Postgeschichte hautnah: Das private Postmuseum von Alfred Hopfner

Vom Stempel bis zum Postauto, von der Briefwaage bis zur Postbotenuniform: In der Gemeinde Mertingen bei Donauwörth können Interessierte einmal im Monat durch das private Postmuseum von Alfred Hopfner streifen und einen Blick zurück in die Zeit der Bundespost werfen. Seine Sammlung und die Ausstellung hat der Postmitarbeiter über Jahrzehnte aufgebaut - mit wenig Geld und viel Leidenschaft.

© Deutsche Post DHL Group | Eintauchen in die Postgeschichte: In seinem privaten Postmuseum hat Alfred Hopfner ein historisches Postamt bis ins Detail nachgebaut.

Seit 1971 arbeitet Alfred Hopfner bei der Deutschen Post, heute ist der 61-Jährige Teamleiter im Zustellstützpunkt in Asbach-Bäumenheim. Seit fast 40 Jahren widmet er sich in seiner Freizeit der Postgeschichte. Dabei nahm das Hobby einen ganz harmlosen Anfang, als er 1981 einen alten Briefkasten geschenkt bekam. Doch dieser Briefkasten sollte der Grundstock einer posthistorischen Sammlung werden, von der Hopfner heute selbst nicht weiß, wie groß sie eigentlich genau ist: Die Exponate zu zählen, wäre viel zu aufwendig.

Jedenfalls ist seine Sammlung bereits so groß, dass er bei weitem nicht alles in der Ausstellung zeigen kann, die schon jetzt zwei Etagen in der Alten Schule in Mertingen belegt. In dem umgebauten Schulgebäude aus dem Jahr 1857 haben die Museumsfreunde Mertingen ihr Quartier - neben Hopfners Postmuseum gibt es dort unter anderem eine historische Schmiede und eine Ausstellung mit römischen Funden zu bewundern. Geöffnet ist das Museum allerdings nur für einige Stunden an jedem ersten Sonntag im Monat - und das auch nur von Mai bis September. Denn das alte Gebäude lässt sich nicht beheizen. "Unter anderem deshalb werden viele Schriftstücke und Dokumente aus meiner Sammlung nicht hier, sondern in einem Archiv aufbewahrt", erklärt Alfred Hopfner. Auch weil es unter dem Dach der Alten Schule langsam eng wird, hoffen die Museumsfreunde darauf, irgendwann umziehen zu können, ein neues Quartier ist bereits im Gespräch. Noch ist das aber Zukunftsmusik.

© Deutsche Post DHL Group | Der Opel Blitz von 1955 ist eines der Highlights in Hopfners Sammlung.

Obwohl Hopfner ab und zu in Online-Auktionen stöbert, hat er nur das Wenigste von dem gekauft, was er zeigt. Vieles stammt aus Schenkungen, häufig durch Kollegen aus dem Unternehmen oder deren Angehörige. "Neulich hat mir zum Beispiel eine Kollegin, die ich bei einem Teamleiterlehrgang getroffen habe, einen schönen alten Tagesstempel geschenkt", erzählt Hopfner. Andere Exponate kamen in seinen Besitz, weil sie im Zuge der Postreform 1995 und dem Übergang zum Privatunternehmen Deutsche Post aussortiert worden waren.

Museum zum Mitmachen

Um Alfred Hopfners Postmuseum zu besuchen, nehmen Interessierte zum Teil weite Wege auf sich. "Erst letzten Sonntag hatte ich Besucher aus Ostdeutschland hier", sagt Hopfner. Der gute Ruf seines kleinen Museums sorgt allerdings auch für unerwünschte Angebote: "Manchmal rufen mich Leute an und fragen, ob ich an einem Objekt Interesse habe und erwarten dann horrende Summen dafür", erzählt Hopfner. "Ich mache das hier alles ehrenamtlich, Geld für große Ankäufe habe ich nicht", so Hopfner weiter.

© Deutsche Post DHL Group | Mitmachmuseum: Alfred Hopfner legt Wert darauf, dass die Besucher in seinem Postmuseum nicht nur viel zu sehen bekommen, sondern das ein oder andere auch selbst ausprobieren können.

Viel wichtiger als der materielle Wert seiner Exponate ist für Hopfner sowieso, dass seine Ausstellung zum Entdecken und Ausprobieren einlädt statt nur zum Betrachten. "Die Besucher können hier zum Beispiel die verschiedenen Stempel ausprobieren, das macht besonders Kindern immer viel Spaß", so Hopfner. Und natürlich ist er an jedem Museumssonntag persönlich vor Ort, führt Ausstellungsstücke vor und erklärt, wie aufwendig die Abläufe bei der Post waren, bevor es Sortiermaschinen und Computer gab. Dass ihn das Museum und die Pflege der Ausstellung viel von seiner Freizeit kostet, ist ein Preis, den Alfred Hopfner nur zu gerne zahlt. Für die Unterstützung durch die Museumsfreunde Mertingen ist er umso dankbarer. Neben der Alten Schule betreiben sie noch zwei weitere Museen in Mertingen: Den Stadel, in dem es unter anderem landwirtschaftliche Maschinen und Arbeitsgeräte zu sehen gibt, und die Sölde, ein altes Bauernhaus, in dem gezeigt wird, wie das Leben auf dem Land im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aussah. "Es lohnt sich auf jeden Fall, für die drei Museen nach Mertingen zu fahren", betont Hopfner.

Ein Lieblingsexponat hat Alfred Hopfner nicht, alles, was er über die Jahrzehnte gesammelt hat, ist ihm als Teil der Postgeschichte wichtig und hat seinen Platz. Ein Highlight gibt es trotzdem: Den postgelben Opel Blitz von 1955. Das ehemalige Zustellfahrzeug wurde ihm vor einigen Jahren von Sammlern alter Postautos zum Kauf angeboten und ist seitdem nicht nur ein Teil seiner Ausstellung, sondern auch sein treuer Begleiter bei Oldtimertreffen und ähnlichen Anlässen. Ab und zu bekommt Hopfner Anfragen für Fotoshootings oder Filmaufnahmen, für die er sein historisches Fahrzeug gerne zur Verfügung stellt. Das gilt übrigens auch für seine anderen Exponate: Vor einiger Zeit wollten Kollegen einem Mitarbeiter, der in den Ruhestand ging, einen Abschied mit historischem Flair organisieren. Hopfner half gerne mit passenden Dienstuniformen aus - natürlich kostenlos.

Alfred Hopfners privates Postmuseum

Alfred Hopfners privates Postmuseum ist in der Alten Schule, Fuggerstraße 3 in 86690 Mertingen zu finden. Geöffnet ist es von Mai bis September jeweils am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt, mit dem auch die übrigen Ausstellungen besucht werden können, kostet einen Euro. Informationen zur Alten Schule und den anderen beiden Museen in Mertingen gibt es auch unter www.mertingen.de/kultur.

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