"Wir wachsen profitabel in allen Bereichen"

Der Konzern Deutsche Post DHL Group hat im dritten Quartal 2017 seine erfolgreiche Entwicklung fortgesetzt und ist damit nach neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres auf bestem Wege, seine Ziele zu erreichen. Im Interview mit DPDHL Group News erläutert Vorstandschef Frank Appel die Gründe für die weiterhin sehr erfreuliche Entwicklung des weltgrößten Post- und Logistikkonzerns sowie dessen unverändert gute Zukunftsperspektiven.

Vorstandsvorsitzender Frank Appel

Herr Appel, wie bewerten Sie die Ergebnisse von Deutsche Post DHL Group im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres?

Frank Appel: Wir sind mit dem Geschäftsverlauf der zurückliegenden Monate sehr zufrieden. Die neuerlich starke Entwicklung im dritten Quartal - einmal mehr mit einem Rekordergebnis - unterstreicht: Wir sind sehr gut aufgestellt, um von der Dynamik in unseren Märkten und der wieder verbesserten Lage der globalen Wirtschaft überdurchschnittlich zu profitieren. Wir wachsen in allen unseren Bereichen profitabel, auf organischer Basis sogar noch stärker als es im ausgewiesenen Umsatz zum Ausdruck kommt. Besonders erfreulich ist dabei, dass unser operatives Ergebnis weiterhin noch stärker zulegt als die Erlöse. Zudem gewinnen wir in vielen Bereichen Marktanteile und bauen unsere Führungsposition mit entschlossenen Investitionen und wegweisenden Innovationen weiter aus. Kurzum: Wir erwarten ein weiteres erfolgreiches Jahr.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Unternehmensbereiche werfen. Wie beurteilen Sie die jüngste Entwicklung Ihres Bereichs Post - eCommerce - Parcel, kurz PeP?

Frank Appel: Die Kollegen dort leisten exzellente Arbeit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ein organischer Umsatzanstieg von 4,4 Prozent und ein EBIT-Zuwachs um gut 5 Prozent zeigen, dass wir den langjährigen herausfordernden Strukturwandel in diesem Bereich gut managen und gleichzeitig die sich bietenden Marktchancen optimal nutzen. Im boomenden Paketgeschäft in Deutschland sind wir die unbestrittene Nummer eins, auch weil wir mit Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Entwicklung des Marktes maßgeblich vorantreiben. Dazu zählt auch der schnelle Ausbau unserer StreetScooter-Flotte, mit der wir den neuen Maßstab für die emissionsfreie Lieferung im städtischen Raum setzen. International rollen wir unsere Kernkompetenz im Paketgeschäft gezielt weiter aus: Parcel Europe hat seine Aktivitäten nun auf 26 Länder ausgedehnt - zuletzt kamen Bulgarien, Irland, Kroatien und Rumänien hinzu. Unsere Vision der "Vereinigten Paketstaaten von Europa" wird damit Schritt für Schritt Realität. Aber auch außerhalb Europas treiben wir unsere Expansion im eCommerce-bezogenen Geschäft weiter voran, zuletzt etwa mit dem Start eines Lieferservices in Vietnam.

Auch DHL Express schnitt erneut erfolgreich ab. Wie sehen Sie die Situation von Express und die Perspektiven dieses Geschäfts?

Frank Appel: Der Unternehmensbereich Express macht uns weiterhin viel Freude - und wir sehen keinerlei Anzeichen dafür, dass sich das in absehbarer Zeit ändern könnte. Im Quartalsvergleich ist der durchschnittliche Tagesumsatz mit zeitgenauen internationalen Sendungen zweistellig gestiegen, getrieben unter anderem vom starken Wachstum des grenzüberschreitenden E-Commerce-Geschäfts. Wir gewinnen ausweislich einer aktuellen Studie Marktanteile in allen Weltregionen hinzu, besonders stark haben wir unsere Position in Asien ausgebaut. Gleichzeitig können wir unsere einzigartige globale Express-Infrastruktur noch effizienter auslasten. In Verbindung mit einem strikten Ertragsmanagement bringt uns das immer höhere Margen. Diese sind mittlerweile, wie wir uns das vorgenommen hatten, stabil zweistellig - und wir sehen noch Luft nach oben.

Apropos Margenentwicklung: Für Ihre DHL-Division Supply Chain hatten Sie sich eine nachhaltige Verbesserung vorgenommen. Wie weit sind Sie dabei gekommen?

Frank Appel: Im dritten Quartal hat Supply Chain weitere erfreuliche Fortschritte gemacht. Der Umsatz ist währungsbereinigt deutlich gestiegen, ebenso hat das operative Ergebnis zugelegt. Das Resultat dieser Entwicklung ist eine Margenverbesserung auf 4,2 Prozent. Damit liegen wir innerhalb des mittelfristigen Zielkorridors von 4 bis 5 Prozent, den wir bis zum Jahr 2020 angepeilt haben. Das zeigt: Das Optimierungsprogramm bei Supply Chain war erfolgreich. Wir arbeiten wesentlich effizienter als früher - ohne den Blick auf Neugeschäft zu verlieren. Im Gegenteil: Die Kollegen haben auch in den vergangenen Monaten zahlreiche attraktive Verträge gewonnen, auch weil wir verstärkt innovative Services anbieten und zwar nicht nur im Bereich Automatisierung. Ein Beispiel ist unser Resilience 360-Tool, eine in der Branche bisher einzigartige Plattform, die das Risikomanagement entlang der gesamten Lieferkette ermöglicht. Besonders bei großen Kunden wie Cisco oder Evonik kommt dieses gut an.

Neues Geschäft gewinnen Sie auch bei Global Forwarding, Freight. Wie beurteilen Sie die Entwicklung im dritten Quartal?

Frank Appel: Das Marktumfeld in diesem Bereich ist nach wie vor herausfordernd - auch wenn wir zuletzt eine gewisse Erholung feststellen konnten. Daran partizipieren wir in Form eines soliden Volumenwachstums sowohl in der Luft- als auch in der Seefracht. Der Druck auf die Margen hält allerdings an, wenngleich wir nach einer Stabilisierung gegen Ende des Quartals Grund zu der Annahme haben, dass sich die Marktsituation wieder normalisiert. Vor dem Hintergrund all dessen haben wir uns in den zurückliegenden Monaten gut geschlagen. Die erreichte Trendwende bei unseren Ergebnissen hat sich, wie auch die Verbesserung im dritten Quartal zeigt, eindeutig verfestigt. Das betrachten wir als klaren Erfolg.

Ihr Vorstandskollege Tim Scharwath hat im Juni die Verantwortung für dieses Geschäft übernommen. Was hat sich seither getan und wie geht es weiter?

Frank Appel: Ich bin überzeugt, dass Tim Scharwath mit seinem Team genau die richtigen Schwerpunkte setzt. Wir haben ein solides Geschäftsmodell und mit unserem globalen Netzwerk und großartigen Mitarbeiterengagement die besten Voraussetzungen, um in dieser Industrie in jeder Hinsicht eine Führungsrolle zu spielen. Die Initiativen meines Vorstandskollegen setzten genau da an: Unser Fokus liegt klar auf der Erhöhung der Produktivität und der Effizienz. Nur so können wir in einer sich wandelnden Industrie nachhaltig attraktive Renditen erwirtschaften. Es geht vor allem darum, Volumenwachstum auch in Ergebniswachstum zu übersetzen. Da sind andere im Moment noch besser als wir. Das müssen - und werden - wir ändern. Unsere Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität greifen, auch wenn wir noch einen weiten Weg zu gehen haben. Die grundsätzliche Marschrichtung ist dabei klar: Vereinfachung! Das gilt für Strukturen und Prozesse, für die IT, für die Schnittstellen zum Kunden. Unsere Servicequalität - und damit die Basis für die Zufriedenheit unserer Kunden - entwickelt sich bereits positiv. Auch mit der IT-Erneuerung, zum Beispiel dem Rollout eines globalen Transportmanagement-Systems, kommen wir gut voran. Und Tim Scharwath und sein Team arbeiten mit Hochdruck daran, diese ersten kleinen Erfolge weiter auszubauen.

Seit Herr Scharwath die Verantwortung für DGFF übernommen hat, können Sie sich wieder voll auf die strategischen Themen konzentrieren. Was steht dabei im Vordergrund?

Frank Appel: Eindeutig die Digitalisierung. Sie bringt tiefgreifende Veränderungen mit sich, deren Tragweite heute in Teilen noch gar nicht vollständig abzusehen ist. Dabei geht es zum einen um den grundlegenden Wandel der Arbeitswelt, der damit einhergehen wird. Gerade für uns als einen der größten Arbeitgeber der Welt ist das ein Thema, dem wir uns heute schon intensiv widmen. Es geht aber zum anderen natürlich auch um neue Produkte und Services, um neue Geschäftsmodelle sowie um neue Wettbewerber - und zwar über die gesamte Breite unseres Geschäfts hinweg. Wir stellen uns dieser Herausforderung und investieren in eine Fülle innovativer Ansätze. Ich denke etwa an unser Angebot der "On Demand Delivery" bei Express, an die neue Packset App, die den Paketversand noch einfacher macht, an unseren elektrisch fahrenden Zustell-Roboter "POSTBot", der unsere Postboten beim Austragen ihrer Sendungen unterstützt, an die Expansion unserer digitalen Frachtplattform Saloodo!, an den Einsatz mobiler Roboter in Lagerhäusern oder an die erweiterten Möglichkeiten von Augmented-Reality- und Internet-der-Dinge-Anwendungen, die wir bei Supply Chain einsetzen. Es ließen sich noch viele weitere Beispiele anführen. Sie alle zeigen: Wir haben den Anspruch, das Bild der Logistik auch im digitalen Zeitalter zu prägen.

Apropos Ziele. Bleibt es bei den bisherigen Vorgaben für das laufende Jahr und darüber hinaus?

Frank Appel: Wir machen in jeder Hinsicht kontinuierliche Fortschritte. Alle Divisionen haben klare strategische Prioritäten und verfolgen diese mit Entschlossenheit und Konsequenz. Nach der überzeugenden Performance im bisherigen Jahresverlauf und in der Erwartung eines wiederum sehr starken Weihnachtsgeschäfts bestätigen wir unsere Prognose für das Gesamtjahr 2017: Wir erwarten unverändert einen Anstieg des Konzern-EBIT auf rund 3,75 Milliarden Euro. Auch auf dem Weg zu unseren mittel- bis langfristigen Zielen sind wir gut unterwegs. Wir gehen nach wie vor davon aus, dass wir den operativen Gewinn im Zeitraum von 2013 bis 2020 um durchschnittlich mehr als 8 Prozent jährlich steigern können.