Der ganz normale Blödsinn

Als Lkw-Fahrer im DHL Paketzentrum in Hamburg-Allermöhe hat der Karikaturist Karsten Schley einen Arbeitsplatz, der sicher ist, ihm Spaß macht, Freiraum für sein Hobby bietet und ihm darüber hinaus jede Menge komische Ideen liefert.

© Deutsche Post DHL Group/Marion Frahm | Der Karikaturist Karsten Schley möchte bis zu seiner Pensionierung Wechselbrücken fahren - "und das richtig gut. Ich arbeite daran", sagt er trocken.

Zugegeben. Es sind einige Jahre vergangen, als seine Mutter Karsten Schley mit acht Jahren erstmals ein Comicheft kaufte und er daraufhin begann Cartoons zu zeichnen. Inzwischen ist er verheiratet, hat zwei Töchter, die nicht mehr zu Hause wohnen, ist Großvater und arbeitet in Allermöhe bei DHL im Paketzentrum. Aber ist er erwachsen geworden? Bestimmt nicht! "Und wenn, kann ich nichts dafür", sagt er mit schelmischem Blick entschieden. Dem 53-Jährigen ist es wichtig, sich sein inneres Kind zu bewahren. Es gibt ihm den unbefangenen Blick auf die Dinge, ist Triebfeder für seinen Humor und Inspiration für seine pointierten Karikaturen.

© Deutsche Post DHL Group/Marion Frahm | Wie ein Höhlenmensch habe er sich das Karikaturenzeichnen beigebracht, beschreibt Karsten Schley seine Entwicklung. Ist die Idee einmal da, dauert es nun rund eine Stunde. Angefangen wird immer bei der Nase.

Die zeichnet er abends nach der Schicht. Am liebsten jeden Abend eine. Manchmal sind es nur fünf bis sechs in der Woche, aber das macht ihm nichts. Er muss ja nicht davon leben, und das weiß er weiß zu schätzen. Karsten Schley ist froh, dass er mit seinen Zeichnungen niemandem gegenüber verantwortlich ist. Das gibt ihm ein weitaus größeres Maß an Freiheit, als Leuten, die an ihre Redakteure und Verlage denken müssen. "Ich kann zeichnen, was ich will, und wenn keine meiner Agenturen den Cartoon möchte... so what? Dann wird er eben exklusiv auf Facebook veröffentlicht. Damit verdiene ich zwar nichts, aber der Cartoon verschwindet auch nicht einfach unbeachtet." 

Karikaturist und Lkw-Fahrer aus Leidenschaft

Soziale und finanzielle Sicherheit bietet ihm sein Arbeitgeber die Deutsche Post DHL Group. Zu einer Ausbildung bei der Deutschen Bundespost kam er per Zufall. "Ich sollte für meine Oma Briefmarken holen. Da hing in der Filiale eine Anzeige, dass sie Briefzusteller und Fahrer suchen", erinnert er sich. Eine Idee, was er werden wollte, hatte er nicht, Lkw-Fahren fand er toll, also hat er sich beworben. "Bis zur Umstrukturierung habe ich dann zwanzig Jahre alles gefahren, was gelb war und vier Räder hatte." Danach arbeitete er im Vertrieb, bei Express und im Kundenservice bis er im Intranet der Post über eine Stellenanzeige der Abteilung Verkehr in Allermöhe stolperte. Sich als Lkw-Fahrer bewarb und genommen wurde. "Seit August 2018 bin ich wieder dabei und verrückterweise macht es immer noch Spaß. Ich lerne gerade begeistert, mit Wechselbrückenfahrzeugen zu fahren." In Allermöhe hat er auch ehemalige Kollegen von früher wiedergetroffen. Sie erinnerten sich noch gut an den "ein bisschen verrückten" Kollegen. 

Der Alltag liefert die Ideen auf dem Tablett

"Die Post ist ein nie versiegender Quell komischer Ideen", sagt Schley schelmisch. Auch seinem Arbeitgeber ist sein Talent aufgefallen und viele seiner Zeichnungen schafften es in posteigene Medien. Beim DHL Got Talent-Award 2015 konnte sich der Lüneburger in der Kategorie Bildende Kunst den ersten Platz sicher.

Für die alltägliche Inspiration reicht es Karsten Schley, Nachrichten zu hören. Seit Trump und der AfD hätten es Karikaturisten allerdings schwer, satirische Pointen zu setzen: "Die beiden toppen alles!" Politische Karikatur ist für ihn die Königsdisziplin. Seine Vorbilder sind Kollegen, die zur Sache gehen wie der getötete Herausgeber von Charlie Hebdo Stéphane Charbonnier oder der Amerikaner Gary Larson. Bei den deutschen Kollegen gefallen ihm die Arbeiten von Martin Perscheid und Jochen Schaudig, alias Haugrund. Die meisten politischen Cartoons hierzulande sind ihm jedoch zu weichgespült. 

Ein guter Karikaturist müsse sich über alles hinwegsetzen und willens sein, über wirklich alles zu lachen - Politik, Religion, Menschen mit Behinderung, Menschen ohne, Männer, Frauen, Kinder. "Darüber macht man keine Witze", gilt für Karsten Schley nicht. Alles ist erlaubt, solange es nicht gewaltverherrlichend oder entmenschlichend ist. "Jeder hat das Recht, veralbert zu werden. Alles andere wäre Ausgrenzung." 

Karsten Schleys Cartoons erschienen in zahlreichen Tageszeitungen und Zeitschriften sowie in den Büchern "Je suis Charlie - ein Buch für die Meinungsfreiheit" und "Wir sind mehr - Cartoons gegen rechte Idioten". Die Ausstellung "Oh, eine Dummel - Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit in Karikatur und Satire" zeigt ebenfalls mehrere seine Werke. Dennoch: Für seine Kollegen und sich wünscht sich Schley, dass der Wert des Cartoons wieder anerkannt wird.

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