"Wir wachsen auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten"

Nach einem guten ersten Halbjahr hat der weltweit führende Post- und Logistikkonzern Deutsche Post DHL Group im dritten Quartal 2019 seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent; das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich deutlich auf 942 Millionen Euro. Im Interview mit DPDHL Group News erläutert Finanzchefin Melanie Kreis, warum der Konzern auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wächst und wie sich Deutsche Post DHL Group unter der "Strategie 2025" künftig noch stärker auf nachhaltiges Wachstum in seinen profitablen Kerngeschäften ausrichtet.

Finanzvorstand Melanie Kreis

Frau Kreis, wie ist das dritte Quartal für Deutsche Post DHL Group gelaufen?

Melanie Kreis: Wir hatten ein sehr gutes drittes Quartal. Die Geschäfte laufen nach Plan. Alle Divisionen haben ihren Umsatz gesteigert. Besonders dynamisch entwickelten sich das internationale Express- und das deutsche Paketgeschäft. Hier profitieren wir weiter vom anhaltenden Boom im E-Commerce. Was besonders erfreulich ist: Wir haben die Margen in allen Geschäftsbereichen im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Das zeigt: Die eingeleiteten strategischen Maßnahmen greifen. Auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten setzen wir unseren Wachstumskurs fort.

Sie haben das herausfordernde Umfeld angesprochen. Was bedeutet das für Deutsche Post DHL Group?

Melanie Kreis: Mit der Unklarheit zum Brexit sowie den nach wie vor ungelösten Handelskonflikten hält die globale Unsicherheit an. Das belastet die Weltwirtschaft und führt zu einem verlangsamten Wachstum des Welthandels. Auch wir können uns davon nicht vollständig abkoppeln. Aber: Wir profitieren von der Stärke unseres Konzerns als größter und globalster Logistiker der Welt. Unsere fünf Divisionen decken die komplette Bandbreite der Logistik ab. Wir operieren in mehr als 220 Ländern und Territorien. Das macht uns robuster und widerstandsfähiger als andere. Zugleich haben wir eine Vielzahl von internen Maßnahmen, wie zum Beispiel ein gezieltes Ertragsmanagement oder Effizienzsteigerungen durch neue Technologien, um auch in einem schwächeren Umfeld zu wachsen. Deshalb haben wir unsere Ergebnisziele heute bestätigt.

Was stimmt Sie so zuversichtlich? 

Melanie Kreis: Das dritte Quartal hat erneut gezeigt, dass unsere strategischen Maßnahmen greifen. Nach neun Monaten haben wir bereits ein operatives Ergebnis von rund 2,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Für das vierte Quartal erwarten wir ein traditionell starkes Weihnachtsgeschäft. Hinzu kommt, dass wir im vierten Quartal 2018 Einmaleffekte für die Restrukturierung des deutschen Post- und Paketgeschäfts verbucht haben, die in diesem Jahr wegfallen. Dementsprechend zuversichtlich sind wir für 2019.

Und darüber hinaus?

Melanie Kreis: Mit der "Strategie 2025 - Delivering excellence in a digital world" haben wir uns auf den Weg gemacht, unseren profitablen Wachstumskurs in den nächsten Jahren fortzusetzen. Dazu werden wir unsere Logistik-Kerngeschäfte gezielt stärken und die digitale Transformation in allen Unternehmensbereichen beschleunigen. Wir sind überzeugt, dass wir so die Ertragskraft des Konzerns weiter verbessern und unsere Zukunftsperspektiven sichern. So erwarten wir im kommenden Jahr ein Konzern-EBIT von mehr als 5,0 Milliarden Euro. 2022 wollen wir mindestens 5,3 Milliarden Euro erreichen.

Stichwort Post & Paket Deutschland - wie kommen Sie hier voran?

Melanie Kreis: Die eingeleiteten Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität und zur Senkung der indirekten Kosten greifen. Auch auf der Preisseite sehen wir positive Effekte: Der durchschnittliche Erlös pro Paket steigt. Im Briefgeschäft hilft die zum 1. Juli wirksam gewordene Portoerhöhung die strukturell bedingt weiter rückläufigen Sendungsmengen zu kompensieren. Wie erwartet wird die positive Entwicklung im dritten Quartal auch in den Zahlen sichtbar: Nachdem das Vorjahresquartal noch durch Restrukturierungsaufwendungen stark belastet war, hat P&P nun mit 304 Millionen Euro wieder ein solides Ergebnis erreicht. Durch gezielte Investitionen ins Kerngeschäft, wie etwa neue Sortieranlagen in unseren Brief- und Paketzentren, wollen wir uns auch in Zukunft kontinuierlich weiter verbessern.

Auch bei DHL Express investieren Sie stark in die Logistik-Infrastruktur. Wie sind die Geschäfte dieser Division verlaufen?

Melanie Kreis: Express hatte erneut ein sehr gutes Quartal. Der Umsatz stieg um 8,7 Prozent, die Volumina pro Tag im margenstarken Kerngeschäft der zeitgenauen internationalen Sendungen um 5,9 Prozent. Dabei ist es der Division gelungen, diesen Anstieg in eine noch deutlichere Verbesserung des operativen Ergebnisses, um 11,0 Prozent, umzuwandeln. Zugleich investieren wir weiter kräftig in zukünftiges Wachstum, zum Beispiel durch die Erneuerung unserer Flugzeugflotte und den Ausbau unserer Drehkreuze. So haben wir kürzlich Investitionen in Höhe von 131 Millionen Euro in unser Gateway in Südkorea angekündigt.

Global Forwarding, Freight bekommt die Unsicherheiten weltweit besonders deutlich zu spüren. Dennoch ist auch hier die Marge gestiegen. Wie kommt das? 

Melanie Kreis: Das Frachtgeschäft hat sich in dem schwierigen Marktumfeld sehr gut behauptet. Bei einem leicht verbesserten Umsatz hat die Division das operative Ergebnis um 17,0 Prozent gesteigert. Die Marge ist auf 3,3 Prozent gestiegen. Dabei bleibt die Situation aufgrund des gesamtwirtschaftlichen Gegenwinds insbesondere im Bereich Luftfracht weiterhin angespannt: Die Volumina gehen zurück, die Frachtraten am Markt sinken. Auch hier helfen unsere internen Maßnahmen, das Geschäft auch in einem schwächeren Umfeld positiv zu entwickeln. 

Wie steht es um DHL Supply Chain?

Melanie Kreis: Supply Chain konnte im dritten Quartal nahtlos an den positiven Trend der Vorquartale anknüpfen. Obwohl wir unser Geschäft in China an S.F.Holding verkauft haben, ist der Umsatz der Division gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das ist vor allem Ausdruck des weiterhin starken Neugeschäfts. Auch ergebnisseitig sind wir mit der Entwicklung bei Supply Chain zufrieden. Hier zeigen sich die positiven Effekte des Optimierungs- und Standardisierungsprogramms der vergangenen Jahre. Mit 4,8 Prozent lag die operative Marge im dritten Quartal erneut am oberen Ende des Zielkorridors von 4,0 bis 5,0 Prozent, den wir für 2020 angepeilt haben.

Kommen wir zur jüngsten DHL-Division eCommerce Solutions...

Melanie Kreis: Auch diese Sparte hat sich im dritten Quartal sehr erfreulich entwickelt: Der Umsatz ist erneut gestiegen und mit einem EBIT von 6 Millionen Euro hat der Bereich im dritten Quartal erstmals einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis geleistet. Wegen des anhaltenden Booms im E-Commerce erwarten wir für die kommenden Quartale eine Fortsetzung des stabilen Wachstumstrends. 

Mit Blick auf die Konzernzahlen sticht eine Kenngröße besonders hervor: der deutlich verbesserte Cashflow. Woher kommt dieser ungewöhnlich starke Mittelzufluss?

Melanie Kreis: Der starke Free Cashflow im dritten Quartal ist ein Beleg für die gute operative Entwicklung des Konzerns. Im Zeitraum von Juli bis September haben wir rund eine halbe Milliarde Euro mehr eingenommen als ausgegeben, und das obwohl wir unsere Investitionstätigkeit gesteigert haben. Ein starker Cashflow ist Grundvoraussetzung, um in die Zukunft investieren und nachhaltig Dividenden ausschütten zu können. Deshalb fokussieren wir uns mit der "Strategie 2025" noch stärker auf diese Kennzahl und haben auch erstmals mittelfristige Cashflow-Ziele ausgegeben. Für den Zeitraum von 2020 bis 2022 soll der kumulierte Free Cashflow zwischen 4,5 und 5,5 Milliarden Euro betragen. Nicht nur aufgrund der erfreulichen Entwicklung im abgelaufenen Quartal sehen wir uns auch in dieser Hinsicht auf einem guten Weg.

Im Video-Interview: CFO Melanie Kreis