"2016 war für uns ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr und wir haben beste Voraussetzungen, weiter nachhaltig zu wachsen"

Dank einer starken Marktpositionierung in globalen Wachstumssegmenten - insbesondere im Bereich E-Commerce - und operativen Verbesserungen in allen Unternehmensbereichen hat der Konzern Deutsche Post DHL Group seine Ziele für das Geschäftsjahr 2016 erreicht und ein Rekordergebnis1 erzielt. Im Gespräch mit DPDHL Group News erläutert Vorstandschef Frank Appel, wie das Unternehmen in den kommenden Jahren weiter wachsen will und warum es wichtig ist, für offene Märkte einzutreten.

Vorstandsvorsitzender Frank Appel

Herr Appel, wie bewerten Sie die Geschäftsentwicklung von Deutsche Post DHL Group im abgelaufenen Jahr?

Frank Appel: 2016 war für uns ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr. Nie zuvor hat der Konzern in seiner jetzigen Struktur ein besseres Ergebnis erzielt. Das ist eine großartige Leistung unserer gesamten Mannschaft, auf die wir sehr stolz sein können! Was mich besonders freut: Alle Unternehmensbereiche haben zu dem guten Ergebnis beigetragen. Gleichzeitig haben wir unsere Marktposition durch die Bank weiter gestärkt. Wir haben abermals kräftig in Wachstum sowie die Verbesserung unserer Effizienz investiert und sind bei der Umsetzung unserer Strategie 2020 erneut einen großen Schritt vorangekommen. Wir sind nicht nur auf bestem Wege, weiterhin von der dynamischen Entwicklung im internationalen E-Commerce-Geschäft zu profitieren, sondern haben auch beste Voraussetzungen, weiter nachhaltig profitabel zu wachsen.

Wie ist das Geschäftsjahr 2016 für den Bereich Post - eCommerce - Parcel, kurz PeP, gelaufen?

Frank Appel: Ausgesprochen erfolgreich. Mit einem operativen Ergebnis von mehr als 1,4 Milliarden Euro hat PeP unsere Erwartungen sogar übertroffen. Im Briefgeschäft konnten wir die Umsätze weitgehend stabil halten. Hier hat die Portoerhöhung von Anfang 2016 dazu beigetragen, die strukturell rückläufigen Sendungsmengen auszugleichen. Für ein kräftiges Wachstum hat hingegen einmal mehr der Bereich eCommerce - Parcel gesorgt. Im deutschen Paketgeschäft konnten wir den Umsatz zweistellig steigern und unsere Marktführerschaft weiter ausbauen. Im Gesamtjahr 2016 haben wir mehr als 1,2 Milliarden Sendungen zugestellt - ein neuer Rekord. Wir erwarten, dass die positive Entwicklung in diesem und in den kommenden Jahren weiter anhalten wird. Deshalb investieren wir fortlaufend in den Ausbau unserer Kapazitäten. 2016 haben wir in Obertshausen das größte und modernste Paketzentrum Deutschlands erfolgreich ans Netz gebracht. Mitte des Jahres werden wir mit dem Bau eines weiteren Paketzentrums dieser Größe beginnen - auf dem früheren Opel-Gelände in Bochum.

Wie kommen Sie mit der Expansion des Paketgeschäfts im Ausland voran?

Frank Appel: Der Ausbau läuft zügig und planmäßig. Unsere Vision der "Vereinigten Paketnationen von Europa" ist inzwischen weitgehend Realität. Wir decken bereits 21 europäische Länder ab und wachsen in allen Märkten schnell. Durch die erfolgreiche Übernahme von UK Mail konnten wir etwa unsere Präsenz in Großbritannien, dem größten E-Commerce-Markt Europas, deutlich ausbauen. Entscheidend ist aber nicht die Anzahl der Länder, sondern dass wir überall die gleiche, verlässlich hohe Servicequalität bieten - ganz gleich ob das Paket nach Portugal geht oder ins Baltikum, nach Schleswig-Holstein oder nach Bayern. Gerade im grenzüberschreitenden E-Commerce sehen wir enormes Wachstumspotential. Übrigens nicht nur in Europa. Deshalb investieren wir beispielsweise auch in den USA, Indien, Australien, Mexiko und Thailand in den Ausbau unserer Infrastruktur.

Für zeitkritische grenzüberschreitende Lieferungen ist weiterhin DHL Express zuständig. Wie hat diese Division im vergangenen Jahr abgeschnitten?

Frank Appel: Express entwickelt sich weiterhin sehr dynamisch und war auch im abgelaufenen Geschäftsjahr unser wichtigster Ertragsbringer. Über unser globales Express-Netzwerk transportieren wir - im Unterschied zum Paketgeschäft bei PeP - vorrangig geschäftliche Sendungen, beispielsweise dringend benötigte Ersatzteile oder auch eilige Dokumente. Bei diesen sogenannten zeitgenauen internationalen Sendungen (TDI) sind wir weltweit führend. 2016 konnten wir in allen Weltregionen weiter wachsen. Dabei profitieren wir auch bei Express zunehmend vom E-Commerce - etwa bei besonders hochwertigen Waren. Dadurch konnten wir unser  Netzwerk noch besser auslasten. In Verbindung mit Effizienzmaßnahmen und Preisinitiativen ist es uns so gelungen, die Ertragskraft von Express im vergangenen Jahr noch einmal deutlich zu steigern. Erstmals kletterte die EBIT-Marge auf Jahressicht auf 11 Prozent. Mit hohen Investitionen in unsere Infrastruktur haben wir zugleich die Basis für weiteres profitables Wachstum gelegt. So haben wir 2016 zum Beispiel unsere Hubs in Leipzig und Singapur deutlich erweitert. Auch in den USA, einem der wichtigsten Wachstumsmärkte für Express, wollen wir unser Netzwerk mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe verstärken.

Wie bewerten Sie vor dem Hintergrund der aktuellen Marktbedingungen das Ergebnis der DHL-Division Global Forwarding, Freight?

Frank Appel: Unsere intensive Arbeit an Strukturen und Prozessen der Frachtsparte zahlt sich aus. Der positive Ergebnistrend der Division hat sich in einem nach wie vor herausfordernden Markt- und Wettbewerbsumfeld fortgesetzt. Insbesondere im Schlussquartal 2016 haben die Volumina erstmals wieder deutlich angezogen. Jedoch haben stark gestiegene Einkaufsraten unser Bruttoergebnis im vierten Quartal belastet. Langfristig halten wir an unseren Zielen fest, die Ertragskraft der Division wieder auf das Niveau früherer Jahre - und darüber hinaus - zu führen. Und auch mit der IT-Erneuerung der Division kommen wir gut voran. Nach erfolgreichen Pilotprojekten werden wir in diesem Jahr einige Systeme großflächig ausrollen, unter anderem ein elektronisches Dokumentenmanagement, das die in der Frachtbranche noch immer vorherrschende Papierarbeit erheblich reduziert. Außerdem gehen wir in diesem Jahr in die Pilotphase für ein einheitliches Transport Management System.

Und wie fällt Ihr Fazit für DHL Supply Chain aus?

Frank Appel: Auch Supply Chain hatte ein gutes Geschäftsjahr. Das eingeleitete Optimierungsprogramm greift eindeutig. Die EBIT-Marge konnten wir auf 4,1 Prozent steigern. Damit sind wir bereits im angestrebten Zielkorridor von 4 bis 5 Prozent - deutlich früher als erwartet. Als weltweiter Marktführer für Kontraktlogistik richten wir Supply Chain noch stärker auf profitable Sektoren und wachstumsstarke Regionen aus. Mit sichtbaren Erfolgen: Im vergangenen Jahr konnten wir Neugeschäft im Wert von 1,5 Milliarden Euro abschließen, insbesondere in den Bereichen "Consumer", "Retail" und "Life Science & Healthcare" und "Automotive". Etwa ein Viertel davon kommt aus Schwellenländern. Das ist ein klarer Beleg, dass wir auch bei Supply Chain mit der Umsetzung unserer "Strategie 2020" gut vorangekommen sind.

Ein rundum erfolgreiches Jahr für Deutsche Post DHL Group also. Wie spiegelt sich das in der Dividende wider?

Frank Appel: Wir wollen unsere Aktionäre nachhaltig angemessen am Unternehmenserfolg beteiligen. Dafür haben wir in unserer Finanzstrategie einen klaren Rahmen kommuniziert: 40 bis 60 Prozent des um Einmaleffekte bereinigten Konzernergebnis wollen wir an die Anteilseigner ausschütten. Im Einklang damit werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung deshalb vorschlagen, die Dividende um 24 Prozent auf 1,05 Euro je Aktie zu erhöhen. Auf dieser Basis läge die Ausschüttungsquote bei 48 Prozent und damit etwa in der Mitte der kommunizierten Spanne.

Welche Erwartungen haben Sie für das laufende Geschäftsjahr und darüber hinaus?

Frank Appel: Die Wirtschaftsinstitute rechnen damit, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft etwas beschleunigen wird. Es gibt auch erste Anzeichen dafür, dass es nach einer schwächeren Phase wieder zu einer leichten Belebung des Welthandels kommt. Insgesamt werden die Wachstumsraten aber unter dem langjährigen Durchschnitt bleiben. Doch auch mit nach wie vor geringem konjunkturellen Rückenwind werden wir unseren Wachstumskurs fortsetzen. Das operative Ergebnis wollen wir von 3,5 Milliarden Euro auf rund 3,75 Milliarden Euro steigern. Mit der "Strategie 2020" haben wir alle Geschäftsbereiche darauf ausgerichtet, konsequent Wachstumschancen zu erschließen, insbesondere durch die anhaltende Dynamik im E-Commerce. Deshalb sind wir auch überzeugt, dass wir unsere kommunizierten mittelfristigen Ziele erreichen werden, also einen Anstieg des operativen Ergebnisses im Zeitraum 2013 bis 2020 um durchschnittlich mehr als 8 Prozent jährlich. Der Erfolg des vergangenen Jahres macht uns dabei nicht selbstzufrieden, sondern spornt uns nur noch weiter an.

Ehrgeizige Ziele verfolgt Deutsche Post DHL Group auch beim Klimaschutz. Bis 2050 haben Sie nun die emissionsfreie Logistik angekündigt...

Frank Appel: Als global agierendes Logistikunternehmen wollen wir verantwortungsvoll mit den Ressourcen auf unserem Planeten umgehen. Deshalb haben wir uns schon im Jahr 2008 vorgenommen, die CO2-Effizienz im gesamten Konzern - einschließlich der von Dritten erbrachten Transportleistungen - bis 2020 um 30 Prozent zu verbessern. Dieses Ziel haben wir dank einer Vielzahl von Initiativen über den gesamten Konzern hinweg nun schon vier Jahre früher erreicht. Doch auch beim Klimaschutz werden wir uns keinesfalls auf dem Erreichten ausruhen. Im Gegenteil. Wir wollen komplett klimaneutral werden. Wir haben uns vorgenommen, bis 2050 alle logistikbezogenen Emissionen in der Summe auf null zu reduzieren.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf die Welt werfen. Wir sehen zunehmend protektionistische Tendenzen, etwa in den USA, und einen Trend zum Populismus in zahlreichen Ländern. Wie bewerten Sie die politische Großwetterlage und die Auswirkungen auf Ihr Unternehmen?

Frank Appel: Wir beobachten zwei gegenläufige Entwicklungen. Einerseits nehmen die Globalisierung und die weltweite Vernetzung immer weiter zu. Das belegt nicht zuletzt der von uns veröffentlichte Global Connectedness Index. Andererseits zeigen Entwicklungen wie der Brexit oder die sich abzeichnende Abkehr von multilateralen Freihandelsabkommen, dass es für international tätige Unternehmen künftig eher schwieriger werden könnte, grenzüberschreitende Geschäfte abzuwickeln. Wir beobachten das natürlich aufmerksam, sind allerdings nicht alarmiert. Als weltweit führender Logistiker sind wir in einer einzigartigen Position, auch mit solchen Herausforderungen umzugehen. Unsere Experten wissen genau, wie man mit Handelsbarrieren umgeht. Wir kennen die komplexen Zoll- und Einfuhrbestimmungen in nahezu jedem Land der Erde. Vor diesem Hintergrund glauben wir, dass wir unseren Kunden kurzfristig sehr gut helfen können, mit der zunehmenden Komplexität umzugehen. Langfristig dürfen wir jedoch auf keinen Fall die Errungenschaften der Globalisierung aufs Spiel setzen. Das wäre weder im Interesse unserer Volkswirtschaft noch in unserem eigenen Interesse.

Sie plädieren also für mehr statt weniger Integration - trotz aller Kritik?

Frank Appel: Die Geschichte lehrt uns, dass nationalistische und populistische Tendenzen langfristig schädlich sind. Internationaler Austausch hat sich hingegen als verlässlicher Motor für Fortschritt und Wohlstand erwiesen. Die Globalisierung hat unzweifelhaft das Leben vieler Menschen weltweit verbessert. Doch die Verteilung der Wohlstandsgewinne ist unausgeglichen. Deshalb kann ich nachvollziehen, dass Menschen das Gefühl haben, "abgehängt" zu sein. Doch die Antwort darauf darf nicht weniger Globalisierung heißen, sondern mehr - und vor allem bessere. Wir müssen den internationalen Handel weiter befördern und zugleich in Bildung und Infrastruktur investieren, damit sich Staaten nachhaltig positiv entwickeln können. Und wir müssen künftig besser erklären, welche Vorzüge wirtschaftliche Integration und Vernetzung bringen. Da sind übrigens auch wir Unternehmen gefordert.

1 In der heutigen Unternehmensstruktur.