Sicher zustellen ohne dass der Hund zuschnappt

Beim Hundetraining für Mitarbeiter der Deutschen Post in Brandenburg zählt vor allem eins: Selbstbewusstsein - auch gegenüber den Tierhaltern.

© Deutsche Post DHL Group | Hundetrainer Jürgen Cordts bringt den Zustellern den sicheren Umgang mit Hunden bei.

Könnte Schäferhund Balu sprechen, seine Bitte an den Zusteller lautete: "Melde dich an und rede mit mir." Die Aussage trifft sein Halter Jürgen Cordts. Er ist Hundetrainer und schult an diesem Vormittag 22 Mitarbeiter der Deutschen Post im brandenburgischen Neuruppin. Sein Ziel: Die Zusteller selbstbewusster machen im Umgang mit den Vierbeinern, deren Revier sie durchkreuzen müssen, um die Post zu bringen. Cordts hält die Gruppe an, auch Hundehalter in die Pflicht zu nehmen.

"Der Halter ist der Vorgesetzte des Hundes. Er muss dafür sorgen, dass der Zusteller gefahrlos arbeiten kann, indem er den Hund im Zweifel entweder im Haus einsperrt oder dabeibleibt, wenn die Post kommt", stellt der Trainer klar. So schlüssig die Theorie ist, im Berufsalltag lässt sich der Konflikt zwischen Mensch und Tier oft nicht so leicht abschätzen. Davon weiß Elmar Ludwig zu berichten. Er ist unter den Teilnehmern des Hundetrainings. Auf Zustelltour durch den Neuruppiner Ortsteil Alt-Ruppin ist er voriges Jahr gebissen worden, "von einem Hund, dessen Halterin das Tier nicht im Griff hatte", erinnert er sich. Es war "das einzige Mal in 37 Dienstjahren. Die Kundin öffnete die Tür, ohne ihren Hund zuvor einzusperren oder anzuleinen. Das Tier schoss aus der Wohnung wie eine Rakete und biss zu", erinnert Ludwig. Ähnlich ging es Kollegen. Von den 108.000 Zustellern der Deutschen Post bundesweit meldeten rund 2000 im vergangenen Jahr einen Hundebiss. Jeder Biss ist einer zu viel. Allein in Brandenburg bietet die Deutsche Post deshalb sieben Hundetrainings  in diesem Jahr an, bundesweit sind es bisher 40. Und die Auszubildenden zum Kurier-, Express- und Postdienstleister lernen bei der Deutschen Post den Umgang mit den Vierbeinern präventiv direkt beim Berufsstart.

Ernsthafte Verletzungen trug der 56-jährige Elmar Ludwig nach dem Hundebiss zum Glück nicht davon, "der Kurs bringt mir nun Klarheit, wie ich in einer solchen Situation reagiere und was ich machen kann, wenn ein Hund auf mich zustürmt." Denn die Zahl der Hunde in Neuruppin und Umgebung, wo er den Kunden Briefe und Pakete bringt, sei gestiegen. 

Der mittlerweile pensionierte Diensthundeausbilder der Polizei ermutigt die Gruppe zum Dialog mit dem Halter: "Erinnern Sie ihn an seine Pflichten." Kommt es dennoch zur Attacke, rät der Hundetrainer den Zustellern, eine Barriere zwischen sich und das Tier zu bringen: "Das kann das Dienstfahrrad sein, notfalls das Paket, das abzuliefern ist." Der Konflikt, der zum Angriff führt besteht darin, dass beide - Zusteller und Hund - ihren Job machen. Ersterer bringt Briefe, Päckchen oder Pakete, letzterer schützt sein Revier vor dem Eindringling. "Gibt der Halter seinem Tier keine klaren Regeln vor, muss der Zusteller selbstbewusst auftreten, sich ankündigen und dem Hund ruhig und distanziert gegenübertreten. Nützt alles nichts und lässt der Halter den Postboten in der Situation alleine, wird das Paket eben wieder mitgenommen", lautet Jürgen Cordts Empfehlung. 

Elmar Ludwig geht auf die Hundebesitzer unter seinen Kunden zu und sucht den direkten Kontakt:  "Wenn ein Tier unaufhörlich bellt und ich den Halter bitte, für Sicherheit zu sorgen, reagiert der in der Regel sofort." Die Hundebesitzerin aus Alt-Ruppin, deren Hund ihn angegriffen hatte, zeigte sich ebenfalls einsichtig. Ludwig fährt inzwischen eine andere Tour. Er hat trotzdem keinen weiteren Zwischenfall aus dieser Richtung vernommen. Ganz auf Nummer sicher gehe der Halter eines Mischlings: "Der Mann hat den Briefkasten außen am Gartentor montiert und einen blickdichten Zaun um sein Grundstück gezogen." Zusteller und Hund machen ihren Job, ohne sich zu begegnen. "Pakete nimmt der Halter am Tor in Empfang. Ist niemand zu Hause, kann ich die Sendungen beim Nachbarn hinterlegen."

Nachdem die Zusteller das Training in Neuruppin beendet haben, zeigt sich Jürgen Cordts zufrieden: "Die Teilnehmenden haben sich in unseren Übungen geschickt angestellt." Und: Auch sein Hund Balu, verrät er abschließend, bleibe im Haus, wenn der Zusteller klingelt.

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