Rückhalt für den Schulabschluss

Mit ihrem Engagement als Hauptförderer der gemeinnützigen Bildungsorganisation Teach First Deutschland unterstützt Deutsche Post DHL Group deutschlandweit den Einsatz  von sogenannten Fellows. Sarah Pätz ist eine von ihnen. Am Regionalen Berufsbildungszentrum am Schützenpark in Kiel begleitet sie zwei Jahre Jugendliche auf ihrem Weg in die Ausbildung.

© Deutsche Post DHL Group/Marion Frahm | Als zusätzliche Lehrkraft kann sich Sarah Pätz einzelnen Schülern intensiver widmen

Sarah Pätz hat den Beamer eingeschaltet. „Nun braucht ihr alle euer Telefon“, erklärt sie den Schülern. „Present continuous“ steht heute auf dem Englisch-Lehrplan. Pätz unterrichtet die Ausbildungsvorbereitungsklasse Ernährung und Gesundheit (AVEG) 18c am Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) am Schützenpark in Kiel. Mit einem Handy-Quiz fragt sie den Wissensstand der Schüler ab. Zu jedem Bild, das hinter ihr an der Wand erscheint, gibt es vier alternative Beschreibungsmöglichkeiten. Innerhalb von 23 Sekunden sollen sich die Schüler für die grammatikalisch richtige Zeitform entscheiden und den entsprechenden Buchstaben auf dem Handy anklicken.

© Deutsche Post DHL Group/Marion Frahm | Teamteaching: Sarah Pätz unterstützt Lehrerin Sabine Kampmeier im Deutschunterricht

Die 30-Jährige ist zusätzliche Lehrkraft, sogenannte Fellow, und im Rahmen des Leadershipprogramms der gemeinnützigen Bildungsorganisation Teach First Deutschland (TFD) zum RBZ gekommen. Die Organisation unterstützt Jugendliche dort, wo sie am häufigsten scheitern: an den Übergängen in Bildungssystemen. Deutsche Post DHL Group gehört seit der Gründung im Jahr 2009 zu den Hauptförderern von Teach First Deutschland. Sie steht der Organisation finanziell und beratend zur Seite, darüber hinaus volontieren Post-Mitarbeiter und -Führungskräfte insbesondere an Schulen: Fellows und Mitarbeiter von Teach First Deutschland erhalten vom Konzern Weiterbildungsangebote. Bildung ist für Deutsche Post DHL Group ein wichtiger Grundstein für Stabilität und Wohlstand in der Gesellschaft und jedes Einzelnen. Die Partnerschaft mit Teach First Deutschland ist Teil des Konzernprogramms Go Teach. Mit ihrem Engagement will sie jungen Menschen, die durch Armut, Flucht oder Verlust der Angehörigen benachteiligt sind, bessere Bildungs- und Berufschancen ermöglichen. 

Raum für persönliche Gespräche

Sobald ein neues Bild an der Wand im Klassenzimmer erscheint, sprechen alle Schüler durcheinander und bekunden lautstark, für welche Antwort sie sich entscheiden wollen. "Ihr sprecht kein Arabisch, Farsi, Persisch oder Dari. Gesprochen wird nur Deutsch oder Englisch", mahnt Pätz nachdrücklich. Die junge Frau hat keine Schwierigkeit, sich bei den Jugendlichen durchzusetzen und so beraten sich die Schüler weiter in den Sprachen, die sie lernen sollen.

Die Schülerinnen und Schüler der 18c sind im Alter zwischen 15 und 22 Jahren. Zwei Drittel von ihnen haben einen Flüchtlingshintergrund. Die übrigen kommen von Gemeinschaftsschulen und konnten aus familiären Gründen, aufgrund von Krankheit oder Fehlzeiten den Abschluss nicht schaffen. In den Klassen der Ausbildungsvorbereitung in Kiel erhalten sie eine erste berufliche Orientierung im Vollzeitunterricht. Darüber hinaus können sie während dieses Jahres den Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA) erwerben. Schlechte Erfahrungen, Zurückweisungen und Scheitern prägen das bisherige schulische Leben der meisten, weiß Pätz: "Jeder hier hat sein Päckchen zu tragen und besonders großes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit." Deshalb müsse man "hinter das Laute und das Halligalli" schauen. Als Fellow hat sie die Möglichkeit dazu. Im Deutsch-, Mathematik- und Englischunterricht unterstützt sie im Team-Teaching die jeweiligen Lehrer, gibt deutschen Förderunterricht für die Geflüchteten. Darüber hinaus unterstützt sie ihre Schüler durch Coaching. Bei Fragen zur beruflichen Orientierung können sie sich an sie wenden, aber auch für vertrauensvolle Gespräche; dafür haben alle ihre Handynummer. "Ich bin nicht notenverantwortlich, sondern da, um zu helfen und zu unterstützen. Das macht viel in der Beziehungsarbeit aus."

Die gebürtige Rüganerin ist keine studierte Lehrerin. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in "Europa Studien", einen Master in "Management & Organisation Studies". Es ist das Prinzip von Teach First Deutschland Hochschulabsolventinnen und -absolventen verschiedener Fachrichtungen, die nicht mit der Lehramtsbrille auf Schule schauen, in den Unterricht zu schicken. Themen wie Didaktik, Unterrichtsplanung oder Leadership in der Schule lernen die Fellows in der intensiven Qualifizierungsphase sowie bei begleitenden Trainings und Fortbildungen durch Teach First Deutschland.

Anerkennung von allen Seiten

Nach dem Quiz soll jeder für sich überprüfen, ob die Anwendung des present continuous verstanden ist und im Stillen Übungsaufgaben durcharbeiten. Doch erst einmal werden die Gespräche fortgesetzt. Sarah Pätz bleibt gelassen, aber konsequent: "Schafft ihr es, zehn Minuten gar nichts zu sagen?", fragt sie in die Runde. Es dauert noch etwas, dann tritt tatsächlich Ruhe ein und jeder konzentriert sich auf seine Aufgabe. Gibt es Verständnisschwierigkeiten, steht Sarah Pätz unterstützend zur Seite.

Für ihren Einsatz als Fellow erntet sie Lob von allen Seiten. "Frau Pätz engagiert sich sehr für uns Schüler. Sie gibt uns Nachhilfeunterricht und setzt sich für uns ein. Mit ihrer Hilfe schaffen wir den Abschluss", sagt der 17-jährige Serian Narori. Deutsch-Lehrerin Sabine Kampmeier freut sich, Sarah Pätz an ihrer Seite zu haben: "Seit einem Schuljahr genieße ich die Unterstützung eines Fellows. Die Doppelbesetzung ist einfach fantastisch. Alleine ist es kaum möglich, jedem Einzelnen gerecht zu werden."  Für Patrick Neukirchner, Abteilungsleiter Berufsvorbereitung an der RBZ, steht fest: "Je mehr Betreuung wir haben, desto besser ist das Fundament. Wir wollen auf jeden Fall weiter am Projekt teilhaben."

Im Sommer 2019 endet für Sarah Pätz der Einsatz als Fellow. Was sie konkret weitermachen will, weiß sie heute noch nicht. Sie kann sich vorstellen, "als Projektkoordinatorin in einer Stiftung Bildung auf anderer Ebene anzugehen". Bis es soweit ist, möchte sie sich noch jeden Tag intensiv den Schülern in Kiel widmen.

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