Unterschätzte Gefahr Toter Winkel

Mit einer Flotte von 53.000 Fahrzeugen in Deutschland ist sich die Deutsche Post ihrer Verantwortung im Straßenverkehr bewusst. In Schleswig-Holstein unterstützt das größte Logistikunternehmen der Welt den ADAC finanziell sowie mit Lkw und Fahrer bei Schulveranstaltungen zum Thema Toter Winkel.

© Deutsche Post DHL Group/ Marion Frahm | Perspektivwechsel: Auf dem Fahrersitz können Schüler die eingeschränkte Rundumsicht eines Lkw-Fahrers mit eigenen Augen sehen.

"Ich habe niemanden im Spiegel", sagt Melvin und steht unwillkürlich vom Fahrersitz auf, um über den Beifahrersitz zu schauen. Die Klasse ist aus seinem Blickfeld verschwunden. Während Melvin in das Führerhaus des Post-Lkw gestiegen ist, hatten sich seine Mitschülerinnen und Mitschüler im Toten Winkel rechts neben dem Fahrzeug platziert. Nun kann er keinen mehr sehen. "Das macht natürlich kein Fahrer", kommentiert Jörg Albert die spontane Handlung des 13-Jährigen.

Seit neun Uhr morgens bringt der ADAC-Moderator den Schülerinnen und Schülern der Gemeinschaftsschule Probstei in Schönberg bei Kiel die Gefahren durch den Toten Winkel an Kraftfahrzeugen näher. Die Mädchen und Jungen der Klassen sieben bis elf sollen sich selbst davon überzeugen, wie viel ein Kraftfahrer hinter dem Steuer tatsächlich sieht. Ausprobiert wird an einem beeindruckend großen Transporter der Deutschen Post, mit dem der Paket-Fahrer Volker Fritz am Morgen vom Paketzentrum Neumünster nach Schönberg gefahren ist.

© Deutsche Post DHL Group/ Marion Frahm | Was kann der Fahrer im Spiegel sehen? - Am Post-Lkw erarbeitet ADAC-Moderator Jörg Albert mit Schülerinnen den Toten Winkel.

Der Verkehrssicherheit verpflichtet

Viele Jahre waren die Deutsche Post und der Allgemeine Deutsche Automobil-Club, ADAC, Schleswig-Holstein Partner, wenn es darum ging, Erstklässler mit Fahrradhelmen auszustatten. Als größtes Logistikunternehmen der Welt mit allein mehr als 53.000 Fahrzeugen in Deutschland ist sich die Deutsche Post ihrer Verantwortung im Straßenverkehr bewusst und steht dem größten Verkehrsclub Europas nun auch bei den Aktionen zum Toten Winkel zur Seite. Allein im Jahr 2017 wurden fast 80.000 Fahrradfahrer verletzt, mehr als 14.000 davon schwer. 382 Tote gab es zu beklagen. Welchen Anteil der Tote Winkel daran hatte, wird in der Statistik zwar nicht erfasst, als Gefahrenzone ist er jedoch unbestritten.

Neben einem finanziellen Sponsoring unterstützt Deutsche Post den ADAC mit einem Post-Lkw und einem Fahrer bei den Veranstaltungen in Schulen. In diesem Jahr wird sie bei noch einer Aktion des ADAC dabei sein, im nächsten Jahr bei allen 25 geplanten.

Auf dem Verkehrssicherheitstag in der Gemeinschaftsschule Probstei in Schönberg ist der Tote Winkel nur eine Erlebnisstation zur Verkehrserziehung. Dazu kommen Sehtest und Motorradsimulator für Schüler, die ihren Führerschein planen, ein Fahrradparcours, ein Gurtschlitten, in dem die Schüler erleben, wie sich ein Aufprall bei 15 Kilometern pro Stunde anfühlt, und ein umgestürzter Pkw, aus dem sie sich herauswinden müssen. Welche Auswirkungen Alkohol bzw. Drogen am Steuer haben, erleben sie auf einem Parcours, der mit einer Rauschbrille gegangen werden muss, oder, wenn sie - bei entsprechendem Alter - eine alkoholisierte Autofahrt simulieren.

Niklas von Glahn, Lehrer und Verkehrsbeauftragter der Gemeinschaftsschule Probstei, ist begeistert von der Organisation mit den verschiedenen Partnern und dem Engagement der Moderatoren: "Alle sind sehr gewillt, den Inhalt rüberzubringen."

Gefahrenbewusstsein erhöhen

ADAC-Moderator Jörg Albrecht geht im Halbstunden-Takt mit immer neuen Klassen die Gefahrenzonen des Lkw durch. Mit Pylonen sollen die Schülerinnen und Schüler vor, neben und hinter dem Fahrzeug anzeigen, wo sie den Toten Winkel vermuten. Wenn sie anschließend zusammen eine Folie mit der Aufschrift "Toter Winkel" neben der rechten Fahrzeugseite ausbreiten, sind die meisten überrascht, wie groß die Fläche ist, die der Fahrer nicht einsieht.

Ein richtiges Aha-Erlebnis haben sie, wenn Volker Fritz den Lkw anwirft und entlang einer Markierung für den Bordstein rechts um die Ecke biegt. Hätte der ADAC-Moderator sie nicht aufmerksam gemacht, wären einige der Schüler von der Seitenpartie des Lkw erfasst worden.

Neben dem Toten Winkel, der direkt vor und hinter dem Lkw und an den Seiten ist, geht gerade von langen Fahrzeugen große Gefahr von den Hinterrädern aus. Denn in der Kurve legen sie einen kürzeren Weg als die Vorderräder zurück und können für Personen, die sehr dicht an der Straße warten, gefährlich werden.

Paketfahrer Fritz hat seinen Lkw-Führerschein seit 1984. Auch da war der Tote Winkel Thema. Trotz des vorgeschriebenen zusätzlichen weitwinkligen Rückspiegels und der Totwinkel-Spiegel für vorne und die Seiten, kennt auch er gefährliche Situationen. "Zum Glück waren es keine Fahrradfahrer oder Kinder und es ist auch nichts passiert", ist er froh. Über die Jahre ist der Straßenverkehr anspruchsvoller geworden. Für ihn bedeutet das, einmal mehr in den Spiegel zu schauen, um sich zu vergewissern, dass alles frei ist. "Sicherheit geht vor, auch wenn es bedeutet, dass ich etwas später ans Ziel komme", sagt er sich.

Auch Melvin wird, wenn er nun mit dem Fahrrad oder Bus zur Schule fährt, nicht mehr wie bisher darauf vertrauen, dass ihn der Fahrer schon sieht. Er hat verstanden, dass er nur gesehen wird, wenn auch er den Fahrer im Spiegel sieht.

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