Post für Geisterbahn und Bierzelt: Die Zustellerin auf dem Cannstatter Wasen

Was den Münchnern die Wiesn ist den Stuttgartern der Wasen: Mit über 270 Betrieben, davon allein sieben Bierzelten, und rund vier Millionen Besuchern ist das Cannstatter Volksfest, im Volksmund Cannstatter Wasen genannt, eines der größten und beliebtesten überhaupt. Sevtap Kajic ist zur Volksfestzeit täglich auf dem Wasen unterwegs und kennt das Festgelände wie ihre Westentasche. Sie arbeitet als Zustellerin bei der Deutschen Post und sorgt dafür, dass die Schausteller während des Wasens zuverlässig ihre Post bekommen - auch wenn sie dafür manchmal etwas länger suchen muss.

© Sabine Ries | Für Sevtap Kajic ist es ein Traumjob: Zweimal im Jahr ist die Postzustellerin auf dem Cannstatter Wasen unterwegs und bringt den Besitzern der Fahrgeschäfte, Buden und Zelte ihre Post.

Sevtap Kajic liebt den Wasen. Schon als Kind hat sie unzählige Stunden auf dem berühmten Volksfest verbracht. Heute wohnt sie nur wenige Gehminuten von dem 25 Hektar großen Gelände entfernt, auf dem jedes Jahr im Frühling und Herbst der große Trubel ausbricht. Als ihr vor fünf Jahren die Position der Wasen-Zustellerin angeboten wurde, sagte die 43-Jährige sofort zu. Seitdem ist sie zweimal im Jahr für einige Wochen neben ihrem normalen Zustellbezirk auch auf dem Wasen unterwegs und bringt den Besitzern und Mitarbeitern von Riesenrad und Geisterbahn über Bierzelt bis zur Imbissbude ihre Post.

Für Sevtap Kajic ist es die schönste Zeit des Jahres, wenn auch eine sehr fordernde. Deshalb bereitet sie sich gut vor: Schon bevor ihr Einsatz beginnt, studiert sie zuhause den Wasenplan gründlich und prägt sich so gut wie möglich ein, wo in diesem Jahr wer seinen Platz hat. Denn statt mit Straße und Hausnummer ist die Post für die Schausteller auf dem Wasen im besten Fall mit einer Platznummer adressiert - im schlimmsten Fall wusste es der Absender nicht so genau und hat nur den Namen eines Fahrgeschäfts oder eines Schaustellers auf den Umschlag geschrieben. Dann muss Sevtap Kajic suchen oder fragen und läuft teils weite Strecken, bis sie ihren Empfänger gefunden hat. 

Gerade die Aufbauzeit, eine Woche vor der Eröffnung, ist anspruchsvoll: In dieser Zeit hat sie oft besonders viele Briefe zu verteilen, weil eine Menge Bewerbungen für ausgeschriebene Jobs bei den Besitzern von Buden und Fahrgeschäften eingehen. Bei den Fahrgeschäften ist es am einfachsten, erklärt sie: "Es gibt eben auf dem Wasen nur einen "Breakdance", aber ganz viele Süßigkeitenhändler", so Kajic. "Wenn auf dem Umschlag nur ein häufiger Nachname und der Hinweis 'Süßigkeitenbude auf dem Wasen' steht, kann es schon sein, dass ich für einen einzigen Brief 15 Minuten brauche, bis ich ihn erfolgreich abgeliefert habe", erzählt Kajic. Einen Brief als "unzustellbar" abzustempeln kommt für sie aber nicht in Frage - lieber fragt sie einmal mehr oder kommt an nächsten Tag nochmal vorbei. Nur in der Abbauwoche kann es passieren, dass noch Post für ein Geschäft ankommt, das bereits weitergezogen ist. Solche Post wird dann in der Regel an die Heimatanschrift der Schausteller weitergeleitet. Um das zu vermeiden, haben viele der Betriebe einen Nachsendeauftrag, damit ihnen die Post automatisch nach Hause geschickt wird, sobald ihre Wasenzeit vorbei ist. 

Eine große Familie

Etwa drei bis fünf Stunden ist Sevtap Kajic täglich auf dem Wasen unterwegs und legt dabei erhebliche Fußwege zurück. Trotz ihrer anstrengenden Arbeit genießt sie die Zeit auf dem Festgelände: "Hier bringe ich jedem persönlich die Post und unterhalte mich mit allen - das ist viel persönlicher als die normale Zustellung im Bezirk, bei der man die Post meist einfach in die Briefkasten einwirft", erzählt Kajic. Sie kennt viele der Buden- und Fahrgeschäftebesitzer mittlerweile gut und wird von ihnen als Teil des Wasen empfunden. "Der Wasen ist wie eine große Familie und alle geben mir das Gefühl, dass ich dazugehöre", sagt Kajic. Wenn sie den Wasen in ihrer Freizeit mit ihrer Tochter besucht, werden die beiden überall mit offenen Armen empfangen. 

Als Sevtap Kajic vor fünf Jahren mit der Wasen-Zustellung anfing, gab es nur eines, das ihr etwas Sorgen machte: Die große Zahl der Hunde auf dem Festgelände. "Fast jeder Betrieb hat hier einen Hund", erzählt Kajic. Die Hunde sind nicht nur Gesellschaft und Haustiere, sondern sollen zum Beispiel auch die Wohnwägen der Schausteller bewachen. Ihre anfängliche Angst ist nachvollziehbar, schließlich sind Hundebisse bei Postboten ein typisches Berufsrisiko. Doch mit den Hunden auf dem Wasen kommt Sevtap Kajic genauso gut aus wie mit den Menschen - und vorsorglich hat sie immer ausreichend Leckerli in ihren Taschen.

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