Ein Ort ohne Straßennamen: Wie die Post in Willmering trotzdem immer ans Ziel kommt

Straßenname, Hausnummer, Postleitzahl: So sehen üblicherweise die Postadressen in deutschen Städten und Gemeinden aus. Doch es gibt auch Orte, in denen sind nicht alle Anschriften so eindeutig. Das oberpfälzische Willmering ist einer davon: Hier finden sich teilweise statt Straßennamen nur Dorfbezeichnungen. Die Postbotin weiß trotzdem genau, wo sie welchen Brief einwerfen muss.

© Deutsche Post DHL Group | Michelle Elze unterwegs in ihrem Zustellbezirk: Prienzing ist eines der vier Gebiete, in denen es keine Straßennamen gibt. Für die Zustellerin ist das kein Problem.

Willmering liegt nördlich von Cham und hat knapp 2.000 Einwohner. Michelle Elze arbeitet hier seit Mai als Zustellerin für die Deutsche Post, im E-Kleintransporter StreetScooter macht sie sich morgens auf den Weg, um Briefe und Pakete zu den Menschen in ihrem Zustellbezirk zu bringen. Der Bezirk Willmering, der den Postleitzahlenbereich 93497 umfasst, ist ein ganz besonderer: Hier gibt es nämlich kaum Straßennamen. Die Adressen der Willmeringer Bewohner setzen sich stattdessen überwiegend aus einer Dorfbezeichnung und einer Hausnummer zusammen: Prienzing, Prienzing-Siedlung, Prienzing-Tradl und Geigen heißen die vier Gebiete, in denen Elze die Post bringt.

Doch wenn die Straßen keine Namen haben, woher weiß die Zustellerin dann, wo sie welchen Brief einwerfen und welches Päckchen abgeben muss? Das, sagt sie, habe vor allem mit Erfahrung und Routine zu tun. "Als ich hier angefangen habe, war das teilweise schon sehr verwirrend", gibt die 23-Jährige zu. Denn es gibt zwar eine feste Fahrroute durch Elzes Bezirk, die sie von ihren Kollegen gelernt hat. Und die normale Briefpost landet morgens auch schon auf diese Route vorsortiert auf ihrem Zustelltisch. Aber Werbeprospekte, Warensendungen und andere Briefpost, die nicht dem normalen Format entspricht, muss Elze morgens selbst passend sortieren, und das erfordert Konzentration - jeder Fehler kostet sie schließlich bei der Zustellung Zeit. Und auch wenn sie dann unterwegs ist, besteht noch das Risiko, sich bei der Suche nach dem richtigen Haus im dörflichen Willmering zu verirren, denn die Hausnummern sind dort nicht unbedingt logisch verteilt: "Dass zum Beispiel neben der Hausnummer 59 die Nummer 80 kommt, das hat mich am Anfang schon irritiert. Da musste ich mich manchmal durchfragen", erzählt Michelle Elze. Dabei stellte sie fest: Dass die Hausnummern in Willmering querbeet vergeben wurden, ist auch für die Ortskundigen selbst nach Jahren noch manchmal eine Herausforderung.

Bei Michelle Elze ging es zum Glück viel schneller: "Nach zwei bis drei Wochen Zustellung hatte ich die Adressen ziemlich gut im Kopf", erzählt Elze. Wenn sie morgens ab halb sieben die Post vorsortiert, muss sie bei den Adressen nicht mehr lange überlegen. "Das ist eine reine Gewohnheitssache", so Elze. Dabei ist sie noch nicht einmal ständig in diesem Bezirk unterwegs, sondern tauscht regelmäßig den Bezirk mit Kollegen und springt ein, wenn jemand krank oder im Urlaub ist. Doch selbst wenn sie mal für drei Wochen ganz woanders zugestellt hat, hat sie die Willmeringer Adressen bei ihrer Rückkehr immer noch im Kopf. "Es ist ein bisschen wie beim Fahrradfahren", meint Michelle Elze: "Wenn man die Route und die Häuser erst einmal verinnerlicht hat, dann vergisst man sie eben auch nicht mehr."

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