"Stärkstes Auftaktquartal aller Zeiten"

Deutsche Post DHL Group ist mit dem stärksten Auftaktquartal aller Zeiten ins Jahr 2021 gestartet. Das Unternehmen verzeichnete ein Umsatzplus von 22 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) hat sich auf 1,9 Milliarden Euro mehr als verdreifacht gegenüber dem Vorjahresquartal, die Ergebnisprognose für 2021 und der mittelfristige Ausblick wurden angehoben. Im Interview mit DPDHL Group News spricht Finanzvorstand Melanie Kreis über die dynamische Entwicklung im ersten Quartal 2021 und warum der Konzern auch über 2021 hinaus eine Fortsetzung seines profitablen Wachstumskurses erwartet.

Finanzvorstand Melanie Kreis

Frau Kreis, seit mehr als einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Was waren die Schlüsselelemente für den erfolgreichen Start ins Jahr in diesem Umfeld?

Melanie Kreis: Wir hatten ein sehr starkes erstes Quartal. Unsere 570.000 Mitarbeiter*innen sind weiterhin unermüdlich im Einsatz, halten Lieferketten aufrecht und versorgen Menschen überall auf der Welt mit lebenswichtigen Gütern. Wir verteilen weltweit Schutzausrüstung, Schnelltests und Impfstoffe. Seit mehr als einem Jahr leisten wir einen elementaren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie und werden dies auch weiterhin tun. Unser Geschäft hat sich in diesem Umfeld sehr dynamisch entwickelt. Der anhaltende Boom im E-Commerce treibt die Sendungsmengen im nationalen und internationalen Paketgeschäft, wovon Express, eCommerce Solutions und Post & Paket Deutschland profitieren konnten. Gleichzeitig konnte unser Geschäft durch wieder anziehende Geschäftskundenaktivitäten in Express und der Kontraktlogistik sowie steigende Volumina in der Luft- und Seefracht wachsen.

Wie schlägt sich dieser Erfolg in den Zahlen nieder?

Melanie Kreis: Wir haben gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Verbesserung erzielt. Der Umsatz ist um 22 Prozent gestiegen, um Wechselkurseffekte bereinigt sogar um 26 Prozent. Das operative Ergebnis haben wir mehr als verdreifacht. Alle Divisionen liegen deutlich über Vorjahr. Das zeigt: Wir haben mit unserer "Strategie 2025" auf genau die richtigen Wachstumstreiber gesetzt. Dank der konsequenten Umsetzung unserer Strategie sind wir in der Lage, das rasante Wachstum im E-Commerce zu bedienen und gleichzeitig die Erholung im B2B Geschäft zu ermöglichen. Vor allem können wir die deutlich gestiegene Nachfrage mit hoher Servicequalität abbilden - und in Gewinn übersetzen. Nach dem starken Jahresauftakt sind wir für den Rest des Jahres noch etwas optimistischer.

Das gute Abschneiden spiegelt sich auch in einem außergewöhnlich starken Cashflow wider - das dürfte Sie als Finanzvorstand besonders freuen?

Melanie Kreis: Das ist ein weiterer Beleg für die starke Entwicklung des Konzerns. In der Vergangenheit war der Free Cashflow im ersten Quartal immer negativ. In diesem Jahr sind wir erstmals positiv - und dann gleich mit 1,2 Milliarden Euro. Gründe dafür sind die positive Ergebnisentwicklung und ein geringerer Mittelabfluss aus Veränderungen des Working Capitals. Deshalb haben wir auch unsere Prognose für den Free Cashflow angehoben. Der stärkere Cashflow ist Ausdruck unseres Unternehmenserfolgs und ermöglicht es uns, weiter stark in künftiges profitables Wachstum zu investieren - in unsere Netzwerke, neue Flugzeuge und die Digitalisierung. Damit wir die weiter wachsenden Sendungsmengen auch in Zukunft optimal bedienen können, steigern wir nochmals unsere Investitionen.

Worauf dürfen sich die Aktionäre freuen?

Melanie Kreis: Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung am 6. Mai wie angekündigt eine Rekorddividende von 1,35 Euro je Aktie vorschlagen. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von knapp 50 Prozent. Zudem haben wir im März ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro angekündigt, das bis zum Frühjahr 2022 laufen wird. Angesichts der guten Cashflow-Entwicklung sind wir optimistisch, auch in diesem Jahr Überschussliquidität erzielen zu können. Fest steht: Unsere Aktionäre können sich auf unsere Finanzstrategie verlassen, die wir seit 2010 unverändert umsetzen.

Blicken wir in die Divisionen - wie war der Jahresstart für DHL Express?

Melanie Kreis: Express hat ein Rekordergebnis im ersten Quartal erzielt. Die Volumina in unserem Kernprodukt TDI, den zeitgenauen internationalen Sendungen, sind gegenüber dem Vorjahr weltweit um 26 Prozent gestiegen. Unsere neuen Boeing-777-Frachtflieger kamen zur richtigen Zeit, weitere folgen bald. Zudem haben wir unser Netzwerk mit starken Partnern weiter ausgebaut. So fliegt unter anderem der Ferienflieger Condor nun Fracht für Express, solange die Flaute im Personenverkehr pandemiebedingt anhält. Das starke Wachstum hat sich auch im EBIT niedergeschlagen, das mit 961 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahreswert liegt. Die EBIT-Marge von Express erreichte herausragende 17,5 Prozent.

Wie hat sich DHL Global Forwarding, Freight entwickelt?

Melanie Kreis: Die Situation auf den internationalen Transportmärkten bleibt herausfordernd. Die verfügbaren Kapazitäten in der Luft- und Seefracht sind eingeschränkt, auch aufgrund des Containermangels. Gleichzeitig sehen wir, dass die Erholung des Welthandels die Nachfrage und die Preise treibt. Mit unseren intermodalen Transportlösungen ermöglichen wir unseren Kunden flexible und weniger preisintensive Kombinationen aus Straßen-, Luft-, See- und Schienentransport. Erfreulicherweise konnten wir unsere Transportvolumina im ersten Quartal erheblich steigern. Das EBIT lag mit 216 Millionen Euro deutlich über Vorjahr.

Welche Entwicklungen sehen Sie bei DHL Supply Chain?

Melanie Kreis: In der Kontraktlogistik hat sich der positive Trend vom Jahresende auch im ersten Quartal fortgesetzt. Supply Chain ist zurück auf Wachstumskurs. Unsere Kundenaktivitäten sind weiter gestiegen, der Umsatz bewegte sich auf organischer Basis um 4,7 Prozent über Vorjahr. Gleichzeitig haben wir davon profitiert, dass wir Standardisierung vorangetrieben und Kostensenkungen im vergangenen Jahr zügig umgesetzt haben. Das EBIT konnten wir so im Vergleich zum Vorjahr deutlich auf 167 Millionen Euro steigern. Auch unser Neugeschäft hat sich mit einem Umsatz auf Jahresbasis von 313 Millionen Euro weiter gut entwickelt. Angetrieben wurde die Entwicklung von Vertragsabschlüssen im Bereich Life Sciences & Healthcare.

Wie sieht es bei DHL eCommerce Solutions aus?

Melanie Kreis: Sehr erfreulich, da die Sendungsmengen in allen Regionen deutlich gestiegen sind. Das EBIT haben wir von 6 Millionen Euro im Vorjahr auf 117 Millionen Euro verbessert. Zwei Jahre nach Start der Division lässt sich sagen: Es war die richtige Entscheidung, vor vielen Jahren unser Paketgeschäft auf internationale Märkte auszuweiten, diese Aktivitäten dann in einer Division zu fokussieren und auf einen profitablen Kurs zu bringen. Wir sind jetzt in der Lage, unsere Infrastruktur effizient auszulasten und Skaleneffekte zu erzielen. Mittelfristig hatten wir eine EBIT-Marge von 5 Prozent anvisiert - diese haben wir mit 8,0 Prozent im ersten Quartal deutlich übertroffen.

Was tut sich im deutschen Post- und Paketgeschäft? Wie bewerten Sie die Ergebnisse im ersten Quartal? 

Melanie Kreis: Im deutschen Paketgeschäft erleben wir eine anhaltend starke Dynamik - sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. Der stationäre Handel ist weiterhin eingeschränkt. Neben den großen Versendern sind auch viele lokale Geschäfte in den Onlinehandel eingestiegen. Zugleich sehen wir, dass die Bereitschaft zum Onlineshopping bei den Kunden weiter zunimmt - Menschen aller Altersklassen erledigen ihre Einkäufe vermehrt online. Anfängliche Berührungsängste älterer Menschen haben sich durch positive Erfahrungen im Umgang mit neuen Technologien während der Pandemie abgebaut. In der Folge haben wir im ersten Quartal 489 Millionen Pakete (+41,3 Prozent) ausgeliefert - so viele wie im vierten Quartal 2020. Demgegenüber sind die Volumina im Briefbereich mit  -9,5 Prozent weiterhin stärker rückläufig als im historischen Durchschnitt. In der Summe lag der Umsatz bei P&P im ersten Quartal jedoch 15 Prozent über Vorjahr, das EBIT sogar 67 Prozent über Vorjahr.

Nach dem starken Jahresauftakt haben Sie die Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben. Was war ausschlaggebend für den nochmals verbesserten Ausblick?

Melanie Kreis: Der Boom im E-Commerce, den wir im letzten Jahr gesehen haben, hat sich im ersten Quartal fortgesetzt. Gleichzeitig erholte sich der Welthandel rasch und die wirtschaftliche Erholung sieht zunehmend robuster aus. Unsere Netzwerke haben wir erfolgreich auf die global steigende Nachfrage angepasst. Die deutlich höheren Sendungsmengen und weitere Fortschritte im Kostenmanagement erlauben uns eine effizientere Auslastung. Aus diesen Gründen haben wir unsere Ergebnisprognose auf mehr als 6,7 Milliarden Euro angehoben.

Was bedeutet das für die Mittelfristziele des Konzerns?

Melanie Kreis: Die Pandemie hat die Entwicklung im E-Commerce um ein paar Jahre beschleunigt. Die Märkte verändern sich strukturell. Viele Trends, insbesondere die größere Anzahl von Unternehmen mit Onlineshops und das veränderte Kaufverhalten, werden anhalten. Wir erwarten, auch nach Corona weiter dynamisch und profitabel wachsen zu können und haben unsere Mittelfristziele anpasst. Für 2023 prognostizieren wir nun ein EBIT von mehr als 7,0 Milliarden Euro. Der kumulierte Free Cashflow im Zeitraum 2021 bis 2023 soll nun rund 9,0 Milliarden Euro betragen. Und auch unsere strategischen Investitionen fahren wir weiter hoch: Wir planen nun rund 11,0 Milliarden Euro von 2021 bis 2023 in unsere Netzwerke zu investieren. Damit werden wir auch die weiter wachsenden Sendungsmengen optimal bedienen können.