Mit Handschlag und einem Lächeln

Mit dem Ziel, eine Perspektive für sein Leben zu finden, kam Alireza Khodai nach Deutschland. Mit seiner ruhigen und freundlichen Art hat sie der gebürtige Iraner bei DHL Delivery in Altona und den Kunden gefunden.

© Deutsche Post/Marion Frahm | Der "nette Paketzusteller von DHL": Alireza Khodai

Alireza Khodai ist nicht einfach nur der Paketzusteller in Hamburg-Rotherbaum. Zwischen Mittelweg, Rothenbaumchaussee und den angrenzenden Straßen ist er „Ali“, „Alireza“, „Herr Khodai“ oder „der nette Paketzusteller von DHL“. „Wir machen immer einen Scherz und lachen zusammen“, sagt Josef Sözbir vom TherapieZentrum Curio-Haus. Auf seinem Weg zur Praxis ist er gleich zum parkenden Zustellwagen abgebogen und begrüßt Khodai per Handschlag. „Es ist schon bewundernswert, wie er mit sechs Paketen vor der Tür steht und immer jemanden findet, der die Pakete annimmt“, sagt Sözbir anerkennend.

Khodai ist gewissenhaft, höflich, kennt jeden Kunden in seinem Zustellungsbezirk mit Namen und hat für alle ein Lächeln. Er weiß welchem Nachbarn er Pakete anvertrauen kann, wenn keiner zu Hause ist. „Er ist der netteste. Mit diesem jungen Mann klappt alles“, lobt Ejdar Tatar, Inhaber der Partnerfiliale der Deutschen Post in der Schlüterstraße. In dem Geschäft Ecke Johnsallee hinterlegt Khodai Pakete, die er nicht zustellen, aber benachrichtigen kann. Von dort nimmt er Retouren mit zurück zum Depot von DHL Delivery in der Kaltenkirchener Straße. Hat er keinen Zugang zum Briefkasten versendet er ein Benachrichtigungsschreiben auf dem Postweg. Der Empfänger kann die Sendung am darauffolgenden Tag bei der Postbankfiliale in der Schlüterstraße abholen.

Zustellung am Rothenbaum

Sind seine Mitmenschen zufrieden, ist Khodai es auch. An einem Tag, erinnert er sich, habe ihn eine Frau vier Mal auf ein Paket angesprochen. Darin befand sich ein Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter. Er hatte es nicht auf seinem Wagen. "Als Vater konnte ich gut nachvollziehen, wie traurig sie ist", sagt er. Also forschte er auf Umwegen nach der Telefonnummer eines Kollegen, der das Paket geladen haben könnte, und wurde fündig. Dann fuhr er die paar Straßen zu ihm, holte das Paket, um es der Frau zu bringen. "Sie hatte vor Glück Tränen in den Augen."

Auch die Kollegen und Vorgesetzten im Depot wissen Alireza Khodai zu schätzen. Das Paketgeschäft ist anspruchsvoll, die Belastung sehr hoch. Trotz Hektik und Stress bleibt Khodai gelassen. "Sein Umgang mit den Kollegen ist vorbildlich", lobt sein Chef. "Wenn es darauf ankommt, greift er anderen unter die Arme."

Der gebürtige Iraner kam zusammen mit seinem Bruder, der inzwischen ein Kollege von ihm ist, 2013 nach Deutschland. Nach ihrer Anerkennung als Asylberechtigte entschieden sie sich für die Hansestadt, weil es, so hofften sie, wo ein Hafen ist, immer einen Job gibt. Die beiden wohnten ein Jahr zusammen, dann begegnete Alireza seiner heutigen Partnerin und sie suchten sich eine Wohnung.

Im Iran hatte Khodai keine berufliche Perspektive. In Deutschland wollte er mehr aus sich machen. Bei seiner Suche nach Ausbildungsplätzen im Internet stieß er auf eine Ausschreibung von DHL Delivery. Einen Tag nach der Geburt seiner Tochter hatte er das Vorstellungsgespräch, eine Woche später die Zusage.

Vom ersten Tag an übertraf Khodai mit seiner Arbeitsweise und seinem Engagement die Norm eines klassischen Auszubildenden. Doch wie sich bald zeigte, konnte er mit dem Ausbildungsgehalt keine Familie finanzieren. "Wir haben ihm zugetraut, dass er den Anforderungen einer Regelzustellung gewachsen ist und uns für ihn eingesetzt, seine Ausbildung durch eine Vollzeitstelle zu ersetzen", sagt Depotleiter Vondran. Nach einem halben Jahr kündigte Khodai die Ausbildung und begann am nächsten Tag als Springer. "Dann bekam er seine feste Tour im Rothenbaum, dem prestigeträchtigen Bereich um den Mittelweg", erklärt Vondran weiter.

Gelassen auch bei der größten Hektik

An diesem Montagmorgen hat der 29-Jährige den großen Transporter bis unters Dach mit Paketen beladen, obwohl ihm bereits zwei Kollegen gleich morgens im Depot zur Entlastung die Zustellung in einer Straße abgenommen haben. Fachbereiche, Institute und Büros haben samstags geschlossen. Ihre Sendungen nimmt der Zusteller zusätzlich montags mit. Bei geringerem Sendungsaufkommen fährt Khodai mit dem elektrischen StreetScooter. Mit ihm findet er immer eine Parkmöglichkeit. Mit dem großen Fahrzeug ist es schwerer.

Während die Straßen rund um Universität und Mittelweg oft bis in die zweite Reihe zugeparkt sind, Fahrradfahrer mit und gegen den Verkehr fahren und sich die Studierenden auf den Fußwegen drängeln bleibt Khodai gelassen. Hat er einen Parkplatz gefunden, packt er so viele Pakete wie möglich auf die Sackkarre und bringt sie zu den Kunden. Oft heißt das für ihn Treppensteigen, denn einen Fahrstuhl haben die meisten Villen nicht. Alireza Khodai betrachtet es als Fitnesstraining.

Khodai mag seine Arbeit. Er steht zu seinem Unternehmen. Gepflegte Arbeitskleidung ist ihm genauso wichtig wie ein sauberes Auto. "Auf der Tour bin ich mein eigener Chef und ich lerne viele Menschen kennen, was auch gut für meine Deutschkenntnisse ist", sagt er. "Inzwischen spricht er sehr gutes Deutsch. Ich frage mich, wie er das so schnell lernen konnte", sagt Dennis Vondran anerkennend.

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