich Tolles erlebe ..."

Wie steige ich in den Text ein?

"Stell Dir vor, liebe/r ..., was ich hier erlebe, sehe, höre, rieche, schmecke, fühle ..."

"Du glaubst nicht, was ich hier entdeckt habe, liebe/r ..."

"Weißt Du, was ich gerade mache, liebe/r ...? Ich liege am Strand/sitze in einem Café/hocke auf einer Mauer vor dem (Sehenswürdigkeit) und denke an Dich!"

Wie vermittle ich einen Eindruck von meinem Urlaub und meinen Erlebnissen?

Am besten, indem ich sinnliche Erfahrungen mitteile. Nicht nur das Auge bedienen, sondern auch Nase, Ohr, und Tastsinn. Was rieche ich? Was höre ich? Was schmecke ich? Was fühle ich?

Gern lesen Empfänger auch von anstrengenden oder katastrophalen Erlebnissen. Kurz anreißen und versprechen: "Zu Hause erfährst du die ganze Geschichte."

Oder: "Wenn wir uns sehen, erzähle ich dir mehr!"

Wie formuliere ich Sätze spannend?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Wichtig ist, dass der Empfänger aufhorcht und unbedingt weiterlesen will. Also Formulierungen wie: 

"Stell Dir vor ...,"

"Du glaubst nicht, was mir passiert ist ..."

"Was ich erlebt habe, passt auf keine Postkarte, nur so viel ..."

"Hier könnte ich für immer bleiben." Warum? Sinnliche Eindrücke ...

"Nur 3 Flugstunden von zu Hause entfernt und so ein Kulturschock ..."

"Gibt es das wirklich, was ich hier erlebe?"

"Verwöhnung pur, dachte ich. Aber dann ..."

Wie viel Text sollte auf einer Postkarte stehen?

So viel, wie darauf passt! Allerdings, für Schreibmuffel, die trotzdem Grüße senden wollen: Es geht auch kurz. Zum Beispiel:

"Liebe/r ... Stell dir vor:

Ich sitze ...

Ich sehe ...

Ich höre ...

Ich fühle mich pudelwohl/sauwohl/angestrengt/gestresst/"

Es gibt auch die Möglichkeit, solche Texte zu Hause am PC vorzuformulieren, dann auszudrucken und am Urlaubsort auszufüllen. Dann passt auch mehr auf die Karte!

Wann und in welcher Umgebung lässt sich kreativ schreiben?

Das kommt auf das jeweilige Ich an. Beliebt sind Cafés, Bars, ein Sitzplatz im Museum, eine Mauer im Schatten. Vor allem sollte man sitzen können. Ein Tisch muss nicht immer dabei sein.

Am Bahnhof, Flugplatz oder an Bushaltestellen, wo oft Sitzgelegenheiten sind, funktioniert es auch sehr gut.

Welche Tipps haben Sie über das Schreiben hinaus?

Wer zeichnen kann, kann eine Mini-Skizze hinzufügen, gut macht sich auch ein kleiner Smiley, bzw. ein Strichmännchen mit großer Sprechblase, in der ein lebendiger Text steht, beispielsweise: "Hallo ...! Hier lässt es sich leben! Wie? Das passt nicht in dieses kleine Feld. Mehr dazu, wenn wir uns sehen!"

 oder

"Hallo ...! Du glaubst nicht, was ich hier erlebt habe!

Das muss ich Dir erzählen, wenn ich daheim bin."

Und ganz zum Schluss noch eine extra Idee:

Es macht Spaß, sich am Ende der Reise selbst eine Postkarte zu schreiben.

Damit kann man die schönen Urlaubsgefühle hervorragend in den Alltag retten.

Die Postkarte gibt es in Deutschland übrigens seit fast 150 Jahren. 1870 nahm der Postreformer Heinrich von Stephan die "Correspondenzkarte" als günstige Mitteilungsform mit in das Angebot der Deutschen Reichspost auf. 

Und auch wenn viele Urlaubsgrüße heute per Facebook & Co. verschickt werden, ist die traditionelle, handgeschrieben Urlaubspostkarte für Viele immer noch ein Muss und wirkt beim Empfänger - erst recht, wenn sie prickelnd geschrieben ist.

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