"Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr 2019"

Der weltweit führende Logistikkonzern Deutsche Post DHL Group blickt auf ein Rekordjahr zurück. Der Konzernumsatz ist in allen Divisionen weiter gestiegen. Mit einem operativen Ergebnis (EBIT) von 4,1 Milliarden Euro hat das Unternehmen nicht nur sein angestrebtes Ergebnisziel erreicht, sondern auch einen neuen Höchstwert erzielt. Für das laufende Geschäftsjahr plant Deutsche Post DHL Group mit einer weiteren deutlichen Ergebnissteigerung. Aufgrund der Unsicherheiten aus der Corona-Virus-Pandemie hat der Konzern seine Jahresprognose jedoch unter Vorbehalt gestellt. Im Interview mit DPDHL Group News erläutert Konzernchef Frank Appel die gute Entwicklung in 2019 und den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr.

Vorstandsvorsitzender Frank Appel

Herr Appel, am 28. Februar haben Sie Ihre Jahresziele wegen des Corona-Virus unter Vorbehalt gestellt. Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung?

Frank Appel: Wir beobachten die aktuelle Entwicklung sehr genau. Das Virus breitet sich weiter aus und es verunsichert die Menschen. Regionen wurden abgeriegelt, Fabriken geschlossen. Mit unserer breiten geographischen Aufstellung und unserem umfangreichen Portfolio sind wir zwar resilienter und robuster als andere Unternehmen, aber eine weltweite Krise wie das Corona-Virus geht auch an uns nicht spurlos vorbei. Im Februar haben wir das in unseren Zahlen gesehen. Sollte sich die Lage zügig wieder normalisieren, könnten wir den Rückstand im Jahresverlauf noch aufholen. Unsere Kunden werden dann umso mehr auf unsere Dienstleistungen als Markt- und Qualitätsführer zurückgreifen: Als führendes Logistikunternehmen der Welt sind unsere Mitarbeiter an den Umgang mit Krisen, wie Störungen der Lieferketten, gewöhnt. Deshalb könnten sich für uns durchaus positive Effekte ergeben. Und: Unsere elementaren Wachstumstreiber sind intakt - allen voran der weltweite Boom des Onlinehandels. 

In welchen Bereichen macht sich das Corona-Virus besonders bemerkbar?

Frank Appel: Zunächst einmal bringt das Virus Gesundheitsrisiken für unsere rund 550.000 Beschäftigten weltweit, ebenso für unsere Kunden und Geschäftspartner. Ihre Sicherheit steht für uns an erster Stelle. Wir orientieren uns deshalb an den Vorgaben von internationalen Organisationen wie der WHO. Als weltweit tätiger Konzern berücksichtigen wir bei unserer Risikoplanung selbstverständlich kontinuierlich auch Epidemie- und Pandemie-Szenarien. Darüber hinaus tun wir alles, um den Geschäftsbetrieb bestmöglich aufrecht zu erhalten und die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Nichtsdestotrotz spüren wir eine Abschwächung des Güter- und Warenverkehrs nicht nur von und nach China, sondern auch in anderen Ländern Asiens. Diese Einschränkungen im grenzüberschreitenden Handel beeinträchtigen insbesondere DHL Global Forwarding und Express. Die anderen Divisionen sind aktuell nur marginal betroffen.

Schauen wir auf die Jahreszahlen 2019, die Sie heute veröffentlicht haben. Wie ist das zurückliegende Geschäftsjahr für Deutsche Post DHL Group aus Ihrer Sicht gelaufen?

Frank Appel: Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr 2019. Bei all unseren strategischen Kernzielen - nämlich Anbieter, Investment und Arbeitgeber erster Wahl zu sein - sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Wir haben erfolgreich an unserer Servicequalität gearbeitet und die Kundenzufriedenheit deutlich gesteigert. Auch die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter ist in allen erhobenen Dimensionen weiter gestiegen. Darüber hinaus haben wir mit der Verbesserung unserer CO2-Effizienz um 35 Prozent gegenüber 2007 ein wichtiges Nachhaltigkeitsziel für 2019 erreicht. Und - last but not least - wir haben unsere wirtschaftlichen Ziele erreicht und ein neues Rekordergebnis eingefahren.

Das Konzern-EBIT ist um mehr als 30 Prozent gestiegen…

Frank Appel: Die starke Ergebnisentwicklung hat verschiedene Ursachen. Zum einen sind wir in all unseren Divisionen weiter gewachsen. Das war angesichts der geopolitischen Lage und schwächeren weltwirtschaftlichen Entwicklung alles andere als selbstverständlich. Ich erinnere nur an den Handelsstreit zwischen den USA und China oder die sich über Monate hinziehenden Brexit-Verhandlungen. Darüber hinaus haben aber auch Einmaleffekte das Ergebnis beeinflusst: So war der Vergleichswert im Jahr 2018 durch die Restrukturierung im deutschen Post- und Paketgeschäft belastet. 2019 hatten wir zudem einen positiven Ergebnisbeitrag aus der Supply-Chain-Partnerschaft mit S.F. Holding in China. Aber auch ohne diese Einmaleffekte konnten wir unser Konzern-Ergebnis deutlich um 7,6 Prozent verbessern. Das zeigt: Die eingeleiteten Maßnahmen greifen und wir kommen mit der Steigerung unserer operativen Ertragskraft gut voran.

Das deutsche Post- und Paketgeschäft haben Sie im vergangenen Jahr umfangreich restrukturiert. Wie zufrieden sind Sie jetzt mit der Entwicklung?

Frank Appel: 2019 war ein gutes Jahr für Post & Paket Deutschland, das wir mit einem starken Weihnachtsgeschäft abgeschlossen haben. Mit rund 1,6 Milliarden ausgelieferten Paketen haben wir im Gesamtjahr einen neuen Rekord in Deutschland aufgestellt. Dank unserer Investitionen in die Infrastruktur und in die Steigerung der Produktivität waren wir auch sehr viel besser als in den Vorjahren in der Lage, die rasant steigenden Sendungsmengen vor Weihnachten zu verarbeiten. Zugleich ist es uns gelungen, die durchschnittlichen Erlöse pro Paket zu steigern. Und unsere Maßnahmen zur Kostensenkung in den indirekten Funktionen greifen. In der Summe haben diese drei Faktoren zu einem deutlich höheren Ergebnis geführt.

Auch bei DHL Express ist das Ergebnis gestiegen. Wie ist das Jahr 2019 für diese Division gelaufen?

Frank Appel: Wir sind mit der Entwicklung von Express weiterhin sehr zufrieden. Trotz teilweise herausfordernder geopolitischer Entwicklungen sind wir auf Jahressicht über alle Weltregionen hinweg robust gewachsen. Hier hilft uns unser global sehr ausgewogenes und breites Portfolio. Insbesondere das Geschäft mit zeitgenauen internationalen Sendungen hat sich einmal mehr sehr dynamisch entwickelt: Im Durchschnitt haben wir mehr als eine Million zeitkritische Sendungen pro Tag transportiert. Damit hat Express erneut eine operative Top-Marge von fast 12 Prozent eingefahren. 

Für das Frachtgeschäft war der Markt 2019 nicht einfach. Wie hat sich Global Forwarding, Freight in diesem Umfeld behauptet?

Frank Appel: Global Forwarding, Freight konnte 2019 gut an die positive Ergebnisentwicklung der Vorjahre anknüpfen. Mit einem EBIT-Plus von 18 Prozent hat die Division eine beachtliche Performance gezeigt - und das, obwohl der globale Markt für Luftfracht in der zweiten Jahreshälfte wegen der schwächeren Weltwirtschaft in der Tat deutlich nachgegeben hat. In diesem schwierigen Umfeld konnten wir unsere Marktanteile verteidigen. Zugleich haben wir deutlich kosteneffizienter gearbeitet - unter anderem durch den weiteren Roll-out unserer neuen IT-Systeme. Damit schaffen wir Schritt für Schritt die Voraussetzungen, um die Profitabilität des Frachtgeschäfts, wie geplant, mittelfristig auf Wettbewerbsniveau zu heben.

Bei Supply Chain sticht ein außergewöhnlich hohes operatives Ergebnis ins Auge. Wie stark wurde das durch den angesprochenen S.F.-Deal beeinflusst?

Frank Appel: Die Zahlen für Supply Chain sind in der Tat durch Einmaleffekte verzerrt. Zum einen hatten wir im ersten Quartal den außerordentlichen Ertrag aus der Partnerschaft mit S.F. Holding in China. Einen Teil der Erlöse haben wir jedoch direkt in die geplante Restrukturierung, insbesondere  unserer britischen Supply-Chain-Aktivitäten, investiert. Durch eine stärkere Standardisierung erwarten wir uns hier für die Zukunft deutliche Effizienzgewinne und eine nachhaltige Steigerung der Ertragskraft. Lässt man alle Sondereffekte außen vor, so hat sich Supply Chain im abgelaufenen Jahr mit einem EBIT-Plus von rund 8 Prozent positiv entwickelt. Zugleich hat die Division zusätzliche Verträge mit Neu- und Bestandskunden in Höhe von 1,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Damit haben wir eine sehr solide Basis für eine positive Ergebnisentwicklung in der Zukunft - auch ohne Sondereffekte.

Wie hat sich die jüngste Division DHL eCommerce Solutions im ersten Jahr ihres Bestehens geschlagen?

Frank Appel: eCommerce Solutions hat sich positiv entwickelt - mit einem sehr dynamischen Umsatzwachstum und einer starken operativen Entwicklung im vergangenen Jahr. Die Phase der Bestandsaufnahme und Portfoliobereinigung haben wir erfolgreich abgeschlossen. Das Ergebnis wurde wie geplant durch einmalige Restrukturierungsaufwendungen belastet. Um diese bereinigt arbeitet die Sparte schon jetzt operativ profitabel. Wir gehen deshalb davon aus, dass eCommerce Solutions bereits im laufenden Geschäftsjahr einen positiven Beitrag in Höhe von 50 bis 100 Millionen Euro zum Konzern-EBIT leisten wird.

Ihr StreetScooter hat  zwar in Ihrem Betrieb einen großen Mehrwert geleistet, finanziell jedoch nicht. Warum haben Sie sich entschieden, die Sondierungen für eine Partnerschaft nicht weiterzuverfolgen?

Frank Appel: Dank StreetScooter haben wir eine der größten elektrisch betriebenen Lieferflotten der Welt und bedeutende Impulse in Sachen E-Mobilität gesetzt. Wir haben aber immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen. Eine weitere Skalierung ohne den richtigen Partner entspricht nicht unserer langfristigen strategischen Zielsetzung. Wir werden StreetScooter deshalb in einen Bestandsflottenbetreiber umwandeln. In unserer Flotte setzen wir aber weiter auf E-Mobilität. Wir stehen zu unserer Mission einer Null-Emissionen-Logistik bis 2050.

Auf dem Weg zur klimaneutralen Logistik haben Sie sich ambitionierte Zwischenziele vorgenommen. Und auch darüber hinaus spielt Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle in Ihrer Strategie. Inwiefern sind Sie hier weiter gekommen?

Frank Appel: Bis 2025 wollen wir unsere CO2-Effizienz im Vergleich zum Basisjahr 2007 um 50 Prozent steigern. Im vergangenen Jahr sind wir bei 35 Prozent angelangt - und damit auf einem guten Weg. Konzernweit haben wir inzwischen mehr als 13.000 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Einsatz. 83 Prozent unseres Strombedarfs decken wir aus regenerativen Quellen. Außerdem haben wir gemeinsam mit Partnern seit 2017 drei Millionen Bäume gepflanzt. Denn erfolgreich zu sein, bedeutet für uns auch, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Das haben wir 2019 auch bei zwei Einsätzen unseres Disaster Response Teams getan nach den schweren Überschwemmungen in Mosambik und den Verwüstungen durch Hurrikan Dorian auf den Bahamas. Die Wirtschaft soll den Menschen dienen - das ist und bleibt ein elementarer Bestandteil unserer Strategie. Auch deshalb werden wir mit unseren Anstrengungen in dieser Hinsicht nicht nachlassen.

Ein wichtiger Bestandteil Ihrer Strategie 2025 ist die Digitalisierung. Was tut sich im Konzern im Hinblick darauf?

Frank Appel: Wir arbeiten intensiv an den verschiedenen Digitalisierungsprogrammen in unseren Divisionen. So haben wir erst vergangene Woche unsere Roadmap für den Bereich Post & Paket Deutschland kommuniziert: Mit neuen digitalen Services für den Versand, den Empfang und die Nachverfolgbarkeit von Brief- und Paketsendungen machen wir unsere Leistungen einfacher nutzbar, Sendungsinformationen unmittelbar zugänglich und unsere Qualität damit deutlich transparenter. Das gesamte Digitalisierungsprogramm ist damit Teil der Qualitätsinitiative der Division.