Im Wendekreis des Zustellers

Zunehmender Verkehr auf der Straße fordert auch die Mitarbeiter der Deutschen Post. Beim Fahrsicherheitstraining in Linthe bringen sie Risiken zur Strecke.

© Deutsche Post | Die Zusteller der Deutschen Post trainieren Herausforderungen im Straßenverkehr, die sich täglich in ihrem Berufsalltag ergeben.

Aus ein paar Metern Entfernung betrachtet, wirkt die Parklücke groß. Zumindest für den, der Pkw-Maße gewohnt ist. Der VW-Transporter des Zustellers ist allerdings eine Nummer größer. Eine Kollegin steht dem Fahrer helfend zur Seite, allzu viele Handzeichen muss sie aber nicht geben. Kurz darauf ist der Wagen in die Lücke manövriert. Die Frau hebt den Daumen in Richtung des Kollegen, der Mann steigt aus, merklich erleichtert. Zehn Zusteller der Deutschen Post, sechs Männer und vier Frauen, sind an diesem Vormittag mit ihren Dienstfahrzeugen auf das Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums in Linthe südlich von Potsdam gekommen. In den folgenden Stunden trainieren sie Situationen aus ihrem Berufsalltag, Rangieren, Einparken oder wie Anfahren und Bremsen bei unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit und Witterung sicher klappen. Kraftstoff sparendes Fahren steht ebenso auf dem Programm.

Die Postboten üben jeweils mit ihren Zustellfahrzeugen, mit .denen sie täglich im Einsatz sind. Das ist wichtig, zwischen 10 000 und 15 000 Kilometern fahren sie pro Jahr, je nach Dienstort und Zustelltour.  Ob bei der Verbundzustellung über Land oder im Stadtverkehr, "die Dichte der Autos hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen", beobachtet Günter Noack. Er weiß um die Herausforderungen, die sich für die Zusteller ergeben haben. Noack, 63 Jahre alt, koordiniert seit über 25 Jahren Fahrsicherheitstrainings für die Mitarbeiter der Deutschen Post in Süd- und Ostbrandenburg. Der Berliner  Fuhrparkmanager der Niederlassung  BRIEF Berlin 1, organisiert neben anderen Fahrerschulungen jährlich drei Termine in Linthe für die Postzusteller. Die Teilnahme ist freiwillig. Zehn Plätze gibt es pro Training. Berufsstarter, das heißt die Auszubildenden zur Fachkraft für Kurier- Express und Postdienstleistungen (FKEP) bekommen die Schulung innerhalb ihrer ersten Tage im Berufsleben mit auf den Weg. So können sie sich zum Start direkt die richtigen Kniffe und Tricks für sicheres Fahren und Einparken angewöhnen.

Die Größe einer Parklücke abschätzen, die Länge des Bremsweges, den Radius des Wendekreises ihres Fahrzeugs: Szenen aus dem Berufsalltag spielen die Zusteller in Linthe durch, um vergleichbare Momente auf der Straße routiniert zu bewältigen. Gerade stapelt der Trainer des ADAC-Fahrsicherheitszentrums Markierungshütchen auf den Asphalt, die es zu umfahren gilt. Möglichst so, dass die Hütchen stehenbleiben. Der erste Zusteller steigt in einen  VW Caddy und startet. Ihm gelingt der Parcours fehlerfrei, kein Hütchen fällt. Sein Kollege mit dem Transporter hat mehr Mühe, obwohl dessen Ladefläche heute leer ist. "Mit jeder Sendung ändert sich das Gewicht des Fahrzeugs, das hat Folgen für die Straßenlage und den Bremsweg. In beladenem Zustand wirkt sich eine Vollbremsung bei Transportern und Lkws anders aus, als ohne Ladung", erläutert Günter Noack. "Das ist mit dem Fahren eines Pkws nicht vergleichbar." Ähnliches gelte für das Fahren bei Nässe und Glätte. "Das trainieren die Zusteller ebenfalls, schließlich sind sie das gesamte Jahr über bei jedem Wetter im Einsatz."

Theorie und Praxis wechseln sich während des Schulungstags stetig ab. Zu jeder Übung gibt der Trainer Tipps und geht auf die Fragen der Zusteller ein. Die meisten betreffen das Rangieren und Wenden, auch der tote Winkel wird diskutiert. "Sicheres Vorbeifahren an stehenden Hindernissen, Abbiegen sowie Rückwärtsfahren sind am wichtigsten, denn dabei ist das Unfallrisiko am größten", so Noack. "Das Fahrsicherheitstraining vermittelt den Zustellern, wie sie das Zusammenspiel mit anderen Verkehrsteilnehmern, besonders im innerstädtischen Bereich, meistern."

Gefährlich kann es auch  außerdem werden, wenn sich die Fahrbahnbeschaffenheit ändert, von trocken zu nass oder von glatt zu uneben, erfahren die Kollegen anschließend auf der  Dynamikplatte. Statt des abrupten Bremsmanövers bewährt sich dort eine vorausschauende Fahrweise, die alle Teilnehmenden im Anschluss umsetzen. Muss es schnell gehen, demonstriert der Trainer den richtigen Umgang mit technischen Hilfsmitteln wie ABS und ESP. Einig sind sich alle, nachdem der Parcours absolviert ist, dass das Üben mit dem eigenen Dienstfahrzeug von großem Vorteil war. Die Deutsche Post bietet das Fahrsicherheitstraining nicht nur für Pkw, Lkw und VW-Transporter an, sondern auch für die neuen, elektroangetriebenen StreetScooter an. Zum Anschluss erhalten die zehn Zusteller ein Zertifikat über die Teilnahme an dem Fahrsicherheitstraining. Was darauf nicht nachzulesen ist, aber definitiv spürbar, ist ihr gestiegenes Vertrauen in die eigene Fahrpraxis. Günter Noack kann das bestätigen, indem er von "stetig zurückgegangenen Unfallzahlen" in seinem Fuhrpark spricht. 140 Mitarbeiter der Deutschen Post aus Berlin und Brandenburg haben in diesem und im vergangenen Jahr ein Fahrsicherheitstraining in Linthe absolviert. Bundesweit organisierten  die Fachkräfte für Arbeitssicherheit des Konzerns im Jahr 2017 440 Veranstaltungen zur Verkehrssicherheit für mehr als 3.800 Mitarbeiter der Deutschen Post. Die Zahlen unterstreichen: Das Thema Verkehrssicherheit ist bei der Deutschen Post AG bereits seit vielen Jahren ein maßgebliches Element der innerbetrieblichen Präventionsarbeit.

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