Der Weg eines Briefs - Teil 2: Von Briefzentrum zu Briefzentrum

Heute abgeschickt, morgen da: Ein Brief, der vor der letzten angegebenen Leerungszeit in den Briefkasten geworfen wird, erreicht seinen Empfänger innerhalb Deutschlands in 94 Prozent aller Fälle bereits am nächsten Werktag. Doch was passiert eigentlich genau in der Zwischenzeit, welche Stationen muss ein Brief durchlaufen, bis er im Hausbriefkasten landet? Wir begleiten in einer dreiteiligen Serie einen Brief auf seiner Reise vom oberbayerischen Ebersberg in das baden-württembergische Bad Dürrheim.

© Deutsche Post DHL Group | Ein Brief auf Reisen: Nach dem Einwurf in den Briefkasten durchläuft er eine Vielzahl von Stationen, bis er sein Ziel erreicht.

Donnerstag, 18.15 Uhr, Briefzentrum Freising

Stefan Kaisers Brief an seine Tante Elli ist - zusammen mit vielen anderen - im Briefzentrum (BZ) Freising eingetroffen. Das Briefzentrum 85 liegt am Münchner Flughafen und ist zuständig für die Leitregion 85. Was das bedeutet, erklärt Peter Helm, Sachgebietsleiter in der Abteilung 31 des Briefzentrums: "Wir bearbeiten alle Sendungen, die im Postleitzahlengebiet 85 eingeliefert werden oder hier ihren Empfänger haben." Nach dem Ausladen durchläuft der Brief in den nächsten Stunden eine riesige Anlage, die gesamte Bearbeitung der Briefpost ist automatisiert. Zuerst landet er in der Briefordnerei, in der alle eingehenden Briefe nach Formaten getrennt und gestempelt werden. Das erledigt die "Aufstell- und Stempelmaschine". Nachdem die Briefmarke auf dem Umschlag korrekt gestempelt ist, geht es direkt weiter zur nächsten Maschine. Die kann viel mehr als nur stempeln: Die ILVM, kurz für "Integrierte Lese- und Videocodiermaschine", liest die handschriftlichen Adressangaben auf Kaisers Brief aus und verwandelt sie in einen Strichcode, den sie in leuchtendem Neon-Orange unten auf den Umschlag, in die sogenannte "Codierzone",  druckt. Erst später wird sich zeigen, was genau alles hinter den vielen kleinen Strichen steckt, doch schon hier wird klar: Der Barcode entscheidet darüber, wohin die Maschine einen Brief schickt. In diesem Fall sagt der orange Barcode der Sortieranlage, dass sie den Brief in das Fach fürs Briefzentrum 78 weiterleiten soll, also für das BZ, das für 78048 Villingen-Schwenningen zuständig ist. 82 solcher Briefzentren gibt es deutschlandweit, die Sortieranlage kennt für jedes das richtige Fach.

Donnerstag, 21.30 Uhr, Briefzentrum Freising

Spätestens um 21.30 Uhr wird die Abgangspost vom BZ Freising abgeleitet. Von hier aus geht es weiter in Richtung des Zielortes, in vielen Fällen ist die nächste Station bereits das Ziel-Briefzentrum für den Postleitzahlenbereich, in dem sich der Empfänger befindet. Nicht so bei Stefan Kaisers Brief: Er legt einen Zwischenstopp ein, und zwar in der Hauptumschlagsbasis (kurz HUB) in Ulm. Für die Region um Ulm gibt es regelmäßig viel Post aus Freising, deshalb reist Stefan Kaisers Brief komfortabel im großen 12-Tonnen-Lkw. "Briefzentren, bei denen die Mengen nicht so groß sind, werden mit dem Kleintransporter beliefert", sagt Helm. Egal ob Sprinter oder Lkw: Mit der Abholung der Post endet für das Briefzentrum 85 die Bearbeitung, die ausgehende Post ist nun in alle Himmelsrichtungen auf den Straße unterwegs und Kaisers Brief auf dem Weg Richtung Ulm. 

Freitag, 01.10 Uhr, HUB Ulm

In Ulm musste die Post aus Freising nur kurz auf den Weitertransport warten, schon kurz nach der Ankunft treffen dort Sprinter aus dem BZ 78 ein. Sie bringen Post, die aus dem Postleitzahlenbereich 78 über Ulm weiterverteilt wird - und auf dem Rückweg nehmen sie die Post mit, die aus Ulm in die Leitregion 78 geht. Darunter ist natürlich auch Stefan Kaisers Brief. 

Freitag, 03.00, Briefzentrum Villingen-Schwenningen

Auf Behälterwagen kommen die Briefe aus Ulm im BZ Villingen-Schwenningen an. Diese Wagen müssen zunächst kommissioniert werden. Wilhelm Müller kennt als Sachbearbeiter im BZ 78 die Abläufe ganz genau und erklärt, was das bedeutet: "Auf den Wagen befinden sich unterschiedliche Behälter. Behälter der Größe 1 enthalten zum Beispiel nur Standardbriefe, die mit 70 Cent frankiert sind, Behälter der Größe 2  sind mit Groß- und Maxibriefen befüllt, überformatige Maxibriefe kommen in Behälter der Größe 3. Damit es bei der Sortierung später schneller geht, werden diese Behälter getrennt bearbeitet, und dafür müssen sie bei uns für die einzelnen Bearbeitungsmodule entsprechend zusammengefasst werden." Einer der Behälter der Größe 1 enthält auch Stefan Kaisers Brief, dieser wird wenig später der ILVM  zugeführt. Wie in Freising ist sie auch hier das Herzstück der Sortieranlage. Diesmal wird Kaisers Brief allerdings nicht mehr codiert, schließlich hat er ja bereits einen Barcode. Stattdessen liest die ILVM aus, was ihre bayerische Schwester zuvor auf das Kuvert gedruckt hat. Wilhelm Müller erklärt, was sie dabei herausfindet: "Die Maschine wandelt den Strichcode in einen Zahlencode um. Alle Ziffern verraten dabei etwas über den Brief. Die ersten fünf  Stellen stehen für die Postleitzahl des Empfängers, die sechste bis achte Stelle für die Straße, die neunte bis elfte für die Hausnummer." Außerdem hat die Maschine in Freising noch ein paar andere Informationen hinterlassen, die zum Beispiel Aufschluss über die ordnungsgemäße Frankierung geben oder mitteilen, ob es sich um ein Einschreiben handelt. 

Mit all diesen Informationen trifft die ILVM nun die Entscheidung, wie es mit dem Brief für Tante Elli weitergeht. Zunächst landet er im Fach für den Zustellbezirk, in dem Elli wohnt. Von hier aus wird es noch genauer - dafür sorgt die GFSM (Gangfolgesortiermaschine). Sie weiß genau, in welcher Reihenfolge der Zusteller später seine Tour absolvieren wird, und sortiert Kaisers Brief entsprechend ein. Bis zu 42.000 Briefe bearbeitet die Sortieranlage pro Stunde. Am Ende landen die sortierten Briefe in Behältern der Größe 1, die mit sogenannten Infoträgern gekennzeichnet werden. Diese Infoträger werden unter anderem mit Uhrzeit und Zustellbezirk bedruckt. Auf einem Behälterwagen geht es dann zum vorerst letzten Bearbeitungsschritt: Mit einem Multiscanner wird noch einmal geprüft, ob alle Behälter auch wirklich auf diesen Wagen gehören oder ob sich nicht doch Post für einen anderen Zustellbezirk daruntergemischt hat. Gibt es grünes Licht, werden die Behälter an ein Tor gebracht.

Freitag, 06.30 , Briefzentrum Villingen-Schwenningen

Stefan Kaisers Brief wartet am Tor auf die letzte Etappe seiner Reise. Von hier aus wird er zum ZSP (Zustellstützpunkt) 78073 Bad Dürrheim transportiert. Zwischen acht und neun Uhr beginnt der Zusteller dort mit seiner Zustelltour. Bis zu Tante Elli ist es nun nicht mehr weit - und trotzdem ist noch einiges zu tun, bis sie den Brief in den Händen halten wird. Was genau, darum geht es dann im dritten Teil der Serie.

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