Aus Togo nach Schwaben: Kwadjokouma "Jad" Kolagbe bringt im Iller- und Rothtal die Post

Vor fünf Jahren kam Kwadjokouma Kolagbe aus Togo nach Deutschland. Obwohl er hochqualifiziert ist und schnell Deutsch lernte, fiel es ihm zunächst schwer, Arbeit zu finden. Bis er durch einen Zufall auf die Deutsche Post stieß. Seit 2015 arbeitet er als Zusteller - zunächst in Biberach an der Riss, seit Ende 2016 in Buch und Illertissen. Der 33-Jährige ist ein Musterbeispiel an Integration - und wünscht sich nichts mehr als eine Aufenthaltserlaubnis.

© Deutsche Post DHL Group | Kwadjokouma "Jad" Kolagbe ist für die Deutsche Post als Verbundzusteller unterwegs. Der 33-Jährige stammt aus Togo und hat in Deutschland nicht nur in kurzer Zeit fließend Deutsch gelernt, sondern auch den Führerschein gemacht.

Seine Freunde und Kollegen kennen Kwadjokouma Kolagbe als "Jad" - die Abkürzung seines katholischen Taufnamens Jean David. In seinen Papieren taucht dieser Name allerdings nicht auf: "In Togo ist es verboten, seinen christlichen Taufnamen offiziell zu tragen", erklärt der 33-Jährige. Auch sonst ist es um die Freiheit in dem westafrikanischen Land nicht allzu gut bestellt. Im "Democracy Index" 2017 der Zeitschrift "The Economist" findet sich Togo auf Platz 142 von 167 Ländern und wird zu den autoritären Staaten gezählt. Andersdenkende wie Kolagbe, der Mitglied der oppositionellen Partei "Alliance National pour le Changement" (ANC) war, haben wenig Möglichkeiten, sich Gehör zu verschaffen, öffentliche Kritik an der Regierung kann gefährlich werden. Kolagbe floh deshalb 2013 nach Deutschland.

© Deutsche Post DHL Group | An seiner Arbeit als Zusteller gefällt Kolagbe besonders, dass er ständig unterwegs ist und viel Kontakt zu Menschen hat. Auch mit seinen Kollegen versteht er sich bestens.

Seit 2015 arbeitet Kolagbe bei der Deutschen Post, nachdem er zuvor lange auf Jobsuche war. "Ich wusste immer, dass ich in Deutschland so schnell wie möglich Geld verdienen und für mich selbst sorgen will", betont Kolagbe. Deshalb war es für ihn auch selbstverständlich, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. Sein Zertifikat schloss er mit sehr gutem Erfolg ab, heute spricht er die Sprache längst fließend. Trotzdem zog sich die Jobsuche hin. Am Ende kam Kolagbe der Zufall zu Hilfe: Als eine Lokaljournalistin ein Porträt über den Togoer veröffentlichte, wurde der Zustellteamleiter der Deutschen Post in Biberach an der Riss auf ihn aufmerksam. Dann ging alles ganz schnell: "Ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und fing kurz darauf als Zusteller an", erzählt Kolagbe. Zunächst war er als Fahrradzusteller in Biberach im Einsatz, aus einem einfachen Grund: "Ich hatte damals noch keinen Führerschein", so Kolagbe. Den holte er allerdings schnell nach. Heute ist er in der Region Neu-Ulm als Verbundzusteller im Auto unterwegs, nur als Vertretung setzt er sich auch ab und zu noch aufs Fahrrad.

Die Arbeit als Zusteller macht ihm Spaß: "Ich bin gerne unterwegs und mag den Kontakt zu den Menschen", so Kolagbe. Auch mit seinen Kollegen versteht er sich gut. Gerne hätte er auch in seinem erlernten Beruf gearbeitet: In Togo hatte Kolagbe einen Master in Versicherungswesen gemacht und als Versicherungskaufmann gearbeitet. In Deutschland wollte er sich deshalb gerne weiterqualifizieren, doch als er schließlich mit Unterstützung der Deutschen Post die Möglichkeit bekam, in Bayern eine Ausbildung zu absolvieren, machte ihm die dortige Bürokratie einen Strich durch die Rechnung: Sein Antrag auf Ausbildungsbeihilfe wurde abgelehnt, die Ausbildungsvergütung allein reichte nicht zum Leben. Kolagbe musste den Traum von der Ausbildung aufgeben und kehrte in den Zustellberuf zurück.

Vorbildlich integriert

Die gescheiterte Berufsausbildung ist ein Beispiel für die Unsicherheit, mit der Flüchtlinge und Asylbewerber wie Kolagbe täglich zu kämpfen haben. Der Togoer hat seit seiner Einreise nur eine Aufenthaltsgestattung, die jeweils sechs Monate gültig ist. Läuft sie ab, muss er eine Verlängerung beantragen, das nächste Mal wird das im Oktober 2018 der Fall sein. Ob er sie bekommt, weiß er vorher nicht. Im Rahmen ihrer konzernweiten Flüchtlingshilfe unterstützt die Deutsche Post Kolagbe, wo immer es möglich ist, doch auch für seinen Arbeitgeber ist die anhaltende Unsicherheit frustrierend. Weil Kolagbe keine Aufenthaltserlaubnis hat, darf die Deutsche Post immer nur kurzfristige Arbeitsverträge mit ihm abschließen - dabei würden sie ihm gerne einen unbefristeten Vertrag anbieten.  

Kwadjokouma "Jad" Kolagbe hat sich vorbildlich integriert: Er hat in Rekordzeit Deutsch gelernt, den Führerschein gemacht, so schnell wie möglich einen Job gefunden, um finanziell auf eigenen Beinen stehen zu können, sein Leben eigenständig organisiert. Er ist stolz darauf, dass er keine staatlichen Leistungen in Anspruch nehmen muss, sondern selbst für sich sorgen kann. Dass er dennoch nie länger als sechs Monate in die Zukunft planen kann und ihm die Bürokratie immer wieder Knüppel zwischen die Beine wirft, macht ihn traurig. "Seit ich in Deutschland bin, habe ich mir alle Mühe gegeben, mich gut zu integrieren", sagt Kolagbe. "Trotzdem habe ich immer nur sechs Monate Perspektive." Sein größter Traum ist deshalb eine Aufenthaltserlaubnis, die es ihm ermöglicht, seine Zukunft zu planen.

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