"Starkes Umsatzwachstum in allen Divisionen"

Nach dem Rekordjahr 2016 ist der Konzern Deutsche Post DHL Group mit Schwung ins neue Jahr gestartet. Das Unternehmen konnte seinen Umsatz von Januar bis März in allen vier Divisionen steigern. Auch das operative Ergebnis hat der Konzern verbessert. Im Interview mit DPDHL Group News zieht Finanzchefin Melanie Kreis auch eine positive Halbzeitbilanz zur "Strategie 2020" und erläutert, wie das Unternehmen in den kommenden Jahren weiter wachsen will.

Finanzvorstand Melanie Kreis

Frau Kreis, wie sind die jüngsten Geschäftszahlen aus Ihrer Perspektive zu bewerten?

Melanie Kreis: Wir hatten einen soliden Jahresauftakt. Deutsche Post DHL Group hat eine Milliarde Euro mehr Umsatz gemacht als vor einem Jahr. In anspruchsvollen Märkten ein Plus von 7,3 Prozent zu erzielen, das kann sich wirklich sehen lassen. Selbst wenn man Währungseffekte und Zukäufe herausrechnet, sind wir noch immer um 6 Prozent gewachsen. Besonders erfreulich ist, dass alle vier Divisionen dazu beigetragen haben. Zugleich konnten wir auch das operative Ergebnis weiter steigern. Mit 885 Millionen Euro war es das beste erste Quartal in unserer Geschichte. Inzwischen zählen wir sechs Quartale in Folge, in denen wir jeweils im Vergleich zu den entsprechenden Vorjahresquartalen operativ neue Bestwerte erzielt haben. Das zeigt: Die Maßnahmen, die wir in den vergangenen Jahren ergriffen haben, zahlen sich zunehmend aus. Die in unserer Strategie 2020 definierten Wachstumstreiber sind intakt.

Die "Strategie 2020" haben Sie 2014 verkündet. Das heißt, jetzt ist Halbzeit. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz als Finanzvorstand aus?

Melanie Kreis: Absolut positiv. Wir haben wesentliche Meilensteine bereits erreicht. Alle vier Divisionen wurden konsequent darauf ausgerichtet, Wachstumschancen zu erschließen. Als CFO würde ich gern ein paar Zahlen sprechen lassen: In den vergangenen drei Geschäftsjahren haben wir einen operativen Mittelzufluss von 9,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Wir haben 5,2 Milliarden Euro investiert und 3,0 Milliarden Euro Dividende ausgeschüttet. Zugleich ist die Zahl der Mitarbeiter auf über eine halbe Million Menschen gestiegen und wir haben mehr als 57 Milliarden Euro Löhne und Gehälter und damit verbundene Sozialabgaben gezahlt. Und bei der Erreichung unseres langfristigen Ergebnisziels sind wir auf einem sehr guten Weg. Wir sind zuversichtlich, wie angekündigt, unser operatives Ergebnis im Zeitraum von 2013 bis 2020 um durchschnittlich mehr als 8 Prozent jährlich zu steigern. In drei von vier Divisionen sind wir schon jetzt auf einem sehr guten Weg, und wo wir noch nicht so weit sind - in unserem Frachtgeschäft - holen wir auf.

Schauen wir uns die Geschäftsentwicklung in den einzelnen Bereichen etwas genauer an. Wie ist das erste Quartal 2017 für PeP gelaufen?

Melanie Kreis: PeP hatte ein solides erstes Quartal. Der Umsatz der Division ist um 6,4 Prozent gewachsen - getrieben vor allem von dem Geschäftsfeld eCommerce - Parcel. Sowohl im deutschen und europäischen Paketgeschäft als auch im internationalen eCommerce-Geschäft sehen wir ein anhaltend starkes Wachstum. Parcel Europe sticht mit einem Umsatzplus von 70 Prozent allerdings heraus, da wir nach dem erfolgreichen Abschluss der Übernahme jetzt das Geschäft von UK Mail erstmals konsolidiert haben. Nicht nur darin zeigt sich, dass wir mit dem Aufbau der "Vereinten Paketnationen von Europa" gut vorankommen. Außerdem hat die Division im ersten Quartal Spanien und Portugal in ihr europäisches Paketnetzwerk aufgenommen. Inzwischen sind wir in 22 Ländern inklusive Deutschlands aktiv - und damit der ideale Partner für Onlinehändler. Übrigens nicht nur in Europa: Erst kürzlich haben wir unsere Markteintritte in Chile und Malaysia angekündigt, mit denen wir uns weitere Wachstumschancen in Schwellenländern erschließen - so wie in unserer "Strategie 2020" vorgesehen. Gleichzeitig arbeiten wir in unserem deutschen Heimatmarkt kontinuierlich daran, unsere Servicequalität weiter zu verbessern und unsere führende Marktposition auszubauen. Mit DHL Paket Prio garantieren wir größeren Versendern seit kurzem eine Zustellung am nächsten Werktag. Das Angebot stößt auf reges Interesse.

Der Experte für internationale zeitkritische Sendungen ist DHL Express. Wie lief das erste Quartal in dieser Division?

Melanie Kreis: Die weltweite Zustellung von Sendungen mit einer garantierten Laufzeit erfordert ein exzellentes globales Netzwerk. Als Weltmarktführer für zeitkritische internationale Sendungen (TDI) ist Express auch im ersten Quartal 2017 kräftig gewachsen. Umsatz und operatives Ergebnis haben jeweils zweistellig zugelegt und das bei einer EBIT-Marge von 11,0 Prozent. Und wir ruhen uns nicht auf diesem Erfolg aus: Wir investieren weiter, um unsere führende globale Position auszubauen.

Auch Global Forwarding, Freight ist weltweit aktiv. Hier war das Marktumfeld in den vergangenen Quartalen sehr herausfordernd. Wie fällt Ihr Fazit für DGFF nach dem ersten Quartal aus?

Melanie Kreis: Das Umfeld ist nach wie vor nicht einfach, auch wenn wir ermutigende Entwicklungen sehen. Im Einklang mit der positiven Marktentwicklung hat Global Forwarding Umsatz und Volumina im ersten Quartal gesteigert. Das allgemeine Ratenniveau in der Frachtindustrie zieht wieder deutlich an und hat die historischen Tiefststände der vergangenen Quartale hinter sich gelassen. Das stimmt uns zuversichtlich, dass sich der Markt insgesamt allmählich erholt. Kurzfristig belastet diese Entwicklung jedoch die Ertragskraft der Sparte. Denn die gestiegenen Einkaufsraten am Markt konnten wir nicht im selben Umfang an unsere Kunden weitergeben. Wir erwarten jedoch, dass sich die Situation im Laufe des Jahres verbessert.

Und wie laufen die Geschäfte bei Supply Chain?

Melanie Kreis: Supply Chain konnte nahtlos an die positive Entwicklung der Vorquartale anknüpfen. Dank einer dynamischen Geschäftsentwicklung in allen Regionen ist der Umsatz der Division gestiegen. Bereinigt um Einmaleffekte aus dem Vorjahr kletterte auch das operative Ergebnis kräftig um 11,2 Prozent. Insbesondere im Automobilsektor konnte Supply Chain seine tiefgreifende Branchenerfahrung ausspielen und erfolgreiche Partnerschaften mit namhaften Herstellern ausweiten. So übernimmt Supply Chain etwa die Logistik für das Volkswagen-Werk Autoeuropa in Portugal ebenso wie für eine neue Fertigungsstätte von Jaguar Land Rover in Brasilien.

Nach dem guten Start im ersten Quartal: Wie sind Ihre Erwartungen für das Gesamtjahr?

Melanie Kreis: Wir rechnen damit, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr moderat wachsen wird. Zusammen mit den positiven Effekten unserer strategischen Maßnahmen und Initiativen sollte dies zu einem deutlichen EBIT-Anstieg führen. Wir sind bestens aufgestellt, das operative Ergebnis in diesem Jahr, wie angekündigt, auf einen Wert von rund 3,75 Milliarden Euro zu verbessern. 2017, davon sind wir fest überzeugt, wird wieder ein gutes Jahr für Deutsche Post DHL Group werden.

Interview mit Finanzvorstand Melanie Kreis