"Wir sind auf Kurs unsere Ergebnisziele für 2019 und 2020 zu erreichen"

Deutsche Post DHL Group ist mit einem guten Auftaktquartal ins Geschäftsjahr 2019 gestartet. Der Konzernumsatz stieg um 4,1 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich aufgrund von Sonderfaktoren um mehr als ein Viertel auf 1,2 Milliarden Euro. Im Interview mit DPDHL Group News erläutert Finanzvorstand Melanie Kreis, welche Fortschritte der Konzern bei der Neuausrichtung des Post- & Paketgeschäfts macht und warum sie Deutsche Post DHL Group auf einem guten Weg sieht, die ambitionierten Ziele der "Strategie 2020" zu erreichen.

Finanzvorstand Melanie Kreis

Frau Kreis, wie ist das erste Quartal 2019 für Deutsche Post DHL Group gelaufen?

Melanie Kreis: Unser Jahresstart verlief nach Plan. Alle Divisionen sind umsatzseitig weiter gewachsen und wir haben uns operativ in vielen Bereichen weiter verbessert. Die fundamentalen Wachstumstreiber unserer Geschäfte sind unverändert intakt. Der Boom im Online-Handel hält an und auch der Welthandel wächst weiter - allerdings mit reduziertem Tempo, wie wir es für 2019 erwartet hatten. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Hausaufgaben machen. Hier sehen wir, dass die eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität insbesondere im deutschen Post- und Paketgeschäft greifen. In der Summe ist der Konzern damit auf Kurs, seine Ergebnisziele 2019 und 2020 zu erreichen.

Sie haben die Herausforderungen im deutschen Kerngeschäft angesprochen. Wie kommen Sie mit der Neuausrichtung des Bereichs voran?

Melanie Kreis: Sehr gut. Ein Jahr, nachdem wir dort eine Kursänderung eingeleitet haben, können wir heute sagen: Die initiierten Maßnahmen greifen. Zum Jahreswechsel haben wir die bisherige Division Post - eCommerce - Parcel in zwei eigenständige Unternehmensbereiche aufgeteilt. Das deutsche Kerngeschäft firmiert jetzt unter Post & Paket Deutschland, kurz P&P. Die internationalen Paket- und E-Commerce-Aktivitäten haben wir in der neuen Division DHL eCommerce Solutions zusammengefasst. In beiden Bereichen haben wir im ersten Quartal gute Fortschritte gemacht.

Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf P&P werfen.

Melanie Kreis: Das Paketgeschäft in Deutschland ist in den ersten drei Monaten weiter sehr dynamisch gewachsen - obwohl das Osterfest in diesem Jahr anders als im Vorjahr in das zweite Quartal fällt. Die Volumina haben um 7,7 Prozent zugelegt, die Erlöse sogar um 9,5 Prozent. Das zeigt, dass die eingeleiteten Preismaßnahmen im Paketbereich wirken. Auf der anderen Seite sehen wir - wie schon seit Jahren - strukturell bedingt rückläufige Sendungsmengen in den Bereichen Brief und Dialogmarketing. Das hat das Umsatzwachstum bei P&P wie erwartet gedämpft.

Wirken sich die Preismaßnahmen im Paketbereich auch positiv auf den operativen Gewinn der Sparte aus?

Melanie Kreis: Der Rückenwind aus dem Paketgeschäft hilft, das operative Ergebnis des Bereichs zu stabilisieren. Dennoch liegt das EBIT von P&P im ersten Quartal deutlich unter dem Vorjahr. Das ist neben positiven Einmaleffekten in Höhe von 108 Millionen Euro im Vorjahr eine Folge der verschobenen Portoerhöhung - der Umsatz fehlt, während die Kosten, insbesondere die Personalkosten, weiter gestiegen sind. Zugleich haben wir im Zuge der Neuausrichtung beschlossen, jährlich rund 150 Millionen Euro zusätzlich in die Produktivität des Kerngeschäfts zu investieren. Diese Aufwendungen sind anteilig im ersten Quartal verbucht, was die Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr einschränkt. Wir gehen aber davon aus, dass wir - unterstützt durch die Preismaßnahmen im Brief-Geschäft - bei P&P im zweiten Halbjahr einen großen Schritt nach vorne machen. Die finale Entscheidung zum Erhöhungsspielraum erwarten wir Ende Mai.

Die Optimierung bei P&P geht weit über die Portofrage hinaus...

Melanie Kreis: Absolut. Wir schauen uns die Geschäfte ganzheitlich an und fragen uns: Was macht den profitablen Kern aus und wie können wir diesen gezielt stärken? Bei P&P ist dieser Kern das Befördern, Sortieren und Zustellen von Briefen und Paketen. Deshalb investieren wir gezielt in diese Bereiche. Im Brief-Bereich etwa schaffen wir 160 neue sogenannte "Gangfolgesortiermaschinen" an. Diese sortieren Sendungen automatisch so, dass der Zusteller möglichst kurze Wege hat. Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie das Team um den neuen P&P-CEO Tobias Meyer den Bereich fit für die Zukunft macht.

Jüngster Spross in der Familie der DHL-Divisionen ist der Bereich eCommerce Solutions. Wie sind hier die ersten drei Monate verlaufen?

Melanie Kreis: Bei DHL eCommerce Solutions haben wir die besonders wachstumsstarken internationalen Paketgeschäfte und die E-Commerce-Aktivitäten der früheren PeP-Division zusammengefasst. Die neue Division verzeichnete im vergangenen Jahr rund vier Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt weltweit mehr als 36.000 Mitarbeiter. Die Aufgabe besteht nun darin, aus einer Vielzahl dynamischer und vielversprechender Geschäftsansätze eine schlagkräftige und profitabel wachsende Einheit zu schmieden. Dazu gehört eine kritische Bestandsaufnahme und, wo nötig, auch eine Restrukturierung. Umsatzseitig war eCommerce Solutions im ersten Quartal unsere wachstumsstärkste Division.

Schauen wir auf die etablierten DHL-Divisionen und beginnen mit Express. Wie sind die Geschäfte hier verlaufen?

Melanie Kreis: DHL Express ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte. Seit vielen Jahren ist die Division ein Garant für stabile Ergebnisbeiträge, hohe Margen und gesunde Cashflows. Daran hat sich auch im ersten Quartal nichts geändert, wenngleich die Zahlen auf den ersten Blick nicht ganz so stark aussehen. Unter anderem wegen negativer Währungseffekte ist das operative Ergebnis leicht unter dem Vorjahr geblieben. Darin spiegelt sich aber auch das etwas langsamere Wirtschaftswachstum und die bereits im letzten Jahr getroffene Entscheidung wider, das Geschäft mit besonders schweren und sperrigen Sendungen herunterzufahren und künftig verstärkt mit kleineren, leichteren und damit margenstärkeren Sendungen zu wachsen. Damit kann Express seine einzigartige globale Infrastruktur noch effizienter auslasten und seine Marge mittelfristig noch weiter steigern. Aber auch die 11,4 Prozent im ersten Quartal können sich wirklich sehen lassen.

An einer stetigen Verbesserung der Margen arbeitet auch Global Forwarding, Freight. Wie ist dieser Bereich ins neue Jahr gestartet?

Melanie Kreis: Das Frachtgeschäft hatte einen sehr erfreulichen Jahresauftakt. In einem schwächeren Frachtmarktumfeld ist es der Division gelungen, den Umsatz zu steigern. Noch wichtiger ist aber: Dank unseres selektiven Ansatzes haben wir uns bei der Profitabilität deutlich verbessert. Das operative Ergebnis der Sparte ist um mehr als 40 Prozent auf 100 Millionen Euro gestiegen. Wir sind auf einem guten Weg, mittelfristig zur Ertragsstärke führender Wettbewerber aufzuschließen.

Ein außergewöhnlich gutes erstes Quartal hatte DHL Supply Chain, was aber auch an besonderen Umständen lag. Können Sie das bitte genauer erklären?

Melanie Kreis: Ende 2018 haben wir mit S.F. Holding ein weitreichendes Abkommen für unser Supply-Chain-Geschäft in China geschlossen. Im Zuge dieser strategischen Partnerschaft konnten wir im ersten Quartal einen positiven EBIT-Effekt von 426 Millionen Euro verbuchen. Einen Teil davon nutzen wir, um die geplante Restrukturierung des Supply-Chain-Geschäfts insbesondere in Großbritannien zu finanzieren. Dies ist die letzte Region, in der wir im Rahmen der Strategie 2020 durch eine stärkere Standardisierung große Effizienzgewinne realisieren werden. Netto bleibt ein positiver Ergebnisbeitrag von 368 Millionen Euro. Aber auch ohne diesen Einmaleffekt hatte Supply Chain mit einem zweistelligen EBIT-Wachstum ein gutes erstes Quartal.

Was bedeutet all das für Ihre Jahresprognose? Die haben Sie aufgrund verschiedener Unsicherheitsfaktoren ja bewusst weit gefasst...

Melanie Kreis: ...und wir halten an ihr unverändert fest. Wir erwarten für das laufende Jahr einen Anstieg des Konzern-EBIT auf 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro. Das zweite Halbjahr sollte dabei eine deutlich verbesserte Ergebnisdynamik sehen. Neben der Portoerhöhung erwarten wir positive Effekte aus dem Vorruhestandsprogramm für Beamte in indirekten Funktionen und aus den verstärkten Investitionen in die Produktivität. Diese Effekte werden sich dann im kommenden Jahr noch einmal verstärken, so dass wir den Konzern auf einem guten Weg sehen, im Jahr 2020 wie geplant mehr als 5 Milliarden Euro EBIT zu erwirtschaften.

Interview mit Finanzvorstand Melanie Kreis