Der gelbe Superlativ

In Ludwigsfelde südlich von Berlin baut die Deutsche Post DHL ihr bislang größtes Paketzentrum. Kathrin Schönwald, Projektleiterin Corporate Real Estate Management GmbH der Deutschen Post DHL ist für den Bau des Gebäudes verantwortlich. Sie hat mit dem Winter und möglichem Bodenfrost bereits abgeschlossen und freut sich auf ca. 30 Meter lange Stahlbetonträger.

© Deutsche Post DHL Group/Oliver Lang | Die ersten Erdarbeiten für das neue Paketzentrum in Ludwigsfelde laufen bereits.

Momentan benötigt Kathrin Schönwald 60 Minuten, bis sie das Areal einmal umrundet und sich einen Überblick verschafft hat. „Wenn erst mal die Bebauung erfolgt, vergehen schnell zwei Stunden, bis wir alles geprüft und dokumentiert haben“, schätzt die Projektleiterin. Schönwald verantwortet das umfangreichste Bauvorhaben der Deutschen Post DHL: In Ludwigsfelde, elf Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze, entsteht auf einer Fläche von rund 20 Fußballfeldern das größte deutsche Paketzentrum. Wenn es 2021 in Betrieb geht, können dort mit modernster digitaler Steuerungstechnik insgesamt 50.000 Päckchen und Pakete pro Stunde sortiert werden. Rund 600 Arbeitsplätze schafft DHL an dem Standort.

Das „Mega-Paketzentrum“, wie der Konzern die Sortierkapazität kennzeichnet, ist auch Kathrin Schönwalds gelber Superlativ. „Es ist das Größte“ unter den Projekten, die sie im Moment für die Deutsche Post betreut – „baut “, wie sie selbst sagt. Nervös macht sie der Auftrag nicht: „Ich habe ein gutes Gefühl beim Zeitplan. Und der Winter ist vorbei“, meint die Diplom-Ingenieurin. Kathrin Schönwald bringt drei Jahrzehnte Erfahrung in dieser Größenordnung mit. Auch beim Bau des DHL Hubs in Leipzig-Schkeuditz samt der Flugzeughangars für zwei Airbus A380 war sie beteiligt. Seit 1987 ist die Brandenburgerin für das Unternehmen tätig. 1993 baute sie das Paketzentrum in Rüdersdorf, südöstlich von Berlin. „Es ist kleiner, aber die Abläufe sind vergleichbar“. Die Anlage dort hat eine Sortierkapazität von stündlich 32.000 Sendungen. Auf dieselbe Menge bringt es Nauen-Börnicke, der zweite Berlin-Brandenburger Standort. Beide Paketzentren bleiben in ihrer Größenordnung bestehen, wenn die neue Anlage in Ludwigsfelde ans Netz geht, denn das Sendungsaufkommen in der Hauptstadtregion steigt infolge des boomenden Onlinehandels jährlich um fünf bis sieben Prozent.

In Ludwigsfelde rollen seit Anfang Januar die Baufahrzeuge über das 165.000 Quadratmeter große Grundstück im Industriegebiet Eichspitz. An diesem Vormittag bringen Lkws Kalk auf die Fläche. Es staubt ordentlich. „Das Kalken erhöht die Stabilität des Bodens“, erklärt Kathrin Schönwald. Seit kurz nach 7 Uhr ist sie an ihrem Arbeitsplatz, einem Büro im Baucontainer. Team-Besprechungen „über Ausführungsdetails im Hochbau  oder der Haustechnik“, sowie „die Prüfung sehr vieler Pläne“, bilden den Kern des Tagesgeschäfts. Routine für die Chefin, die Kollegen und Auftragnehmer lobt: „Die Zusammenarbeit klappt gut. Das federführend beauftragte Bauunternehmen ist in der Region ansässig, die Kompetenz kommt von hier und bleibt vor Ort.“ Schönwald, die im Nachbarlandkreis aufgewachsen ist, kennt auch die lokalen Risiken: „Das Grundstück musste kampfmittelberäumt werden“, verweist sie auf einen typischen Vorgang im Berliner Umland, wo noch immer Munitionsrückstände aus dem Krieg und der sowjetischen Besatzungszeit im Boden liegen. „Davon abgesehen überwiegen die Vorteile des unbebauten Feldes. Ausgleichspflanzungen mussten keine vorgenommen werden, auch die Frage der Altablagerungen im Boden stellte sich nicht.“

Die bauliche Fertigstellung des Mega-Paketzentrums ist für Mitte des kommenden Jahres vorgesehen. Bis zur Inbetriebnahme Anfang/Mitte des Jahres 2021 erfolgt der Einbau der Betriebstechnik in das u-förmige Gebäudes, das eine Fläche von 37.000 Quadratmetern – das entspricht fünf Fußballfeldern – einnimmt, ein Fünftel des Gesamtgrundstücks. Be- und entladen werden DHL-Fahrzeuge künftig an 288 Toren, von dort aus geht es direkt auf die gut ausgebaute Bundestraße 101 oder die nahe Autobahn A10. Ein modernes Blockheizkraftwerk und stromsparende LED-Beleuchtung sollen für eine gute Öko-Bilanz der Mega-Anlage sorgen. Eine hohe zweistellige Summe investiert die Deutsche Post in den gelben Superlativ.

Kathrin Schönwald fiebert zunächst dem Ende der Erdarbeiten entgegen, denn im Anschluss beginnt der Hochbau. Sie ist in ihrem Element, „wenn die ersten Stützen für das Gebäude in Ludwigsfelde angeliefert werden, das ist ein besonderer Moment. Vor den Arbeitern, die die ca. 30 Meter langen Spannbetonbinder auf das Gelände manövrieren und anschließend montieren, habe ich größten Respekt. Das sind Künstler.“ Die massiven Trägerteile, sozusagen die Rippenbögen des Paketzentrums, müssen am Stück verbaut werden. „Da werden einem die Dimensionen des Gebäudes erst richtig bewusst.“ Auf 170 Spannbetonbinder und 220 Stützen kommt das Puzzle insgesamt, verrät sie.

Unter den drei Mega-Paketzentren Deutschlands rangiert Ludwigsfelde an der Spitze. Zum Vergleich: Die Grundstücke der seit 2016 laufenden Anlage in Obertshausen bei Frankfurt am Main und des Paketzentrums in Bochum, das im Herbst 2019 in Betrieb geht, sind je 140.000 Quadratmeter groß. Bislang unterhält die Deutsche Post DHL bundesweit 35 Paketzentren, das Gros davon hat eine stündliche Sortierkapazität zwischen 30.000 und
40.000 Sendungen.

Deutsche Post DHL Group
Pressestelle Berlin
Am Bremsenwerk 1
10317 Berlin

Tel.: (030) 62781-3333
Fax: (030) 62781-3241

Twitter: @dpdhl_ber