"Der Job hat mir Glück gebracht"

Angekommen, integriert: Die Deutsche Post schafft Perspektiven für Geflüchtete wie Bekim Veliu.

© Deutsche Post | Vor dreieinhalb Jahren kam Bekim Veliu nach Deutschland. Heute ist er Gruppenführer in einem Paketzentrum der Deutschen Post.

"Kleine Sendungen dürfen nur mit Mausefalle aufs Band, damit sie nicht hängenbleiben." Bekim Veliu deutet auf einen Stapel flacher Kunststoffschalen, die auf einem Rollwagen im Entladebereich des DHL-Paketzentrums Leipzig-Radefeld griffbereit stehen. "Die nennen wir Mausefallen", schiebt er nach. Es klingt nicht belehrend, mehr, als wolle er sichergehen, dass man ihn versteht. "Wenn ich ins Funkgerät spreche, passiert es, dass die Kollegen nachfragen", vergleicht Veliu. "Ich muss einfach noch besser werden mit der deutschen Sprache."

Sein Deutsch ist einwandfrei. Aber gut zu sein, reicht dem Kosovaren nicht. Er möchte 100 Prozent geben in seinem Job als Gruppenführer in der Entladung. Nicht zuletzt für die Kollegen, "mit denen die Arbeit viel Spaß macht, weil sie auch dann noch gut gelaunt sind, wenn es drunter und drüber geht. Wir sind immer auf den Beinen." Im Paketzentrum Radefeld, das zur Niederlassung Leipzig der Deutschen Post DHL Group gehört, werden täglich 300 000 Sendungen bearbeitet. Bekim Veliu ist für ein Kleinteam von vier Kollegen verantwortlich,  mit denen er Sendungen von den eintreffenden Lkws und Transportern ablädt. Als Gruppenführer funkt er den Fahrzeugen durch, welches Tor sie ansteuern müssen, dann marschieren der 44-Jährige und seine Männer und Frauen los, um die Rollcontainer mit Paketen, Päckchen, Großbriefen oder Sperrgut Richtung Vorsortierer zu schaffen. Ehe sie loslegen, wirft Veliu einen Blick auf die Art der Sendungen. "Die schwersten Rollcontainer, zum Beispiel große Pakete mit Hundefutter, lasse ich ungern von meinen Kolleginnen ziehen. Ich weiß, die können das auch, aber ich kann sie entlasten, indem ich selbst anpacke." 15 Jahre lang hat er als Lagerist in Pristina, der Hauptstadt seines Heimatlandes, gearbeitet. Vor dreieinhalb Jahren beantragten Bekim Veliu und seine Familie Asyl in Deutschland. Die  Perspektivlosigkeit seiner Kinder auf dem Balkan hatte ihn nicht mehr losgelassen. Weil der Kosovo als sicheres Herkunftsland gilt, sind die Fünf in Sachsen nur geduldet. Alle zwei Jahre müssen sie den Aufenthaltsstatus verlängern lassen. Bisher klappte das. Inzwischen besuchen der Sohn und die Tochter Schulen in Leipzig, das jüngste Kind noch die Kita, und dem Vater liegt daran, "dass sie mich später nicht fragen müssen: Papa, was soll ich werden? Wenn sie sich anstrengen und anständig sind, können sie alles werden."

An diesem Tag hat Bekim Veliu Spätschicht. Um 15 Uhr übernimmt er von dem Kollegen der Frühschicht das Funkgerät und den Handscanner. Beide Gruppenführer besprechen, wie der Vormittag verlaufen ist. Veliu gesteht, dass er sich mit der technischen Ausrüstung seines Jobs erst vertraut machen musste. "Auch das gehört dazu - wie sagt man?", denkt er laut, dann fällt ihm das richtige Wort ein: "Sachverstand habe ich mir angeeignet und gehört zum Job dazu". Und Lächeln. Eins, das von Herzen kommt.

"Ich erinnere mich nicht, dass er auch nur ein einziges Mal unpünktlich gewesen wäre", lobt Ines Müller aus der Personalabteilung der Leipziger Niederlassung. "Bekim Veliu gehörte zu den ersten Geflüchteten, die bei uns ein 14-tägiges Praktikum gemacht haben. Das war im Sommer 2016." Aufgefallen sei ihr sofort der Anspruch des drahtigen Mannes, "seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und die Arbeit als Chance zu sehen." Die Deutsche Post beantwortete den Einsatz des neuen Mitarbeiters mit Vertrauen und einem, zunächst befristeten Arbeitsvertrag. "Natürlich war die Duldung ein Unsicherheitsfaktor und immer ein Thema, über das wir offen gesprochen haben", beschreibt Ines Müller. Das Unternehmen setzte sich ein, ihn zu halten und fest einzustellen. Am 25. Juli 2016 war die Hürde genommen, der erste Arbeitstag des Kosovaren fiel quasi zusammen mit der Feier seines 42. Geburtstags tags darauf. "Ich dachte, ich träume", sagt er leise, "seitdem habe ich nicht mehr aufgehört, zu träumen. Der Job hat mir Glück gebracht."

Aktuell beschäftigt die Deutsche Post DHL Group bundesweit 1700 geflüchtete Menschen, darunter 43 Auszubildende. Das Unternehmen leistet so einen Beitrag zu ihrer Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Seit Ende 2015 haben bereits 4790 Männer und Frauen einen Einblick in den Konzern erhalten. 2018 bietet das Unternehmen 450 "Praktikum PLUS Direkt-Einstieg"-Stellen in einem dreistufigen Modell an: Zunächst lernen die Geflüchteten den Arbeitsplatz kennen und werden zwölf Wochen lang eingearbeitet. Im anschließenden Praktikum steigen ihre Verantwortung und Aufgaben, parallel können die Migranten die noch erforderliche Sprach- und Integrationskurse absolvieren. In einer dritten Phase wechseln sie in einen zweijährigen Arbeitsvertrag.

Seit April dieses Jahres ist Bekim Velius Vertrag unbefristet. Seit Juni ist er Gruppenführer bei der Entladung im DHL-Paketzentrum in Radefeld. Mit seiner Familie wohnt er in Leipzig-Gohlis. Den einstündigen Arbeitsweg legt er mit dem Bus zurück. Die Spätschicht an diesem Tag endet um 20.50 Uhr. Zuhause angekommen wird er noch etwas essen, dann schlafen, denn kurz vor 6 Uhr klingelt schon wieder der Wecker des Familienvaters. Er ist derjenige, der die Pausenbrote für die Kinder schmiert und vormittags den Haushalt erledigt, während seine Frau arbeiten geht. Hat Bekim Veliu Nachtschicht, ist er von Mitternacht bis kurz vor 7 im Einsatz. Das Warten an der Bushaltestelle verkürzt sich der Leipziger damit, ein Quiz auf dem Handy zu spielen. Er muss Buchstaben sammeln und Worte bilden. "Manchmal lese ich sie Kollegen vor, die zwinkern mir zu und sagen, das Wort kannte ich noch gar nicht." Dann fährt der Bus vor. Veliu steigt ein, streckt sich zufrieden aus und sagt, den Blick in Richtung des aus dem Sichtfeld schwindenden Paketzentrums gewandt: "Das sind wirklich ganz tolle Kollegen hier." Dabei spiegelt sich sein Gesicht in der Fensterscheibe - er ist einer von ihnen.

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