Mitten in Hamburg

Dicht an dicht drängen sich die 581 Parzellen des Kleingartenvereins 114 auf der Billerhuder Insel in Hamburg-Rothenburgsort. In dem Geflecht aus Quer- und Längswegen findet sich Postbotin Natalie Hinz bestens zurecht.

© Deutsche Post DHL Group/ Marion Frahm | Im Kleingartenverein 114 auf der Billerhuder Insel in Hamburg-Rothenburgsort ist Natalie Hinz immer mit einem Lächeln unterwegs.

Immer mittags taucht Natalie Hinz in die Idylle ein. Von der Diagonalstraße biegt sie mit ihrem Postfahrrad zum Kleingartenverein 114 auf der Billerhuder Insel ab - dem wohl schönsten Kleingarten der Hansestadt.

"Nach den vielen Firmen auf der Eiffestraße kann ich auf dem Rest der Tour so schön abschalten", sagt Hinz. Das war nicht von Anfang an so. "Ich hatte Tränen in den Augen", erinnert sie sich an ihre ersten Touren vor acht Jahren. "In den ersten drei Monaten bin ich mit einem Riesen-Plan unterwegs gewesen." Um keine Parzelle zu übersehen, ist sie mit dem Lageplan in Händen das Kleingartengebiet zwischen Bille und Bullenhuser-Kanal Straße für Straße abgegangen - erst die linke Seite, dann die rechte. Anders hätte sie sich nicht zurechtgefunden.

© Deutsche Post DHL Group/ Marion Frahm | Natalie Hinz, Postbotin auf der Billerhuder Insel, kennt jede Parzelle und jeden Bewohner mit Namen.

Heute hat sie den Plan im Kopf und kann die Quer- und Längsstraßen passend für ihre Tour kombinieren. Für Vertreter ist es schwierig. "Man darf die Gänge nur bis zur Hälfte fahren. Fährt man durch, verirrt man sich." Den Rat und einen Lageplan, auf dem die Stammzustellerin alle Besonderheiten festgehalten hat, gibt sie ihrer Vertretung mit auf den Weg, wenn sie in Urlaub geht. "Ich versuche es allen so leicht wie möglich zu machen."

Der Kleingartenverein 114 zählt 581 Parzellen mit überwiegend Sommerschrebern. Auf der Fläche von 38 Hektar gibt es zudem 56 Festbewohner. Auch das muss eine Vertretung wissen. "Das ist für die Verteilung der Wurfsendungen wichtig." Sommerschreber, die sich zwischen April und Oktober in ihrem Kleingarten aufhalten, erhalten diese nicht.

Adressiert wird im Kleingartenverein nach Parzelle, nicht nach Namen. Bei Parzelle 522b beginnt Natalie Hinz ihre Tour und wird dort schon von den ersten drei "Alarmanlagen" empfangen. "Hunde wissen, wenn ich komme", und sie versuchen, den Eindringling in die Flucht zu schlagen, egal wie klein sie sind. Im Sommer gibt es besonders viele Hunde. Auch vom Tierheim in der Süderstraße sind viele Gassigeher mit den Vierbeinern im grünen Paradies unterwegs. "Ich könnte sie alle mitnehmen", sagt Hinz mitfühlend. Dennoch ist Natalie Hinz vorsichtig.

Bei Molly braucht sie das nicht. Wenn sie mit ihrem Elektrofahrrad um die Ecke biegt, kommt die Hündin von Claus-Jürgen Zolldan schon freudig an den Zaun gelaufen.

Ein bisschen Service gehört dazu

Vielleicht liegt es daran, dass Pierre Brice die gebürtige Bad Segebergerin als Baby auf dem Arm gehalten hat. "Ich bin bei den Karl-May-Festspielen geboren", sagt die heute 45-Jährige. Gut gelaunt hat sie für jeden ein Lächeln auf den Lippen. Auf der Straße wird sie freudig gegrüßt oder ein kurzes Schwätzchen gehalten.

Auf der Billerhuder Insel kennt sie jeden, ob Festbewohner oder Sommerschreber, und ist mit allen per Du.

"Das machen wir hier so", sagt Ingeborg Herrmann. Die 70-Jährige wartet in ihrem Garten bereits auf die Postbotin und holt ihr an diesem heißen Tag ein Eis aus der Truhe. Wenn sie genug Zeit hat, macht Natalie Hinz bei Ingeborg Herrmann Pause. Die beiden klönen über Dies und Das, das Sommerfest des Kleingartenvereins, die neusten Entwicklungen auf der Insel und was es sonst noch zu berichten gibt.
Natalie Hinz ist ein wichtiger Eckpfeiler auf der Insel, besonders für die Festbewohner, von denen schon einige älter sind. Denn wohnen darf auf der Insel nur, wer auf ihr geboren ist. Mit der Postbotin sprechen sie ab, wie sie mit den Sendungen verfahren soll, wenn sie nicht zuhause sind. In ihrer Freizeit besorgt Natalie Hinz Briefmarken und nimmt die frankierten Briefe anschließend mit. "Ich bin hier der gelbe Briefkasten", scherzt sie. "Für mich ist es kein Zeitaufwand und ein bisschen Service muss man auch bieten." Von einigen Bewohnern hat sie die Telefonnummer. Wenn sie sich Sorgen macht, weil der Hausbriefkasten voll ist, ruft sie an. Einmal hat sie auch den Pflegedienst gerufen.

Sommer ist die schönste Zeit auf der Billerhuder Insel. Dann hat die Postbotin am meisten zu tun. In den Kleingärten wird klar Schiff gemacht. Die Schreberhäuschen werden geputzt und gelüftet. Der Garten aufgepeppt, Rasen gemäht, gepflanzt, gefegt, Obst und Gemüse geerntet. Ein Drittel Rasen, ein Drittel Blumen, ein Drittel Gemüse - so besagt es die Satzung, und jeder hält sich daran.

Im Winter, wenn die Sommerschreber ausgeflogen und nur noch die wenigen Festbewohner da sind, ist es ziemlich leer auf der Billerhuder Insel. Dann weht der Wind die Geräusche der umliegenden Straßen und der Industrie durch die kahlen Bäume herüber. Auch die Gassigeher von der Süderstraße halten sich fern, da die Wege meist nicht gestreut sind. Einmal, erinnert sich Natalie Hinz, sei sie die Strecke mit Spikes drei Stunden zu Fuß abgelaufen.

Aber auch dann macht sie ihren Job gerne. "Den muss man ja mögen", sagt sie - besonders wenn es auf der Billerhuder Insel ist.

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