25 Jahre fünfstellig: Die Postleitzahl feiert Jubiläum

Vor 25 Jahren, am 1. Juli 1993, begann die Ära der fünfstelligen Postleitzahl. Mit ihrem Comic-Maskottchen Rolf, einem gelben Handschuh, hatte die Deutsche Bundespost zuvor unermüdlich im Fernsehen und in Zeitungsanzeigen mit dem Motto "Fünf ist Trümpf" für den Umstieg von den vier- auf die fünfstelligen Zahlen geworben. Die Imagekampagne sollte die Bevölkerung für die Maßnahme erwärmen, die nicht unbedingt auf Begeisterung stieß. Reimund Stenglein, der damals bei der Post in Kulmbach die Umstellung begleitete, erinnert sich gut an die Skepsis - und wie aus der neuen fünfstelligen Systematik am Ende doch noch eine große Erfolgsgeschichte wurde.

© Deutsche Post DHL Group | Heute sind in Deutschland 28.278 verschiedene Postleitzahlen vergeben, davon 8.181 für Orte, 16.173 für Postfächer, 3.095 für Großkunden und 865 sog. "Aktions-PLZ".

Die Skepsis vor der Umstellung war nicht nur in der Bevölkerung zu spüren, selbst bei der Post waren einige unsicher, wohin es mit der Umstellung gehen sollte. "Der ein oder andere bei uns bezweifelte sicher auch ein bisschen, dass das klappen würde", erzählt Reimund Stenglein, der heute als Abteilungsleiter Auslieferung in Bayreuth für 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich ist. "Wir hatten damals noch Kollegen, die nahezu jede Postleitzahl aus dem Kopf wussten - die waren von der Umstellung natürlich nicht sofort begeistert", so Stenglein weiter. Zudem war es eine Mammutaufgabe, vor der die damalige Staatsbehörde stand: Aus gerade einmal 5.420 vierstelligen Zahlen in Ost und West sollten am Ende 28.278, also mehr als fünfmal so viele, fünfstellige Postleitzahlen werden. Vor allem zwei Gründe gab es für das neue System: Zum Einen waren durch die Wiedervereinigung rund 800 Postleitzahlen doppelt vergeben, so etwa die 5300, die im Westen für Bonn und im Osten für Weimar galt. Zum Anderen schritt die Automatisierung bei der Post Anfang der Neunziger rasch voran und dank der neuen Postleitzahlen sollte die maschinelle Sortierung in den neu entstehenden modernen Briefzentren effizienter werden.

Die Umstellung auf das neue System wurde von einer Außenstelle des Postministeriums in Darmstadt gesteuert. Die Umsetzung vor Ort begann über ein Jahr vor dem Stichtag, dem 1. Juli 1993. Reimund Stenglein arbeitete damals im oberfränkischen Kulmbach in der Betriebsaufsicht. Gemeinsam mit Kollegen war er für die Umstellung verantwortlich und wurde in Schulungen auf diese Aufgabe vorbereitet. "Es ging dabei vor allem um die Datenerfassung", erinnert sich Stenglein. In umfangreichen Listen mussten alle bestehenden Postleitzahlen, alle Postfachanlagen und Großempfänger in der Region erfasst und gemeldet werden. "Das war viel Arbeit, aber es hat auch Spaß gemacht", erinnert sich Stenglein heute. Was am Ende dabei herauskommen würde, wusste zu diesem Zeitpunkt vor Ort allerdings noch keiner genau. "Wer welche Postleitzahl bekommen würde, war ja vorher nicht klar", so Stenglein. Sonderwünsche von Gemeinden oder Unternehmen, und die soll es durchaus gegeben haben, wurden nicht akzeptiert.

Lange Übergangszeit

Pünktlich zum 1. Juli 1993 stellte die Deutsche Bundespost auf das neue System um, Kulmbach trug nun anstelle der 8650 die Postleitzahl 95326. Das neue Postleitzahlenbuch wurde in einer Auflage von 40 Millionen gedruckt und ausgeliefert, damit Kunden die neuen Zahlen im Prä-Internetzeitalter schnell nachschlagen konnten. Trotz der anfänglichen Skepsis wurde das System schnell akzeptiert: Bereits am Stichtag waren 57 Prozent aller eingelieferten Briefe mit der korrekten, neuen Postleitzahl versehen, nur zwei Wochen später waren es bereits rund 90 Prozent. Die Kritik an der aufwendigen Maßnahme verstummte ebenso rasch. Dennoch wirkten sich die Folgen der Umstellung auch in Kulmbach noch lange auf den Betrieb aus: "Wir haben damals zusätzliche Arbeitskräfte vorgehalten, die bei allen Sendungen, auf denen noch die alte Postleitzahl stand, die neue Zahl nachschlugen", erzählt Stenglein. Er erinnert sich, dass die Übergangsphase, in der noch auf diese Weise manuell nachsortiert werden musste, mindestens noch ein Jahr dauerte. Mit dem technischen Fortschritt änderte sich aber auch das: 1996 wurde das hochmoderne Briefzentrum in Bayreuth in Betrieb genommen. "Mit der Einführung der maschinellen Bearbeitung ergab das neue Postleitzahlensystem für uns erst so richtig Sinn", erzählt Stenglein. 

Für die Deutsche Post, die sich in der Zwischenzeit von der Behörde zum Privatunternehmen gewandelt hat, ist die fünfstellige Postleitzahl eine Erfolgsgeschichte. Trotzdem, erzählt Reimund Stenglein, kommt es selbst nach 25 Jahren noch vor, dass Post mit einer alten, vierstelligen Postleitzahl im Briefzentrum eintrudelt. "Da hat dann vielleicht ein älterer Kunde eine ganz alte Adresse hervorgekramt", vermutet Stenglein. Natürlich kommen aber selbst solche Briefe sicher an ihr Ziel - sogar ein Vierteljahrhundert nach der Umstellung.

Die Umstellung in Zahlen

  • Die Einführung der neuen Postleitzahlen kostete die Deutsche Post insgesamt 400 Millionen D-Mark.
  • Das Postleitzahlenbuch wurde 40 Millionen Mal gedruckt, dabei wurden 38.000 Tonnen Papier verwendet.
  • Das Gebiet mit der niedrigsten Postleitzahl 01067 liegt in Dresden, die höchste besitzt mit 99998 die thüringische Gemeinde Körner.
  • Es gibt nur zwei "Schnapszahlen"-PLZ: 22222 in Hamburg und 33333 in Gütersloh.

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