Der Weg eines Briefs - Teil 3: Das Ende der Reise

Heute abgeschickt, morgen da: Ein Brief, der an einem Werktag rechtzeitig in den Briefkasten geworfen wird, erreicht seinen Empfänger innerhalb Deutschlands in 94 Prozent aller Fälle bereits am nächsten Werktag. Doch was passiert eigentlich genau in den Stunden dazwischen, welche Stationen muss ein Brief durchlaufen, bis er im Hausbriefkasten landet? Wir begleiten in einer dreiteiligen Serie einen Brief auf seiner Reise von 85552 Ebersberg nach  78073 Bad Dürrheim und zeigen das komplexe logistische Räderwerk, das im Hintergrund läuft.

© Deutsche Post DHL Group | Ein Brief auf Reisen: Nach dem Einwurf in den Briefkasten durchläuft er eine Vielzahl von Stationen, bis er sein Ziel erreicht.

Freitag, 7.15 Uhr, Zustellstützpunkt Villingen-Schwenningen

Für den Zusteller Reiner Kuntz beginnt der Arbeitstag im Zustellstützpunkt Villingen-Schwenningen, der im gleichen Gebäude untergebracht ist wie das Briefzentrum. Dort wartet auf einem Wagen die bereits vorsortierte Post auf ihn. Eine der Postkisten enthält Großbriefe, die Kuntz zunächst in Gangfolge sortiert, also so, wie er sie später auf seiner Tour zustellen wird. Die Briefe sortiert er in seinen persönlichen Zustellspind, der aus verschiedenen Fächern besteht. Jedes Fach steht für eine bestimmte Einheit an Briefkästen, zum Beispiel für einen Wohnungsblock. Wenn er alle Großbriefe in das richtige Fach gesteckt hat, kümmert sich Kuntz um die Kurz- oder Standardbriefe, von denen er jeden Morgen zwei bis drei Kisten bekommt. Heute sind es zwei Kisten - in einer davon steckt Stefan Kaisers Brief an seine Tante Elli.

Im Gegensatz zu den Großbriefen sind die Briefe in diesen Kisten schon sortiert - die Maschine im Briefzentrum hat sie bereits in Gangfolge ausgegeben. Ein bisschen Arbeit bleibt dem Zusteller dennoch: Die Maschine hat nicht nur die Briefe einsortiert, sondern dazwischen auch verschiedene Arten von Karten, die er berücksichtigen muss. Zum Beispiel bedeutet eine gelbe Karte, dass für den Brief, der dahinter einsortiert ist, ein Nachsendeauftrag vorliegt, etwa weil der Empfänger umgezogen ist. "Solche Briefe entnehme ich dann und leite sie entsprechend weiter, sodass sie ihr neues Ziel erreichen", erklärt Reiner Kuntz. Andere Karten weisen etwa darauf hin, dass eine Adresse nicht nur eine Hausnummer hat, sondern auch einen Buchstaben. Das ist deshalb wichtig, weil die Sortier-/Lesemaschine im Briefzentrum nur Zahlen kennt - hier ist deshalb der Postbote gefragt, der weiß, welches Haus sich hinter 3 A, B oder C verbirgt, und die Briefe in der passenden Reihenfolge sortieren kann. Ganz zum Schluss steckt dann noch eine blaue Karte in der Kiste. Sie zeigt an, dass alles, was danach kommt, noch manuell in den Zustellspind sortiert werden muss. Das können zum Beispiel Einschreiben sein, aber auch Sendungen mit einer unleserlichen oder falschen Adresse. "Wenn jemand zum Beispiel beim Adressieren die Hausnummer vergessen hat, bekommt die Lesemaschine Probleme. Ich als Stammzusteller weiß aber meistens, wo der Empfänger wohnt und kann den Brief korrekt einsortieren", erzählt Kuntz.

Freitag, 9.30 Uhr, Zustellstützpunkt Villingen-Schwenningen

Reiner Kuntz hat alle Vorbereitungen abgeschlossen: Er hat die sortierte Post aus seinem Zustellsteilspind entnommen und in zwei Kisten in sein Auto verladen - natürlich in genau der Reihenfolge, in der er nachher die Häuser auf seiner Tour abfährt. Diese Reihenfolge bleibt immer gleich. "Schließlich sollen sich die Kunden darauf verlassen können, dass die Post jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit bei ihnen ankommt", sagt Kuntz. Die Briefe teilen sich den Laderaum im Auto mit einer Menge Pakete und Päckchen: Kuntz ist, wie es im ländlichen Raum üblich ist, Verbundzusteller, er bringt also nicht nur Briefe, sondern auch die Paketpost. Um die empfindliche Briefpost vor den sperrigen und teils schweren Paketen zu schützen, stülpt Kuntz eine größere Kiste über die beiden Briefkisten.

Kurz nach halb zehn steigt Reiner Kuntz in seinen Kleintransporter und fährt nach Bad Dürrheim, wo seine Zustelltour beginnt, die mindestens fünf Stunden dauern wird und auf der er im Schnitt 56 Kilometer zurücklegt. Für den Brief an Tante Elli ist es die letzte Etappe einer ereignisreichen Reise. 

Freitag, 12.30 Uhr, Bad Dürrheim

Die Straße, in der Stefan Kaisers Tante wohnt, erreicht Reiner Kuntz wie jeden Tag gegen halb eins. Gerade einmal 28 Stunden nachdem er in Oberbayern eingeworfen wurde, landet Kaisers Brief im Briefkasten von Tante Elli. Wenig später findet sie ihn dort, als sie vom Einkaufen zurückkommt. 

Die Arbeit vieler Menschen, fein abgestimmte Abläufe und der Einsatz etlicher großer Maschinen waren nötig, um den Brief pünktlich und zuverlässig bei ihr ankommen zu lassen. Von all dem Aufwand hat Tante Elli natürlich nichts mitbekommen. Sie freut sich über die persönlichen Worte ihres Neffen - und greift noch am gleichen Tag selbst zu Stift und Papier, um ihm zu antworten und einen neuen Brief auf eine große Reise zu schicken.

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