"Die Zahlen des zweiten Quartals liegen im Rahmen der Erwartungen"

Deutsche Post DHL Group hat im zweiten Quartal 2018 ihre Erlöse gesteigert: Alle vier Divisionen verzeichneten ein spürbares organisches Umsatzwachstum. Das im Vorjahr erreichte Rekordniveau beim operativen Ergebnis konnte der Konzern jedoch, wie erwartet, nicht halten. Im Interview mit DPDHL Group News spricht Finanzvorstand Melanie Kreis über die Herausforderungen im Geschäftsbereich Post - eCommerce - Parcel und erklärt, wie der Konzern dennoch seine Ergebnisziele bis 2020 erreichen will.

Finanzvorstand Melanie Kreis

Frau Kreis, wie ist das zweite Quartal für Deutsche Post DHL Group gelaufen?

Melanie Kreis: Die Zahlen liegen im Rahmen der Erwartungen. Wir haben die Umsätze auf organischer Basis in allen vier Divisionen gesteigert. Mit Blick auf die Ertragslage haben sich alle drei DHL Divisionen gut entwickelt. Im Unternehmensbereich Post - eCommerce - Parcel stehen wir jedoch weiterhin vor signifikanten Herausforderungen. Mit dem anhaltenden Paketwachstum in Deutschland sind unsere Kosten stark gestiegen. Gleichzeitig sinken unsere Volumina im Postbereich strukturell bedingt. Das schmälert den operativen Gewinn bei PeP. Der dortige Rückgang wirkt sich auf das Konzernergebnis im zweiten Quartal aus, das erwartungsgemäß unter Vorjahr geblieben ist. Mit den im Juni auf den Weg gebrachten Maßnahmen gehen wir die Herausforderungen bei PeP konsequent an, so dass wir hier mittelfristig wieder auf Kurs sein werden. Insgesamt ist unser Konzern mit seinen vier starken Divisionen auch weiterhin sehr gut für langfristig profitables Wachstum aufgestellt. Deshalb haben wir unsere Ergebnisprognose für 2020 auch ausdrücklich bestätigt.

Worin genau bestehen die Herausforderungen bei PeP?

Melanie Kreis: Die gute Nachricht ist: Wir haben es hier mit Herausforderungen zu tun, die wir aus eigener Kraft bewältigen können - und werden. Wir haben definitiv kein Marktproblem. Unsere Organisation ist in Teilen zu kompliziert aufgestellt, und die indirekten Kosten sind zu rasch gewachsen. Wir müssen uns wieder stärker auf das Kerngeschäft von PeP fokussieren. Es gilt klarer zu priorisieren und uns konsequent auf den Mehrwert für unsere Kunden auszurichten: Welche Aktivitäten schaffen wirklich Wert für den Kunden? Dafür werden wir unsere Standardprozesse effizienter gestalten und uns stetig verbessern. Außerdem haben wir in der Vergangenheit nicht ausreichend genug in die Modernisierung der betrieblichen Abläufe investiert.

Im Juni haben Sie, wie angesprochen, ein umfangreiches Maßnahmenpaket vorgestellt. Wie weit sind Sie mit der Umsetzung gekommen?

Melanie Kreis: In den vergangenen Jahren haben wir hart daran gearbeitet, unsere führende Marktposition im deutschen Paketgeschäft auszubauen. Nun treten wir in eine neue Phase ein, in der wir uns stärker auf die Verbesserung der Profitabilität und nicht primär auf die Steigerung unseres Marktanteils konzentrieren werden. Unser Programm für PeP setzt auf drei Schwerpunkte: erstens die Verbesserung der Produktivität, zweitens die Senkung der indirekten Kosten und drittens die Optimierung des Ertragsmanagements. Konkret bedeutet das: Wir investieren verstärkt in Automatisierung und Digitalisierung im Betrieb. Wir steigern die Produktivität auf der letzten Meile und optimieren die Auslastung unseres Netzwerks auf intelligente Art und Weise. Die entsprechenden Investitionen haben wir unmittelbar angestoßen und die ersten 10 der angekündigten 150 Millionen Euro jährlich bereits eingesetzt. Die indirekte Kostenbasis von PeP werden wir parallel dazu nachhaltig reduzieren. Kernelement ist ein Vorruhestandsprogramm für Beamte in indirekten Funktionen. Und nicht zuletzt konzentrieren wir uns noch stärker auf ein ausgewogenes Verhältnis von Wachstum und Ertrag. So wird die jährliche Erhöhung der Paketpreise für unsere Geschäftskunden vor dem Hintergrund gestiegener Transport- und Personalkosten in diesem Jahr stärker ausfallen als in den Vorjahren. Dabei liegt ein Fokus der Anpassungen auf sperrigen und schweren Sendungen, deren Bearbeitung für uns komplexer und aufwendiger ist - ein Faktor, der im Preis für diese Produkte momentan nicht ausreichend reflektiert ist. Die neuen Preise gelten ab 1.Januar 2019, bei einigen Kunden kommen sie schon ab September 2018 zur Anwendung. Auf der Grundlage dieses Maßnahmenpakets sind wir sehr zuversichtlich, dass wir PeP schon bald wieder auf einen nachhaltig profitablen Wachstumspfad zurückführen können. Einige Maßnahmen kosten aber zunächst einmal Geld. Die im Juni angekündigten Restrukturierungsaufwendungen, von denen wir erst einen kleinen Teil im zweiten Quartal verarbeiten konnten, werden das Ergebnis bei PeP im zweiten Halbjahr deutlich belasten.

Schauen wir auf die DHL-Divisionen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei Express?

Melanie Kreis: DHL Express hat erneut ein sehr erfolgreiches Quartal abgeliefert. Wir wachsen hier schnell und nachhaltig profitabel. Gleichzeitig werden wir immer effizienter, denn wir können unsere globale Infrastruktur immer besser auslasten. So hat Express die Volumina pro Tag bei unserem wichtigsten Produkt, den zeitgenauen internationalen Sendungen, um 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Unsere operative Marge hat sich auf den Rekordwert von 12,8 Prozent verbessert. Basis des anhaltenden Erfolgs sind unsere kontinuierlichen Investitionen in eine leistungsfähige Infrastruktur. Nach dem Ausbau unserer zentralen Hubs in Brüssel und Hongkong gehen wir nun die Erneuerung unserer Langstreckenflotte an. Wir haben kürzlich eine Vereinbarung zum Kauf von 14 neuen Frachtflugzeugen vom Typ Boeing 777 geschlossen. Damit machen wir unsere Flotte nicht nur kostengünstiger und effizienter, sondern kommen mit diesen ultramodernen und sparsamen Maschinen auch unserem Null-Emissionsziel für 2050 einen bedeutenden Schritt näher.

Wie lief das zweite Quartal für Global Forwarding, Freight?

Melanie Kreis: Die Entwicklung in unserer Frachtsparte geht definitiv in die richtige Richtung. Trotz unseres selektiven Ansatzes, bei dem wir bewusst auf margenschwaches Geschäft verzichten, konnten wir den Umsatz der Division gegenüber dem Vorjahr steigern. Dabei ist es uns deutlich besser als in den Vorquartalen gelungen, die gestiegenen Frachtraten im Markt an unsere Kunden weiterzugeben. Außerdem sehen wir gute Fortschritte bei der Umsetzung unserer Maßnahmen zur Verbesserung der Kosteneffizienz. Entsprechend deutlich, um 57 Prozent, stieg im zweiten Quartal das operative Ergebnis. Damit sind wir auf einem guten Weg, die Sparte zunächst zu alter Ertragsstärke zurückzuführen und dann noch erfolgreicher zu machen. Wir sind noch nicht am Ziel, aber der Turnaround ist geschafft und der Trend stimmt.

Bei DHL Supply Chain hatten Sie zu Jahresbeginn einige Herausforderungen zu meistern. Wie ist hier das zweite Quartal verlaufen?

Melanie Kreis: Supply Chain hatte ein solides zweites Quartal. Der Verkauf unserer britischen Tochter Williams Lea Tag, andere kleinere Portfolioeffekte und negative Währungseffekte haben zwar zu einem Umsatzrückgang geführt. Um diese Effekte bereinigt ist die Sparte aber um fast drei Prozent gewachsen. Noch wichtiger ist: Wir haben auch im zweiten Quartal attraktives Neugeschäft im Volumen von 283 Millionen Euro gewonnen und wir kommen mit unserem Optimierungsprogramm voran. So lag die operative Marge der Sparte im zweiten Quartal bei 4,0 Prozent - und damit bereits am unteren Rand der Spanne von 4 bis 5 Prozent, die wir uns bis 2020 zum Ziel gesetzt haben.

Mit dem zweiten Quartal ist das laufende Geschäftsjahr halb vorüber. Was haben Sie sich für die zweite Hälfte vorgenommen?

Melanie Kreis: Wir konzentrieren uns vor allem auf die Bewältigung der Herausforderungen bei PeP, werden aber auch die profitable Weiterentwicklung der DHL-Divisionen nicht vernachlässigen. Unsere im Juni angepassten Jahresziele für 2018 haben wir bestätigt. Unsere Ergebnisprognose für 2020 steht. Wir sind weiterhin fest davon überzeugt, dass wir unser Ziel erreichen werden, das Konzern-EBIT bis dahin auf mehr als fünf Milliarden Euro zu steigern, wovon der Bereich PeP rund 1,7 Milliarden Euro und DHL rund 3,7 Milliarden Euro beitragen sollen.

Interview mit Finanzvorstand Melanie Kreis